Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Pandemiehochmut

Politik / 04.10.2020 • 17:30 Uhr

Hochmut, sagt der Volksmund, kommt vor dem Fall. Wie beim amerikanischen Präsidenten der die tödlichen Gefahren der Coronapandemie wider besseres Wissen verharmloste. Ein Präsident, der lebensrettende Vorkehrungen wie das Masken tragen als Unsinn bezeichnete, es aus purem Eigennutz lächerlich machte und davon abriet. Und der jetzt die Ernte seiner giftigen Ignoranz einfahren muss und der, wie schon fast acht Millionen Virus-infizierte andere US-Bürger, selbst erkrankte und in der Klinik behandelt werden muss.

Und was sollte das den Menschen in buchstäblich aller Welt sagen? Schlicht und unmissverständlich: Folgt den Abermillionen von Vernunftbegabten und geht nicht länger Ignoranten, Verführern und Rattenfängern auf den Leim. Schützt und rettet euer eigenes Leben und das von Menschen um euch herum. Tapert nicht als Virenschleudern durch die Gegend, tragt endlich Masken, befolgt auch die anderen wahrhaft vernünftigen Vorsichtsmaßregeln. Und lasst das euer Leben und das von Anderen gefährdende hirnrissige Demonstrieren für “Ich will meine Freiheit wiederhaben” sein. Denn Freiheit für was?  Die Freiheit, Menschen unter die Erde zu bringen?

Der Fall des Virenbeschleunigers Donald Trump beleuchtet die in den Sozialen Netzwerken zu besichtigende grenzenlose Schadenfreude mit Leidenshoffnungen ein moralisches Dilemma. Denn einem Menschen Siechtum und den Tod zu wünschen, sollte nicht akzeptabel sein.  Angehörige von Opfern, die Trumps Anregung zum Gurgeln mit Haushaltsreinigern zur Covidbekämpfung folgten, vertreten vielleicht eine andere Ansicht.

Und welche Gedanken treiben Hinterbliebene der bislang 208.000 US-Corona-Toten um, von denen viele nicht gestorben wären wenn der US-Präsident die Pandemie nicht politisch missbraucht und die von Experten verlangten amtlichen Beschränkungen der Freizügigkeit nicht hintertrieben und blockiert hätte. Dr. Anthony Fauci, der Chef der US-Seuchenbehörde ist sicher: “Hätten die USA Maßnahmen wie etwa in Deutschland ergriffen, wären bei uns vielleicht 40.000 Menschen gestorben und nicht bislang mehr als 200.000”.

Trump ist anzulasten, dass seine Ignoranz weltweit wirtschafts-, sozial- und sicherheitspolitische Verwerfungen vergrößerte.

Zudem ist Trump anzulasten, dass seine Ignoranz angesichts der Pandemie weltweit wirtschafts-, sozial- und sicherheitspolitische Verwerfungen vergrößerte und Not und Elend beförderte. Und die Vorstellung, dass der fiebernde Kranke in der Klinik den ominösen “Football” mit den Codes für das Auslösen eines Nuklearkrieges neben dem Bett stehen hat und er uneingeschränkt weiter regiert, darf Beunruhigung auslösen. Allein deshalb ist ihm baldige und schnelle Genesung zu wünschen. Und der Wahltag am 3. November kann nicht früh genug kommen.