Alarmismus & Wut, unsere Begleiter
Und jetzt haben uns die Tiroler auch noch die Omikron-Variante ins Land eingeschleppt, diese Après-Ski-Experten!
Wer weiß, was die neue Corona-Mutation jetzt für uns alle bedeutet! Sind wir mit unseren Impfungen der bösartigen, neumodischen Variante gar schutzlos ausgeliefert? Das ist ein Albtraum, der niemals endet! Der Alarmismus nach Bekanntwerden des Aufkommens der neuerlichen Mutation des Corona-Virus ist groß. Da mögen Forscher wie Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York noch so sehr davor warnen, bei aller Besorgnis und Achtsamkeit nicht in Panik zu verfallen – derzeit habe man zu wenig Daten über Omikron. „Keiner kann sagen, was auf uns zukommt“, sagt der deutsche Virologe Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Es sei jedenfalls besser, geimpft zu sein.
Derweil machen sich schon viele Menschen mit ihren Ängsten gegenseitig noch ängstlicher, gerade auch auf den Social-Media-Plattformen: Unsere tägliche Apokalypse gib uns heute! Das sind oft jene, die sich an alle Maßnahmen gehalten und die Impfung als wichtigstes Mittel im Kampf gegen die Pandemie akzeptiert haben; jene, die jetzt wieder im Lockdown festsitzen, weil eben noch zu viele andere keine Impfung wollten – zumindest bisher. Es ist nur zu verständlich, dass die Sorge, aber auch der Unmut der Geimpften täglich zunimmt. Vor Corona waren die „Wut-Oma“ oder der „Wut-Bauer“ überschaubare Phänomene, denen Boulevard-Medien gerne die Bühne gaben. Heute ist die Wut überall, auch in der Mitte der Gesellschaft.
Die Ambivalenz des Zorns
Der Zorn ist Teil des Menschseins, Aristoteles definierte ihn zum Beispiel als „von Schmerz begleitetes Trachten nach Rache wegen einer erlittenen Geringschätzung“. Wer sich missachtet oder schlecht behandelt fühlt, reagiert auch mit Zorn. Das sei nicht per se unvernünftig, könne aber auch sein Ziel verfehlen; manchmal diene Zorn der Tugend und der Tapferkeit, doch für viele Menschen sei er nur quälend und zerstörend. Daher darf der unzuverlässige Zorn allein nicht unser Handeln lenken, sondern braucht die Führung durch den Verstand.
Vielleicht ein Leitfaden, um mit dem Zorn unserer Zeit umzugehen. Mit dem Ausleben der Wut werden wir leider nicht weiterkommen, außer uns kurzfristig emotional zu entlasten. Wenn sich geimpfte und ungeimpfte Menschen nur mehr wütend begegnen, macht das die Bewältigung der Pandemie noch schwieriger. Gemeinschaft kann man nicht verordnen und zum Teil ist sie schon zerbrochen – dennoch kann das Besinnen auf eine Zweckgemeinschaft in der Pandemie helfen, durchzukommen. Und viele gesellschaftliche Konfliktfragen wird man dann nach der Pandemie demokratisch austragen müssen.
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