Anstieg trotz Pandemie

Politik / 25.02.2021 • 22:26 Uhr

Entwicklung der Asylzahlen gegen EU-Trend.

wien Trotz Corona-Pandemie ist die Zahl der Asylanträge in Österreich im Vorjahr zum ersten Mal seit 2015 gestiegen, und zwar um rund zehn Prozent. Das geht aus der vom Innenministerium am Donnerstag präsentierten Jahres-Asylstatistik hervor. Der Anstieg sei „völlig gegen den EU-Trend“, sagte der Leiter der Gruppe V/C (Asyl und Rückkehr), Wolfgang Taucher. In der Europäischen Union gingen die Zahlen um 31 Prozent zurück.

Taucher betonte, dass Österreich derzeit kein Ziel-1-Land für Flüchtlinge sei. Viele würden bei der Durchreise in Richtung Deutschland oder Nordeuropa aufgegriffen und dann hierzulande Anträge stellen. Insgesamt suchten 14.192 Personen in Österreich um Asyl an. Der ansteigende Trend insgesamt lässt sich laut Taucher mit der geografischen Lage Österreichs und den Hauptrouten erklären. Auch Rumänien und Bulgarien sowie Kroatien hätten höhere Zahlen zu verzeichnen. Seit der Pandemie hat sich die Nationalität der Schlepper geändert. Waren bis dahin Gruppen wie Afghanen, Pakistaner und Iraker führend, würden nun vermehrt Syrer, Österreicher und Niederländer ertappt, betonte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität. Top-Nationen bei den Asylwerbern sind unverändert Syrer und Afghanen.

Taucher berichtete von einem überraschenden Plus von 355 Prozent bei den drittplatzierten Marokkanern. Dabei habe diese Gruppe eine Anerkennungswahrscheinlichkeit von nur einem Prozent. Marokkaner, Algerier und Inder sind häufig in Fast-Track-Verfahren involviert. Innerhalb von 72 Stunden wird dabei eine Entscheidung gefällt. Taucher zeigte sich zufrieden damit, dass die Verfahrensdauer kurz gehalten werden konnte. Sie lag für Verfahren mit Asylantrag seit Juni 2018 bei 3,9 Monaten. Offen sind noch rund 21.000 Verfahren, davon etwa 15.000 bei den Gerichten. In der Grundversorgung befanden sich Ende 2020 knapp 26.700 Personen – 14 Prozent weniger als im Jahresvergleich. Zuerkennungen gab es insgesamt 12.633, die meisten davon Asyltitel (7710). Die übrigen betrafen subsidiären Schutz oder humanitäre Aufenthaltstitel.