Das verlorene Gesicht
Die Mördertruppen der Hamas haben ihr wahres Gesicht gezeigt – aber viele im Westen haben ihr Gesicht verloren. Die UNO-Vollversammlung hat eine von 22 arabischen Staaten eingebrachte Resolution mit großer Mehrheit angenommen, in der eine Waffenruhe für Gaza gefordert wird, aber die Hamas-Massaker nicht einmal erwähnt. Damit es nicht vergessen wird: 1400 Juden wurden massakriert, Frauen, Kinder und Babys niedergemetzelt, hingerichtet oder entführt. Unsere Schweizer Nachbarn haben der Resolution zugestimmt: „Ein Erfolg für die Hamas und ihre Brüder im Geist“ (die NZZ). Europäische Staaten wie Italien, Großbritannien oder Schweden haben sich der Stimme enthalten. Und auch Deutschland. Gerade im Zusammenhang mit dem Holocaust ein Gesichtsverlust.
„Muss eine Klima-Bewegung sich wirklich auch zur Hamas und zu Israel äußern?“
Dass Österreich die Resolution abgelehnt hat, tut gut, angesichts des Antisemitismus, der wieder sichtbar wird. Er ist kein Alleinstellungsmerkmal rechter Gruppierungen mehr. Bei der Linken ist er mindestens so ausgeprägt. Götz Schrage, ein Wiener SPÖ-Bezirksrat, der sich seit langem als Flüchtlingshelfer engagiert, meinte per Gastkommentar im „Standard“: „Wenn ich sie mit gereckter Faust auf dem Stephansplatz sehen muss, wird mir buchstäblich übel. Wir brauchen keine Antisemitismus-Fachkräfte zu importieren. Trottel haben wir genug. Leider auch genug Linke, die bei den Hamas-Demonstrationen feuchte Augen bekommen und sich noch nicht positionieren, weil sie erst zuwarten wollen, ob die abgeschlachteten Babys nun geköpft oder ‚nur‘ verbrannt wurden“. Seine Konsequenz: „Weg mit ihnen. Rasch und sofort! Wer Juden ins Meer treiben will, soll das in der Schubhaft besprechen mit Gleichgesinnten.“ Ob sich unsere Sozialistische Jugend, die die Hamas verteidigt, angesprochen fühlt? Immerhin hat der Landesvorsitzende Mario Leiter den Hamas-Verstehern den Partei-Ausschluss angedroht. Eine solche Distanzierung bringt sein Bundesvorsitzender Babler nicht übers Herz. Ob er Babler in dieser Debatte stark wahrgenommen habe, wurde Ariel Muzicant, SPÖ-Mitglied und Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, in der ZiB 3 gefragt. Antwort: Nein. Dass die Willkommenskultur angesichts des importierten Antisemitismus ihre Grenzen hat, zeigt auch die vielbeachtete Internet-Rede des deutschen Vizekanzlers Habeck, Zitat: „Das Preisen des Terrors der Hamas ist eine Straftat. Wer Deutscher ist, wird sich dafür vor Gericht verantworten müssen, wer kein Deutscher ist, riskiert seinen Aufenthaltsstatus, wer noch keinen Aufenthaltstitel hat, liefert einen Grund abgeschoben zu werden.“ Wohlgemerkt: Das sagt ein Grüner.
Das Gesicht verloren hat auch die Ikone von „Fridays for Future“ (FFF), Greta Thunberg. Sie hat ein Pro-Palästina-Plakat präsentiert, aber auch einen blauen Plüsch-Oktopus, ein Symbol der angeblichen jüdischen Weltherrschaft, wie man es sonst nur aus der Neonazi-Szene kennt. Muss eine Klima-Bewegung sich wirklich auch zur Hamas und zu Israel äußern? Die deutsche FFF-Frontfrau Luisa Neubauer, gefragter Gast bei vielen Talk-Shows, hat sich nur halbherzig distanziert, die Vorarlberger Vertreter von FFF, mit Verspätung, deutlicher. Der Schaden für FFF dürfte lange nachwirken. Das Gesicht verloren haben auch renommierte Medien, die eine Meldung der Hamas ungeprüft übernommen haben, wonach ein israelischer Luftangriff in Gaza auf ein Spital Hunderte Todesopfer ergeben habe. Die New York Times, die BBC, das Wallstreet Journal, die deutsche „Tagesschau“ oder der Deutschlandfunk haben um der schnellen Schlagzeile willen die Nachricht ungeprüft übernommen. Sie haben die Meldung dann zurückgenommen oder relativiert, nachdem Israel klarmachen konnte, dass vermutlich eine fehlgeleitete Rakete des islamischen Jihad die Ursache war. Aber der Schaden war angerichtet. An der Medien-Front siegt im Moment die Hamas.
Wolfgang Burtscher, Journalist und ehemaliger ORF-Landesdirektor, lebt in Feldkirch.
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