Pandemie der ungeimpften Jüngeren

VN/Stiplovsek
Gesundheitsexperte Thomas Czypionka warnt, dass es sich um ein Problem aller handelt.
SCHWARZACH Die Auswertung, die die staatliche Gesundheitsagentur AGES vorgenommen hat, lässt den Schluss zu, dass derzeit eher eine Pandemie der ungeimpften Jüngeren läuft. Die Beamten haben die Entwicklungen nach Impfstatus und Alter untersucht. Ergebnis: Bei Zwölf- bis 17-Jährigen, die vollständig geimpft sind, belief sich die Inzidenz bestätigter Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche österreichweit zuletzt auf 33. Bei gleichaltrigen Ungeimpften war sie mit 332 ganze zehn Mal höher. Darüber hinaus waren die Unterschiede zwar kleiner. In der Gruppe der 18- bis 59-jährigen und der der ab 60-Jährigen war die Inzidenz bei Ungeimpften aber noch immer fünf bzw. vier Mal höher als bei vollständig Geimpften.
Ähnlich verhielt es sich bei Leuten, die nicht nur eine bestätigte Infektion, sondern auch Erkrankungssymptome aufwiesen. Hier belief sich die Inzidenz bei den Jüngsten auf zehn bei Geimpften und gar 164 bei Ungeimpften; bei den Ältesten lauteten die Verhältnisse 14 zu 57.
Impfen reduziert die Risiken also deutlich. Wenn von einer „Pandemie der Ungeimpften“ gesprochen wird, ist laut dem Gesundheitsexperten Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien jedoch Vorsicht angebracht: Letztlich bleibe es ein Problem aller. Auch Geimpfte würden etwa darunter leiden, dass es in den ersten Spitälern schon wieder eng wird. Das treffe sie etwa dann, wenn Wahleingriffe verschoben werden müssen. Vor allem aber wachse mit zunehmendem Infektionsgeschehen die Mutationsgefahr. Damit einher könne ein geringerer Impfschutz gehen.
Ideal wäre es laut Czypionka, wenn sich alle, die das können, impfen lassen würden. Damit würden auch Ansteckungen reduziert. Doch diesbezüglich habe man in den vergangenen Monaten auch seitens der Politik wertvolle Zeit verschlafen: Zu lange habe sie sich ausschließlich auf Impfstoffbeschaffung konzentriert. Besonders Jüngere habe man nicht nur warten lassen, sondern sich auch zu wenig mit ihren Motiven beschäftigt, um sie im Rahmen von Impfkampagnen schließlich bestmöglich ansprechen zu können. Bei ihnen verbreitet sei beispielsweise eine „Intentions-Verhaltens-Lücke“: Einer grundsätzlichen Bereitschaft stehe die Überlegung entgegen, dass das Risiko, schwer zu erkranken, in ihrem Alter geringer ist.