Jugend in der Krise

Politik / 23.02.2021 • 08:00 Uhr
Jugend in der Krise
Jugendliche und Kinder tun sich in der Pandemie besonders schwer. APA

Auch das Land berichtet von gestiegenen Ängsten und Unsicherheiten.

Bregenz Kinder und Jugendliche macht die Coronakrise schwer zu schaffen. Maria-Katharina Veraar, Primaria der Jugendpsychiatrie in Rankweil, hatte im Interview mit den VN von einem regen Zulauf berichtet. Eine aktuelle Beantwortung einer Neos-Anfrage verdeutlicht diese Entwicklung. Über die Koordination der psychosozialen Hilfen im Land hätten sich vor allem gegen Ende 2020 und besonders im Jänner stärkere Fallzahlen gezeigt, berichtet Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP).

In ihrer Anfrage zitierten die Neos unter anderem eine Studie der Koordinationsstelle für Offene Jugendarbeit und Entwicklung (KOJE) vom Dezember. An der Befragung nahmen mehr als 1500 Jugendliche in Vorarlberg teil. Ein Drittel gab demnach an, psychisch stark unter der Krise und ihren Folgen zu leiden. „Kinder und Jugendliche brauchen eine Perspektive – in Zeiten der Krise mehr denn je“, fordert die Oppositionspartei. Auch die FPÖ reagierte alarmiert. In einer Aussendung warnte die Landtagsabgeordnete Nicole Hosp vor den verheerenden Auswirkungen des Lockdowns auf junge Menschen. „Diese schlimmen Folgen werden nun immer sichtbarer.“

Planbare Perspektive fehlt

In der Anfragebeantwortung erklärt Rüscher, dass die Rückmeldungen aus der Koordination der psychosozialen Hilfen im Land gezeigt hätten, dass Ängste und Unsicherheiten insbesondere bei Kindern und Jugendlichen seit Beginn der Krise zunahmen. Speziell bei Jugendlichen zeigten sich Zukunftsängste. Ihnen fehle eine planbare Perspektive, vor allem was ihre Ausbildung oder die Arbeitsstelle angeht. Der längere harte Lockdown habe die Probleme ab Jänner 2021 intensiviert. Das Eltern- und Familienzentrum berichtete beispielsweise von Schulverweigerung und Überforderung der Eltern mit Heimunterricht. Die Atmosphäre in den Familien sei angespannt.

Die ifs Schulsozialarbeit meldete emotionale Anspannungen, was sich zum Beispiel auch in aggressivem Verhalten zeige. Während die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Pro Mente im Sommer eine Normalisierung der Situation und weniger Neuanfragen verzeichnen konnte, habe sich das gegen Ende des Sommers verändert: Es gab wieder mehr Anfragen. Insbesondere im Jänner stieg die Nachfrage stark. Die Fälle seien komplex, die Betreuung von Kindern sehr intensiv.

Rüscher verwies in der Anfragebeantwortung auf Bemühungen eines regelmäßigen Austausches zwischen der Psychiatriekoordination des Landes und den psychosozialen Einrichtungen, dem Landeskrankenhaus Rankweil und den niedergelassenen Fachärzten schon zu Beginn der Corona-Pandemie. Der Betrieb in den Einrichtungen sollte aufrechterhalten, an die Covid-19-Rahmenbedingungen angepasst und die Erstberatungsstellen bekannt gemacht werden.

Wie die Landesrätin weiter ausführt, fänden derzeit Gespräche zwischen der Psychiatriekoordination des Landes und einer Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie des Psychiatriebeirats statt. Ziel sei es, Familien und Jugendliche rasch mit weiteren Entlastungs- und Krisengesprächen zu unterstützen. Außerdem habe Rüscher im Februar eine sogenannte Task Force Psychische Gesundheit ins Leben gerufen, die bis auf Weiteres einmal im Monat tagt und sich mit der Thematik auseinandersetzt. Eine Aufstockung der Mittel für Krisen-Beratungsgespräche und Psychotherapie und eine kurzfristige Verstärkung des Angebots der Kinder- und Jugendpsychiatrie am LKH Rankweil seien bereits ins Auge gefasst worden.