In einer neuen Qualitätsliga

Motor / 10.11.2023 • 11:57 Uhr
Der Tonale: Schön, wie ein Alfa eben sein muss.VN/Steurer
Der Tonale: Schön, wie ein Alfa eben sein muss.VN/Steurer

Schön alleine genügt längst nicht mehr. Mit dem Tonale setzt Alfa auch bei der Qualität ein Ausrufezeichen.

Schwarzach In Schönheit sterben. Die jüngere Geschichte der italienischen Traditionsmarke Alfa Romeo kennt viele Höhen, aber auch Tiefen. So schön die Autos auch anzusehen waren und die Augen der Alfisti glänzen ließen, bei Material- und Verarbeitungsqualität war reichlich Luft nach oben. Mittlerweile ist Alfa eingebettet im riesigen Stellantis-Konzern. Das grenzt zwar bisweilen die Freiheiten ein wenig ein, gleichzeitig hat der Hersteller jetzt Zugriff auf alles, was in den Konzernregalen so herumliegt. Alfa fährt in einer neuen Qualitätsliga vor.

Einer der Hoffnungsträger dieser neuen Ära ist der Tonale, benannt nach einem Pass in den Dolomiten. Das etwas über 4,5 Meter lange Kompakt-SUV bringt alle Voraussetzungen zum Bestseller mit. Beim Design ist den Italienern ein großer Wurf gelungen. So zitiert der Tonale in Details zahlreiche Modelle der Vergangenheit wie etwa den Zagato RZ, Brera, 8 C Competizione oder Alfa GT. Wer Geschichte hat, soll sie auch leben. Das neue SUV ist der Marken-Tradition verpflichtet: ein echter Schönling mit einem einprägsamen Drei-Augen-Design an Front und Heck.

So weit, so Alfa Romeo. Neue Seiten schlägt die Marke bei der Verarbeitungsqualität auf. Oberflächen, Verkleidung und Knöpfe: Die Italiener haben den Tonale mit allem bestückt, das gut und teuer und in der Konzerntruhe vorzufinden war. Die verwendeten Materialien sind in der Haptik über jeden Zweifel erhaben. Auch bei der Verarbeitung setzt der Tonale neue Maßstäbe für Alfa.

Elektrifizierter Antrieb

Gewohnt ist das betont sportlich gestaltete Cockpit mit entsprechender Sitzposition, die Freude aufs Fahren macht. Den Startknopf am Lenkrad gedrückt – und schon kann es losgehen. Lautlos. Wir haben für den Test das Topmodell mit Plug-in-Hybridantrieb ausgefasst, das laut Hersteller zwischen 69 und 80 Kilometer rein elektrisch bewegt werden kann. Das Motorengespann liefert, bestehend aus einem Benziner mit 180 PS und dem E-Aggregat, das die Hinterachse antreibt, zusammen eine Systemleistung von 280 PS. Zum Antriebskonzept gehört, dass alle vier Räder für Vortrieb sorgen. Das klappt nicht nur auf dem Papier richtig gut. 6,2 Sekunden braucht das SUV für den temperamentvollen Hundertersprint, die Spitze ist bei 208 km/h erreicht. Leider arbeitet die 6-Gang-Automatik etwas träge, worunter die typischen Alfatugenden auch merklich leiden. Da könnte der Hersteller nachbessern.

Weil wir schon bei den wenigen Schwächen sind, sei an dieser Stelle auch das deutlich eingeschränkte Platzangebot im Gepäckabteil erwähnt. Durch die Akkus für den Hybridantrieb sinkt das Ladevolumen um satte 114 Liter auf 385. Bei umgeklappten Sitzen sind es im Bestfall 1430 Liter. Auch der Benzintank ist etwas kleiner ausgefallen, was allerdings höchstens auf der Langstrecke auffällt. Wobei sich der Tonale auch dort richtig gut schlägt. Selbst wenn die Akkus leer sind, begnügt sich das SUV mit rund sieben Litern Sprit. Im Normverbrauch sind es 1,4 Liter.

Bei der Bedienung setzt Alfa auf einen 12,3 Zoll großen Bildschirm und einen 10,25 Zoll großen Touchscreen. Wer lieber mit der Sprache steuert, dem hilft Alexa von Amazon in jeder erdenklichen Lage. Geblieben sind zudem einige Knöpfe und Drehregler für die wirklich wichtigen Funktionen. In Summe wirkt das alles sehr stimmig. Wie das Auto ja selbst auch.

In Schönheit sterben, das war einmal. Alfa setzt mit dem Tonale neue Qualitätsstandards.

Die Akkus schränken den Platz im Kofferraum etwas ein.
Die Akkus schränken den Platz im Kofferraum etwas ein.
Bei Materialien und Verarbeitung setzt der Tonale für Alfa neue Maßstäbe.
Bei Materialien und Verarbeitung setzt der Tonale für Alfa neue Maßstäbe.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 1,3-Liter-Benziner und E-Aggregat, 280 PS Leistung, 250 Nm, Allradantrieb, 6-Gang-Automatik

Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 6,2 Sek.; Spitze 208 km/h, Verbrauch 1,4 l (Test: 4,2 l)

Preis ab 48.900 Euro; Testwagen: 54.900 Euro