Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Sanfter Tourismus

Politik / 04.12.2021 • 06:30 Uhr

Gut, dass sich der stimmungsgetriebene Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aus der Politik verabschiedet hat.

Damit besteht die Chance, dass der Umgang mit Corona berechenbarer wird. Der Handlungsbedarf ist groß: Es gibt keine Strategie. Einmal sind Infektionszahlen maßgebend, zwischendurch gibt es Landtagswahlen, ein anderes Mal gilt die Pandemie als „gemeistert“ und schließlich kommt ein weiterer Lockdown. Extrem bitter ist das für Menschen, die so nichts mehr planen können und zum Nichtstun verdonnert sind.

Für ländliche Regionen ist Perspektive nötig. Zum Beispiel, indem man Hotels vor Weihnachten aufsperren lässt.

Beispiel Tourismus: Wenn zum dritten Mal in Folge zumindest Teile der Wintersaison auszufallen drohen, geht das an die Substanz. Dann gibt es weniger Investitionen (in möglicherweise auch vernünftige Dinge wie eine nachhaltige Entwicklung). Dann wird es immer schwieriger, Personal zu finden: Wer kann, wer will schon in einem Bereich arbeiten, in dem fraglich ist, ob überhaupt gearbeitet werden darf? Das ist nicht zumutbar. Für ganze Regionen und ihre Bewohner entwickelt sich das zu einer Katastrophe, vom Montafon über den Arlberg bis zum Bregenzerwald.

Hier ist Perspektive nötig. Zum Beispiel, indem man Hotels vor Weihnachten aufsperren lässt. Vorbild dafür könnte die Schweiz sein. Dort ist die Regierung schon vor einem Jahr mit ein paar Grundsätzen in den Winter gegangen. Schulunterricht und Tourismus etwa sollten nie ganz gestoppt werden müssen. Das Ziel wurde erreicht. Zumal beim Auftreten von Infektionen unmittelbar konsequent gehandelt wurde, auch in den Fünfsterne-Hotels von St. Moritz, in denen Milliardäre absteigen.

Dieses Modell gehört kopiert. Zumal sich Risiken reduzieren lassen. Durch strikte Anwendung einer 2G-Plus-Regel, wonach nur Genesene und Geimpfte aufgenommen werden, die sich regelmäßig einem PCR-Test unterziehen. Durch die Beschränkung von Öffnungsschritten auf Restaurants und Geschäfte. Après-Ski-Hütten, Nachtlokale und Diskotheken müssen zubleiben. Dann wäre zwar keine Party möglich, aber ein bisschen Leben. Und natürlich Umsatz.

Derlei zuzulassen würde eine entscheidungsstarke Regierung voraussetzen, zumal die öffentliche Meinung eher gegen den Tourismus ist. Seit dem Auftreten einiger Repräsentanten im Zusammenhang mit Ischgl wollen nicht wenige, dass die Branche extra leidet. Darauf darf man keine Rücksicht nehmen. Es geht auch um kleine Existenzen in ländlichen Regionen. Sie sind sogar viel zahlreicher.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.