Der un-normale Präsident
Eines wird bei US-Präsident Donald Trump immer offenkundiger: Ein im breitesten Sinn “normaler” Präsident ist er nicht. Und das kann in beide Richtungen gedeutet werden: Seine Fans stufen ihn als Lichtgestalt ein, er sich selbst bekanntlich als “stabiles Genie”, und seine Kritiker erkennen eine psychiatrisch auffällige Heimsuchung von mehr als Coronavirus-Format.
Trumps Ankündigungen in den letzten Wochen bieten auch für jeden etwas zum Jubeln bis zum hellen Entsetzen. Da war die Anregung von “Doktor Trump”, es zur Vertreibung des Virus vielleicht einmal mit der oralen Anwendung von Haushaltschemikalien zu versuchen. Begleitende Maßnahme könne sein, eine starke Taschenlampe vor die rückwärtige Körperöffnung zu halten, um dem Virus mit ultraviolettem Licht den Garaus zu machen.
Trumps Ankündigungen in den letzten Wochen bieten auch für jeden etwas zum Jubeln bis zum hellen Entsetzen.
Als nächstes schickte er seine Anwälte los, um in einem noch nicht beendeten Verfahren vor dem Verfassungsgericht die Gewaltenteilung aushebeln, das Parlament entmachten und ihm, dem Präsidenten die allerletzte und unanfechtbare politische und rechtliche Entscheidungsgewalt übertragen zu lassen. Auf gut Deutsch: Weg mit der “Schwatzbude” und Grünes Licht für die Etablierung einer amerikanischen Autokratie: Die Herrschaft eines Einzelnen, auch Diktatur genannt.
Als die UNO dann eine Resolution zum Waffenstillstand bei allen Kriegen auf der Welt bis zur Bewältigung der Corona-Krise verfertigte, ließ Weltenlenker Trump als einziger Regierungschef dazu ein Veto einlegen. Mit der Folge, dass weltweit weiter gebombt, geschossen, verwüstet und massenhaft getötet wird. Amerika über alles eben. Die “UNO-Diktate” grundsätzlich als Beschneidung amerikanischer Souveränität beklagenden Trump-Anhänger sahen Grund zur Freude.
Genauso wie beim ohne nähere Hinweise verkündeten Trump-Diktum, dass sein Vorgänger Barack Obama “große politische Verbrechen” begangen habe. Auch habe er keine Vorbereitungen für die Bekämpfung des (in Obamas Amtszeit noch unbekannten) “chinesischen Virus” getroffen. Gegenüber “den Chinesen” lässt der Mann im Weißen Haus jetzt die Muskeln spielen und droht mit einem Abbruch der Beziehungen zur Volksrepublik. Die Geschichte lehrt, dass dies zum Krieg führen kann und dafür will Trump sein Land wohl rüsten: Stratege Trump kündigte die Entwicklung einer atomar bestückten und 17 Mal so schnell wie der Schall fliegenden US-“Hyperrakete” an.
Bald müssen sich die US-Bürger bei der Präsidentschaftswahl zwischen dem Trump-Etikett als Heilsbringer oder eines lebensgefährlichen Psychopaten entscheiden. Die Leidtragenden werden so oder so die US-Bürger und die Menschen im Rest der Welt sein. Bei einer Wiederwahl könnte er weitermachen wie bisher. Oder der nächste Präsident müsste mit schmerzhaften Entscheidungen die Folgen von Trumps Geisterregentschaft beseitigen.
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