Die Lösungsbremser
Noch bis Freitag diskutieren die Staatenlenker der Welt in Glasgow, wie der klimabedingte Untergang zu verhindern wäre. Und das von Anfang an zu erwartende Ergebnis wird so etwas wie eine Tasse Kamillen-Tee zur Beendigung der Corona-Pandemie sein: Ein Haufen von Detail-befreiten Absichtserklärungen, die in einem halben Jahrhundert, alle Probleme lösen sollen, es aber kaum werden. Und bis zum Jahr 2070 wollen sich im Fünf-Jahre-Rhythmus alle wieder treffen und die zwischenzeitlich erreichten “Erfolge” feiern.
Die Teilnehmer der Welt-Klimakonferenz und die Heerscharen von Demonstranten in buchstäblich aller Welt haben die erschreckende Gegenwarts-Realität des Klima-Wandels und die noch viel größeren Zukunftsprobleme erkannt und deutlich gemacht: Weltweiter Temperaturanstieg durch Umweltbelastungen zerstört weitgehend ungebremst die Lebensfähigkeit auf der Erde und ist nach Berechnungen der Welthungerhilfe der Vereinten Nationen schon jetzt für jährlich neun Millionen Hungertote verantwortlich.
Aber es ist beklagenswerte Realität, dass sich einige Staaten mit Reformverweigerung wirtschaftliche, soziale und politische Vorteile gegenüber den “Gutwilligen” erhalten und erschleichen wollen.
Die Konferenz in Glasgow zeigte, wie komplex die Sicherung des Überlebens der Menschheit ist. Wie schon vor, während und nach der Klimakonferenz von Paris. Bei der Eindämmung der Umweltverseuchung müssen alle Verursacher, und das sind vornehmlich die Industriestaaten einschließlich China und Russland, mitmachen. Aber es ist beklagenswerte Realität, dass sich einige Staaten mit Reformverweigerung wirtschaftliche, soziale und politische Vorteile gegenüber den “Gutwilligen” erhalten und erschleichen wollen.
Unbestritten ist auch, dass “Umweltschutz” Konsumverzichte und andere Einschnitte in die Lebensführung besonders der Menschen in den sogenannten Wohlstandsländern bedeutet. Das führt, wie gegenwärtig die Corona-Pandemie mit der eine Beschneidung der Freiheitsrechte beklagenden Truppe von Impfgegnern exemplarisch dokumentiert, zu Spaltungen von Gesellschaft und nationaler Politik. Welche neuen Belastungen kann beispielsweise US-Präsident Joseph Biden im Parlament durchsetzen und seinem Volk auferlegen, dem es gerade nach Monate langem Tauziehen mit Hängen und Würgen gelang, ein drastisch zusammengestutztes Hilfsprogramm zur Teilsanierung der maroden Infrastruktur seines Landes genehmigt zu bekommen?
Schlussfolgerung kann nur sein: “Die Politiker” als alleinige Lösungsbremser zu brandmarken, ist zu einfach. Wir, die “Menschen auf der Straße” müssen es ihnen ermöglichen, uns zu helfen und retten zu lassen. Rettende Maßnahmen können schmerzlich sein. Vorzeitig und qualvoll zu Sterben ist schlimmer.
Peter W. Schroeder
berichtet aus Washington, redaktion@vn.at
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