Vorarlberg als Blaupause für Lockerungen

Ganz Österreich soll sich ab Mai den Vorarlberger Öffnungen annähern.
Wien Östlich des Arlbergs ist Geduld gefragt. Noch einen Monat könnte es dort bis zu größeren Öffnungsschritten dauern. Vorarlberg bleibt bis dahin mit seinem Sonderstatus allein. Danach gleichen sich die anderen Bundesländer an. “Unser Modell wird sich durchsetzen”, ist Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Freitag nach Gesprächen zwischen Bund, Ländern und Experten überzeugt. Es ist ein guter Tag, wie er meint. Denn es wurde nicht mit Lob gespart. Vorarlberg hat es bislang geschafft, trotz Öffnungsschritten ein exponentielles Infektionswachstum zu verhindern. Das liege vor allem am Testen, glaubt Wallner.
Systemkritische Grenze
Derzeit verzeichnet das Land 166 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner und Woche. Vor sieben Tagen waren es 143, vor 14 Tagen 132. Die Zahl der Intensivpatienten bewegt sich seit einigen Tagen zwischen neun und elf. “Hier könnte es noch zu einer Steigerung kommen”, meint der Landeshauptmann. Bis Ende April würden 15 prognostiziert. Was die Auslastung betreffe, wären auch 20 kein Problem. Aktuell sind 23 von insgesamt 52 Intensivbetten unbelegt. Ist ein Drittel mit Covid-Patienten besetzt, ist laut Coronakommission eine systemkritische Grenze überschritten. Darauf soll sich Vorarlberg vorbereiten, heißt es in ihrem aktuellen Bericht.

Die Experten sehen den Höhepunkt der dritten Welle erreicht. Mit Ausnahme von Vorarlberg sei überall von rückläufigen Fallzahlen auszugehen. Wallner sieht die Modellregion aber nicht gefährdet. Der Abstand zu den anderen Bundesländern sei zwar sichtbar kleiner geworden. Der Inzidenzvergleich hinke jedoch. Auf Grund des vielen Testens sei die Dunkelziffer deutlich geringer als in Restösterreich.
Die Ostregion befindet sich derzeit im Lockdown. Während Wien und Niederösterreich dort bis 2. Mai verharren werden, dürfen Handel und Dienstleister im Burgenland ab kommendem Montag wieder öffnen.
Mitte Mai seien weitere bundesweite Schritte geplant, kündigte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag an. In allen Bereichen von Kultur über Sport, Gastronomie bis Tourismus seien gleichzeitig Lockerungen möglich. Ein Öffnungsplan liege bis Ende kommender Woche vor. Masken, Tests und auch der “Grüne Pass” würden eine große Rolle spielen. Vor allem Selbsttests seien gefragt, meint Wallner. Hier hätten Vorarlberg und Wien bereits gute Testformate ausgerollt. Die anderen Bundesländer müssten sich nun vorbereiten.
Debatte über Sperrstunde
Der Landeshauptmann glaubt, dass auch die Ausgangsregelung diskutiert werden könnte. Je nach Gesamtlage sei eine spätere Sperrstunde denkbar. Den Grünen Pass wolle er so rasch wie möglich, sagt Wallner. Dieser soll Genesenen, Geimpften und Getesteten etwa in Restaurants oder zu Veranstaltungen Zutritt ermöglichen. Vieles spreche für eine Einführung Mitte Mai – also dann, wann auch hinter dem Arlberg langsam wieder Leben einkehrt.