Traditionelles Rollenbild in der Krise verfestigt

Ein Ungleichgewicht mit Spätfolgen.
Wien Die Coronakrise hat alte Rollenbilder beflügelt. Das zeigt eine Studie der Universität Wien. „Seit der Schließung von Kindergärten und Schulen sind es vor allem die Mütter, die ihre Kinder betreuen und mit ihnen lernen: 47 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer wenden nun viel mehr Zeit für diese Tätigkeiten auf“, schreibt die Soziologin Caroline Berghammer in einem Beitrag zum laufenden „Austrian Corona Panel“ der Uni mit rund 1500 Befragten.
Neos-Mandatar Gerald Loacker ist alarmiert. Das patriarchale Gesellschaftsbild habe sich während der Krise verstärkt, ist er überzeugt. Damit einher gingen Einkommenseinbußen für Frauen und am Ende eine geringe Pension. Laut Loacker könnte eine Lösung das Pensionssplitting sein.
Mann Vollzeit, Frau Teilzeit
Knapp die Hälfte der Paare mit Kindern unter 15 Jahren lebt nach dem Modell Mann Vollzeit/Frau Teilzeit (46 Prozent). Bei weiteren 28 Prozent ist nur der Mann erwerbstätig. Dementsprechend verläuft auch die Aufteilung für die Kinderbetreuung. Mütter wenden mehr Zeit dafür auf, schreibt Berghammer. In der Krise habe sich das zugespitzt. Zwar verbringen auch Männer deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern. Allerdings übernehmen weiterhin Frauen den Hauptteil der aktiven Betreuung, von Spielen über Vorlesen bis Homeschooling. Bemerkenswert sei außerdem, dass Frauen ihre Arbeitszeit auch bei gleichem Erwerbsausmaß stärker an die Familienerfordernisse anpassen als Männer.

Ganz grundsätzlich verrät ein Blick in die Daten der Statistik Austria, dass die Väterkarenz weitgehend ungenutzt bleibt. 2018 bezogen 116.442 Frauen und 4764 Männer Kinderbetreuungsgeld. Das ist ein Väteranteil von 3,9 Prozent.
Auch darauf gehen dann Einkommensunterschiede von Männern und Frauen zurück, wie wiederum eine Studie der Agenda Austria zeigt. „Mütter verdienen nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen. Auch Männer würden, wenn sie ebenso häufig und lange in Karenz gingen, ähnliche Effekte erleben. Das tun sie nur nicht“, schreibt Autorin Monika Köppl-Turyna.
Splitting als Lösung?
Wer weniger verdient, erhält dann weniger Pension. Und so liegt die durchschnittliche Alterspension von Frauen aktuell fast 50 Prozent unter jener von Männern. ÖVP und Grüne wollen die Frauenaltersarmut indem sie unter anderem Formen des Pensionssplittings prüfen, heißt es im Regierungsprogramm.
Zum einen wird ein automatisches Pensionssplitting bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr des Kindes angekündigt. Dabei sollen die Beitragsgrundlagen beider Eltern zusammengerechnet und halbe-halbe aufgeteilt werden. Ein freiwilliger Ausstieg ist befristet möglich. Daneben soll es auch ein freiwilliges Modell für Paare geben, unabhängig davon, ob sie gemeinsame Kinder haben.
Derzeit ist die Nachfrage nach dem Pensionssplitting gering. 2018 verzeichnete die Pensionsversicherungsanstalt österreichweit 411 Anträge. In Vorarlberg entschieden sich 30 Eltern dafür, wobei der übertragende Elternteil in 25 Fällen der Vater war. Aktuellere Zahlen will Neos-Mandatar Loacker jetzt mittels parlamentarischer Anfrage in Erfahrung bringen.
Loacker für faire Aufteilung
Das derzeitige Modell hält er für eine Fehlkonstruktion, da man es nur in Anspruch nehmen könne, wenn ein Elternteil nicht arbeite. Das schaffe nur einen Anreiz, dass Frauen bis zu sieben Jahre fern vom Arbeitsmarkt bleiben. Noch dazu würden sie sich in die Abhängigkeit ihres Partners begeben. Loacker fordert, alle Pensionszeiten automatisch zwischen den Eltern zu teilen. Beim aktuellen Modell fehlt ihm die Gleichwertigkeit.