Eine lange gesangliche Tradition

Seit über 90 Jahren pflegt der Männerchor Liederkranz Feldkirch-Gisingen das gemeinsame Singen.
liederkranz Ein Sänger durch und durch: Josef Oswald kommt aus einer Sängerfamilie. Sein Vater hat ihn in seiner Heimat in Bludenz bereits zum Liederkranz geholt und dort ist er aufgeblüht. Dass dieser Schritt einen großen Teil seines Lebens prägen würde, hätte er zu diesem Zeitpunkt nie geahnt. Heute blickt er auf 45 Jahre als Obmann beim Liederkranz Feldkirch zurück und erzählt gegenüber den VN die Traditionsgeschichte.
Nahezu ein ganzes Jahrhundert besteht er nun, der Männerchor „Liederkranz Feldkirch-Gisingen“. Er ist einer der erfolgreichsten und traditionsreichsten Männerchöre Feldkirchs, hervorgegangen aus einer kleinen Gruppe sangesfreudiger Idealisten, die im Jahre 1932 das Wagnis unternahmen, einen Männerchor zu gründen. Bereits bei der ersten Hauptversammlung umfasste der Verein respektable 22 Mitglieder.
Ein kurzer Rückblick
Die Geschichte des Männerchores begann mit Frühjahrs- und Herbstkonzerten und führte den jungen Verein 1935 erstmals zu einem Sängerfest nach Götzis und Sängertreffen in Rankweil und Sulz.
1937 nahmen mehrere Mitglieder des Vereins am Sängerfest in Breslau teil. Unterbrochen wurde das Vereinsleben durch den Krieg, um danach mit dem bekannten Chorleiter Gustl Meier eine neue Blütezeit einzuleiten. Das erste Osterkonzert fand statt, es wurden kirchliche und öffentliche Feste gestaltet, auf Hochzeiten, Sängerfesten und Sängertreffen benachbarter und entfernter Vereine gesungen und vieles mehr. Das Osterkonzert entwickelte sich über die Jahre zum Höhepunkt.
Als weiterer Höhepunkt der noch jüngeren Vereinsgeschichte kann das Sängerfest mit Fahnenweihe am 16. und 17. Juni 1951 bezeichnet werden, durch das sich der Liederkranz als Verein wohl auch äußerlich endgültig etablierte. Mit der Übernahme des Liederkranzes durch den Chorleiter Hardy Schöch wurde dieser zu neuen Erfolgen geführt. Neben zahlreichen Auszeichnungen kam es zu einem großen Auftritt in der Freiburger Marienkirche sowie zur Produktion einer eigenen Schallplatte.
Die Liebe zum Lied und die Freude an der Geselligkeit gestalten das Vereinsgeschehen Kameradschaft, und offen gebotene Lebensfreude vereinigen sich im sangesbrüderlichen „Du“. Gemeinsames Singen wird zur sinnvollen Freizeiterfüllung.
Gemeinschaftliches Singen
Diese sinnvolle Freizeitgestaltung und ein Hineinwachsen in die Chorgemeinschaften wollte der Gesangsverein zum 50-jährigen Bestand im Jahre 1982 auch der Jugend bieten und gründete damals kurzerhand einen Jugendchor. Zur Trauer des Obmanns scheiterte dieses Projekt jedoch. Aus ursprünglich 100 Anmeldungen sind zu dieser Zeit nur noch Mädchen für einen Mädchenchor übriggeblieben.
Die Idee, einen Nachwuchs für den Männerchor zu erschaffen, blieb somit aus. Grundsätzlich habe der Chor Schwierigkeiten, einen festen Nachwuchs zu gestalten. „Das Durchschnittsalter unserer Chormitglieder beträgt nahezu 60 Jahre. Das ist für junge Sänger natürlich nicht unbedingt einladend“, reflektiert Oswald.
Zusammengewachsen
Aktuell hat der Chor rund 20 aktive Sänger und beschränkt sich nicht mehr nur auf die Ortsparzelle Gi-
singen. „Ich selbst bin das beste Beispiel“, scherzt der Obmann. „Ich bin ein Bludenzer, der lange Jahre in Levis gearbeitet hat, in Tosters lebt und in Gisingen singt.“ Das Schwierige in einem Männerchor sei es die Gesangsbalance zu finden. Der Liederkranz singt vierstimmig, das beinhaltet den ersten und zweiten Tenor und den ersten und zweiten Bass. Diese Stimmen schafft es Chorleiterin Eva Braito perfekt in Szene zu setzen. „Wenn eine Stimme deutlich mehr Sänger hat als eine andere Stimme, führt dies zu einem Ungleichgewicht.“ TAY

Zur Person
Josef oswald ist seit 45 Jahren Obmann des Liederkranzes Feldkirch-Gisingen
Geboren am 27. Dezember 1941
Familie verheiratet, zwei Söhne und eine Tochter