Darum ist die Pensionslücke in Vorarlberg am größten

Im Land bekommen Frauen rund 47 Prozent weniger als Männer.
Schwarzach Noch immer besteht eine Pensionskluft zwischen den Geschlechtern in Österreich. Der morgige Equal Pension Day markiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bekommen haben wie die Frauen bis Jahresende. Vorarlberg ist österreichweites Schlusslicht. Der Equal Pension Day im Land fand schon am 11. Juli statt. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) ist zwar zuversichtlich, dass sich die Lücke künftig verringert. Die Gesellschaft verändere sich. Die Entwicklung brauche aber Zeit und erfolge nicht in wenigen Jahren, sondern eher in Dekaden.
Wien hat Nase vorne
Berechnungsbasis für den Equal Pension Day ist der Gender Pension Gap: Im Schnitt bekommen Frauen in Österreich eine Bruttopension von 1285 Euro, Männer 2162 Euro. In Vorarlberg ist dieser Unterschied größer: Die Frauenpensionen sind mit durchschnittlich 1123 Euro brutto österreichweit die niedrigsten. Jene der Männer betragen 2129 Euro. Frauen bekommen rund 47 Prozent weniger. Am besten schaut es im Bundesländervergleich in Wien aus. Dort fällt der Equal Pension Day auch erst auf den 13. September.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.
Vorarlbergs Soziallandesrätin Wiesflecker nennt im VN-Gespräch nicht eine einzige, sondern ein Bündel an Ursachen für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was Lohn und Pension angeht. Eine davon sei die Care Arbeit, die in Vorarlberg noch immer vor allem von Frauen geleistet werde. „Um am Gender Pay Gap und damit am Pension Gap wirklich etwas zu verändern, müsste sie besser zwischen den Partnern, den Eltern und den Geschlechtern aufgeteilt werden.“ Dies sei eng verknüpft mit der hohen Teilzeitquote unter Frauen. Zudem führt Wiesflecker das Thema Kinder- und Schülerinnen- und Schülerbetreuung an. „Da sind wir auf einem guten Weg, etwa mit dem Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz, das einen Versorgungsauftrag vorsieht.“ Doch in Sachen Nachmittags- oder Ferienbetreuung gebe es noch genug zu tun. Als dritte Ursache thematisiert die Landesrätin die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen. So würden klassische Frauenbranchen, etwa Handel, Dienstleistungsbereich oder Pädagogik, schlechter bezahlt als beispielsweise technische Berufe.

Auch das liberale Institut Agenda Austria spricht von mehreren Faktoren, welche die Pensionskluft zwischen den Geschlechtern bedingen, darunter die Berufswahl. „Frauen arbeiten tendenziell in Branchen mit geringeren Stundenlöhnen. Ein geringeres Gehalt schlägt sich auf die Pensionen nieder“, sagt Ökonomin Carmen Treml. Dazu komme die österreichweit sehr hohe Teilzeit-Quote unter Frauen. In Vorarlberg liegt sie bei 55 Prozent. Treml verweist in diesem Zusammenhang auf das Thema Kinderbetreuung, das eng damit zusammenhängt. In Wien könnten etwa neun von zehn Kindern so betreut werden, dass daneben eine Vollzeitbeschäftigung möglich wäre, schildert die Expertin. „In Vorarlberg sind es nur rund die Hälfte. Das ist nicht ausreichend.“ Allerdings: Wenn die Kinder älter sind, kehrten trotzdem nicht viele Frauen zur Vollzeit zurück. „Je älter die Person, desto eher arbeitet sie Teilzeit.“ Dies wirke sich negativ auf die Pension aus.

Hannah Schierholz
Was Vorarlberg angeht, nimmt der Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera auch auf die Beschäftigungsquote Bezug. Waren 2008 noch 16,7 Prozent mehr Männer als Frauen beschäftigt – ein sehr hoher Unterschied im Österreich-Vergleich – betrug dieser Wert 2022 nur noch 8,9 Prozent. „Dieser Umstand und das steigende Antrittsalter der Frauen könnte den Gap künftig verkleinern.“
Steigende Lebenserwartung
Gleichzeitig wächst die Lücke zwischen Erwerbstätigen einerseits und Pensionistinnen und Pensionisten andererseits durch die steigende Lebenserwartung, wie die Agenda-Austria-Experten warnen. „Die Finanzierung der Pensionen wird ein immer größeres Thema, auch wenn das Antrittsalter steigt“, sagt Treml. Die Agenda Austria hält daher eine höhere Erwerbstätigkeit in der Pension für zielführend. Menschen, die in Pension gehen könnten, dies aber aufschieben, bekommen etwa einen Bonus von 4,2 Prozent pro Jahr für maximal drei Jahre zur Pension dazu. „Das wird zu wenig in Anspruch genommen.“ Kucsera zufolge sollte sich das gesetzliche Antrittsalter künftig auch an der Lebenserwartung orientieren. Jedes Jahr müsste es dann um zwei Monate angehoben werden.