Kante zeigen
Heute ist „blauer Montag“. Dahinter steckt eine langjährige Tradition der FPÖ sich nach jedem Wahlgang einen Tag frei zu nehmen. Während die Freiheitlichen 2019 den „blauen Montag“ zur Ernüchterung brauchten, erleben sie fünf Jahre nach der Ibiza-Affäre einen Höhenflug. Herbert Kickl ist unangefochten. Auch Christof Bitschi profitiert. Zwar greift er gerne mal auf einen blauen Feinwaschgang zurück, um die Wählerinnen und Wähler im Land nicht abzuschrecken. Doch auch der deutlich härtere Bundeskurs scheint in Vorarlberg zu funktionieren. Die Ausgangslage für die Wahlen im Herbst könnte für die FPÖ nicht besser sein.
Die Grünen schließen die EU-Wahl trotz Verlusten besser ab als erwartet. Die Vorwürfe rund um Lena Schilling polarisierten zwar, Unklarheiten scheint es in der Partei aber keine zu geben. Klima- und Umweltschutz sind ihre Währung. Doch ist das genug? Fest steht: Die Führung wird nicht zittern müssen. Werner Kogler ist kampfesmutig. Eva Hammerer und Daniel Zadra sitzen fest im Sattel.
Die Neos festigen sich mit dieser Wahl auf ähnlichem Niveau wie die Grünen. Die Pinken stellen sich mit dem Credo unter Beweis, dass Überzeugung mehr wiegt, als stets das Populäre zu sagen. Die EU-Wahl liegt ihnen. Im Herbst geht es weiter – mit Claudia Gamon und Beate Meinl-Reisinger als starke Wahlkämpferinnen. Nur: die Neos-Wähler von heute sind nicht unbedingt die Neos-Wähler von morgen. Und die „Vereinigten Staaten von Europa“ müssen anderen Themen weichen, die Neos wieder gute Nischen finden.
In dieser Gemengelage übersieht man fast die SPÖ. Sie konnte ihre Stimmen halten. Und sie könnte sich nach internen Fetzereien mit dieser Wahl erholen. Einigkeit ist gefragt – und vor allem braucht es klarere Aussagen. Als Oppositionspartei hat die SPÖ Potenzial, auch Unzufriedene abzuholen. Dafür braucht die SPÖ aber neue Konsistenz.
Die ÖVP steht dagegen vor ganz anderen Herausforderungen. Stimmt das Personal? Die Themen? Wo ist ihr Profil? Schon länger versucht die Volkspartei, der FPÖ das Wasser abzugraben. Die Schwierigkeit: Die ÖVP muss Lösungen finden, während die FPÖ leicht schimpfen kann. Kante zeigen reicht. Das fällt der Volkspartei schwer, vor allem auf Bundesebene. Im Land ist Markus Wallner vorerst sicher. Schwierige Monate folgen jedoch, um einen schwarzen Montag abzuwenden.
Denn nach der Wahl ist vor drei Wahlen. Nationalrat (September), Land (Oktober), Gemeinden (März 2025). Die EU-Wahl ist nur ein Vorgeschmack. Noch sind nicht alle Karten neu gemischt.
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