Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Der Mitmenschlichkeitsindex

Politik / 09.08.2021 • 07:30 Uhr

Nach all den Meldungen über Natur- und von Menschen gemachte Katastrophen mit Kriegen, Klima-Desaster, vor Not und Verfolgung flüchtende Menschenmengen, und Pandemiefolgen mit politischem und gesellschaftlichem Versagen gibt es endlich auch gute Nachrichten. Eine davon ist die Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen, dass die Kindersterblichkeit in den letzten zehn Jahren in praktisch allen Ländern der Welt kontinuierlich gesunken ist.  Dasselbe gilt für die Müttersterblichkeit. Gesunken ist auch der Anteil der “extrem armen” Menschen an der Weltbevölkerung. Inzwischen gehen auch mehr Kinder (mit oder ohne Maske) zur Schule.

Hilfsorganisationen rund um den Erdball registrierten dazu einen erheblichen Anstieg beim Mitmenschlichkeitsindex: Immer mehr Menschen helfen benachteiligten und in bittere Not geratenen Menschen. Von der Beseitigung von Katastrophenschäden bis hin zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit und Hunger. Mit herzhaftem Zupacken genauso wie mit Geldspenden und anderen Hilfeleistungen. Praktizierte Nächstenliebe eben. Christliche, muslimische, jüdische, buddhistische oder was auch immer.

Auch schlechte Nachrichten können gute Seiten haben. Als Folge von Covid-Beschränkungen war die Luft besser und befeuerte die komatös gewordene Umweltdiskussion. Politische Versager bei der Pandemiebekämpfung müssen demnächst mit der verdienten Abwahl rechnen. Wie es dem Vorgänger von US-Präsident Joseph Biden bekanntlich schon passierte.

Auch Ehescheidungen können gute Nachrichten sein. Wie die von Melinda French Gates, die ihrem Angetrauten, dem Microsoft-Mogul Bill Gates, nach 27 gemeinsamen Jahren den Laufpass gab. Nach den Gesetzen des US-Bundesstaates Washington wird sie jetzt genau die Hälfte des auf rund 130 Milliarden Euro geschätzten Vermögens kassieren. Und ihren Anteil von 65 Milliarden will sie zum größten Teil für “gemeinnützige Zwecke” spenden und damit viele Nöte und Ungerechtigkeiten auf der Welt lindern helfen.

Die in vielen US-Staaten übliche finanzielle halbe-halbe-Regelung könnte ein Vorbild für viele andere Länder sein, deren hauptsächlich von Männern gemachten Gesetze Ex-Ehefrauen oft grotesk benachteiligen und sie und Scheidungskinder nicht selten ins Elend stürzen. Das wäre ein weiteres Zeichen für praktizierte Mitmenschlichkeit. Und in der Zukunft sollten wir, privat und in den Medien, einfach zur Kenntnis nehmen, dass in der Welt auch, aber nicht nur, Katastrophen und Versagen zu beklagen sind.