Ritsch zu Wallner: “Das ist kein einfacher Schritt”

Der Bregenzer Bürgermeister sprach mit den VN über den Job des Politikers und die damit einhergehende Belastung.
Schwarzach Der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch kennt die Situation: Auch er musste einst gesundheitsbedingt ruhiger treten. “Das ist kein einfacher Schritt.” Der Job des Politikers sei fordernd. Wenn Freude und Spaß daran sowie die Leidenschaft wegfalle, kippe das System.
Was haben Sie sich gedacht, als Sie hörten, dass Landeshauptmann Markus Wallner unter anderem aufgrund von Überlastung einen längeren Krankenstand antreten muss?
Ich hatte ein Déjà-vu, weil ich vor sechs Jahren einige Funktionen krankheitsbedingt abgegeben und eine große Operation hatte. In einer Position wie jener des Landeshauptmannes gibt man jeden Tag 120, 140 Prozent. Das ist schwer möglich, wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht. Ich wünsche Markus Wallner wirklich gute Besserung. Ich weiß, dass es kein einfacher Schritt ist und hoffe für ihn, dass er auch wieder zurückkommen kann.
Wie viel Erholung wird Politikern zugestanden? Wie lange hat man Ihnen Zeit gegeben?
Ich war damals als Landesparteivorsitzender der SPÖ noch im Spital und die Ersten haben schon gefragt: Kann er das noch machen? Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass von Mitbewerbern oder auch parteiintern versucht wird, politisches Kleingeld aus der Situation zu schlagen. Die Öffentlichkeit lässt einem mehr Freiraum, wenn man krank ist.
Wie einfach ist die Rückkehr?
Ich habe damals im Krankenstand die Entscheidung getroffen, einige Funktionen abzugeben. Mein Arzt hat gesagt, dass die Bandscheibenprothese und Operation mit Stress zu tun hatten. Man muss wirklich gut aufpassen, dass man sich nicht überfordert.
Wie gesund ist der Job eines Politikers überhaupt noch?
Es kommt darauf an, wie man es handhabt. Ich hatte damals als Klubobmann und Parteichef auch das Gefühl, dass es sehr viel und sehr anstrengend ist. Am Ende war ich dann nur noch Landtagsabgeordneter und Stadtrat in Bregenz, was routinemäßig sehr gut passte. Die Position als Bregenzer Bürgermeister fordert mehr: Du gehst in der Früh aus dem Haus und kommst irgendwann spätnachts nach Hause, das oft auch am Wochenende. Sobald du dich im öffentlichen Raum bewegst, kommen Dutzende Menschen auf dich zu, weil sie ein Anliegen haben. Mein Lieblingsspruch ist: „Herr Bürgermeister, nur ganz kurz.“ Man muss aufpassen und sich Freiräume schaffen. Gleichzeitig ist es so, dass man die Funktion selbst gewählt hat. Ich habe mit beiden Händen aufgezeigt, dass ich Bürgermeister werden will, habe auch Freude damit und Spaß. Und solange das so ist, ist der Druck nicht so groß. Schwierig wird es, wenn Freude, Spaß und Leidenschaft wegfallen. Dann kippt das System. Und das ist das Gefährliche in der Politik.