Bürgermeister von Sulzberg: „Buntes Dorfleben soll nicht zum Erliegen kommen“

Politik / 26.10.2020 • 15:00 Uhr
Bürgermeister von Sulzberg: „Buntes Dorfleben soll nicht zum Erliegen kommen“
VN-Redakteurin Magdalena Raos im Gespräch mit dem neuen Bürgermeister von Sulzberg, Lukas Schrattenthaler.

Lukas Schrattenthaler über sein neues Amt als Bürgermeister und welche Projekte er in Sulzberg realisieren will.

Sulzberg Vor drei Wochen wurde Lukas Schrattenthaler von der Gemeindevertretung zum neuen Bürgermeister von Sulzberg gewählt. Welchen Rat er von seinem Vorgänger Helmut Blank mitbekommen hat, was ihn an der Kommunalpolitik reizt und warum er trotz Krise zuversichtlich in die Zukunft blickt, verrät der 47-Jährige im VN-Interview. 

Haben Sie sich schon an Ihre neue Rolle gewöhnt?

Schrattenthaler Ich bin jetzt erst drei Wochen im Amt, es wäre vermessen zu sagen, dass ich mich an die neue Rolle gewöhnt habe. Der Arbeitsbereich ist sehr vielfältig, man braucht einige Zeit, bis man alles richtig versteht. Es ist ein anderes Leben, man muss sich daran gewöhnen.

Hat Ihnen Vorgänger Helmut Blank etwas auf den Weg mitgegeben?

Schrattenthaler Den Humor nicht zu vergessen und trotz mancher Schwere in der Arbeit auch die Leichtigkeit nicht zu vergessen.

Was macht den Reiz der Kommunalpolitik aus?

Schrattenthaler Die Politik auf kommunaler Ebene ist sehr unmittelbar. Man ist direkt mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger konfrontiert und steht im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Dorf. Die Bürgernähe ist viel unmittelbarer und direkter. Hier muss man Nägel mit Köpfen machen.

Welche Projekte stehen als Nächstes an?

Schrattenthaler Wir sind in der günstigen Situation, dass in der letzten Periode von der alten Gemeindevertretung und dem alten Gemeindevorstand viele Projekte mit großem Bedacht bereits auf Schiene gebracht worden sind. Etwa das Raumentwicklungskonzept, in dem es auch um Flächenwidmungen geht. Auch die Umsetzung und Planung von einem Mobilitätskonzept, bei dem wir schon weit fortgeschritten sind. Da geht es um Verkehrsberuhigung und eine entsprechende Parkraumgestaltung für die vielen Tagesausflügler. Es gibt drei konkrete Projekte, die leistbares Wohnen in Sulzberg zum Thema machen. Außerdem wird der alte Pfarrhof saniert, der zu einem Begegnungszentrum im Dorf werden soll. Ein Projekt, das ebenfalls entscheidend sein wird für die nächsten Jahre, ist das Gebäude für Kindergarten, Volksschule und Kleinkinderbetreuung.

Wie hat sich die Coronakrise auf die Gemeinde ausgewirkt?

Schrattenthaler Die Coronakrise hat Spuren hinterlassen. Jetzt gilt es, bestmöglich Vorsorge zu treffen und die Menschen an ihre Eigenverantwortung zu erinnern. Das ist schon eine große Sorge. Es soll niemand Angst vor Vorwürfen haben, wenn er positiv ist. Es braucht hier die helfende Hand. Sulzberg hat sehr viele aktive Vereine, die sehr wichtig sind für ein buntes Dorftreiben, die auch Alternativen finden wollen, um die Menschen trotz Coronakrise zu erreichen. Da bin ich sehr froh. Die Umstände ändern sich aber täglich und es ist nicht sehr leicht. Wir bemühen uns aber, dass ein gutes Zusammenleben außerhalb der vier Wände am Leben gehalten wird.

Wie sehr trifft Sulzberg die deutsche Reisewarnung?

Schrattenthaler Sulzberg braucht den Tourismus für die Beherbergungsbetriebe im Ort. Ein Grenzort hat natürlich auch eine höhere Anzahl an Pendler. Wir haben ein Seniorenheim, wo Angestellte aus dem Allgäu herkommen. Wenn die Grenze wieder geschlossen wird, ist das ein Problem.

Wie steht es um die Gemeindefinanzen?

Schrattenthaler Das wissen wir noch nicht. Wir sind gerade dabei, die Budgetplanung anzugehen. Die Gemeinde steht aber auf einer soliden finanziellen Basis. Die Auswirkungen der Coronakrise können wir grob abschätzen. Die Projekte stehen auf einem sicheren Fundament.

Sind Sie zuversichtlich, wenn Sie an das nächste Jahr denken?

Schrattenthaler Erst wenn wir aufhören zu hoffen, kommt das, was wir fürchten, bestimmt. An dieses Zitat von Christa Wolf habe ich mich Zeit meines Lebens gehalten. Das, was wir uns nicht nehmen lassen dürfen, ist die Zuversicht. Denn was ist die Alternative? Sich hinsetzen und warten und in Selbstmitleid zu verlieren? Nein, es ist wichtig eine gewisse Leichtigkeit bei aller Schwere des Tuns beizubehalten. Wir werden das bewältigen. Die Zuversicht und der Glaube daran, dass das gut werden kann, treibt einen an. Mein großes Interesse ist, dass das bunte Dorfleben nicht zum Erliegen kommt. Wir können uns nicht gegenseitig wegsperren und hinter den eigenen vier Wänden verkriechen. Bei aller Tragik gab es auch eine Welle der Solidarität, das war etwas Schönes. Solche Dinge zaubern einem ein Lächeln ins Gesicht.