Experiment des Guten ist gescheitert

Politik / 29.08.2021 • 22:36 Uhr

Nach dem Debakel des vom exilierten Präsidenten-Darsteller Donald Trump in Szene gesetzten Abzugs der militärischen Demokratie-Aufbauer im von Menschenrechtsschindern und Korrupten drangsalierten Afghanistan ist folgendes sonnenklar und zu beklagen: Das Experiment des Guten ist endgültig gescheitert, und die Ära des „amerikanischen Jahrhunderts“ vorbei. Denn der Demokratie, Menschenwürde, Recht und Ordnung durchsetzende letzte „Polizist der Welt“ hat sich vom mit viel Blut getränkten Acker gemacht.

Dabei alles hat 1941 so hoffnungsvoll begonnen als der wirtschaftliche Koloss USA 1941 entschlossen Verantwortung in den von unermesslichem Leid erschütterten Ländern im Rest der Welt übernahm: Menschen in europäischen und asiatischen Staaten wurden mit maßgeblicher amerikanischer Hilfe von Unterdrückung und Verfolgung befreit. Gigantische US-Wirtschaftshilfen und Druck zur Einführung freiheitlicher und demokratischer Rechte führten zu neuen Freiheiten und Wohlstand. Und die Vereinigten Staaten übernahmen aus Überzeugung und auch aus Eigennutz dort wo auch immer demokratische Normen mit Füssen getreten wurden, die Rolle als Weltpolizist. Wie etwa in Bosnien und Kosovo.

Das alles trug schließlich zum Fall der Berliner Mauer und dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion bei, und letztlich auch zum faktischen Ende des Kalten Krieges. Niederlagen musste der „amerikanische Kreuzzug für das Gute“ bei den Kriegen in Korea, Vietnam, im Irak, in Syrien und in Libyen hinnehmen. In Mittel- und Südamerika und den arabischen Ölstaaten verteidigt Washington schon seit Langem hauptsächlich US-Wirtschaftsinteressen.

Der US-Rückzug aus Afghanistan mit der Wiederübernahme der Macht der mörderischen Taliban ist der Schlusspunkt der Erosion der Verantwortung der USA für die Welt und das Ende der Partnerschaft der Gutwilligen und Verbündeten. Es gibt in der Welt keine Führungsmacht mehr, nur noch konkurrierende Interessengemeinschaften wie die EU und Einzelmächte wie China, Russland, die Ölstaaten und die „Armenhäuser“ in Afrika, Mittel- und Südamerika, sowie in Asien. Und natürlich die jetzt ungebremst eine „USA über alles“-Politik betreibende ehemalige Supermacht, die den Kampf für das Gute kampflos aufgegeben hat.

Für Europäer bedeutet das mehr als den Verlust eines Mitstreiters für eine gerechtere Welt. Die einstigen Nutznießer der US-Politik müssen Demokratieideale aus eigener Kraft durchzusetzen versuchen. Es lohnt sich und es gibt keine Alternative.

„Das Experiment des Guten ist endgültig gescheitert, und die Ära des „amerikanischen Jahrhunderts“ ist vorbei.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at