Mit dem Rhombus um die Welt

Mobilität / 06.02.2026 • 11:00 Uhr
Französischer Beau aus Südkorea: Der Filante ist das neue globale Flaggschiff von Renault. Ob es auch nach Europa kommt, ist derzeit noch nicht entschieden
Französischer Beau aus Südkorea: Der Filante ist das neue globale Flaggschiff von Renault. Ob es auch nach Europa kommt, ist derzeit noch nicht entschiedenStefan Pabeschitz

Mit dem neuen Marken-Flaggschiff Filante setzt Renault ein Zeichen für den Ausbau der Geschäftsfelder außerhalb Europas.

Renault Auch nach dem unerwarteten Abgang des charismatischen Konzern-Chefs Luca de Meo setzt Renault weiterhin auf globale Strategie. Das neue Top-Modell namens Filante verkörpert das Selbstbewusstsein, mit dem Marke weltweit auftritt: Ein markant gestylter, luxuriöser SUV-Crossover mit mehr als 4,9 Metern Länge und 250 PS starkem Vollhybrid-Antrieb. Beginnend mit dem Marktstart in Südkorea im März stellt er künftig die Speerspitze des Savoir Vivre unter dem Zeichen des Rhombus. Renault ist es gelungen, außerhalb des alten Kontinents zur Nummer eins unter den französischen Marken aufzusteigen. Die Mitbewerber Peugeot und Citroen wurden vor allem auf deren ehemals starken Märkten in Südamerika, Nordafrika und im mittleren Osten klar abgehängt. In Asien, wo Renault zunehmend stärker wird, sind die Konkurrenten aus der Heimat praktisch nicht existent.

Der Erfolg ist alles andere, als ein Zufallsergebnis, sondern Folge eines langfristigen Plans, der Kombination globaler Lösungen bei gleichzeitiger Fokussierung auf lokales Potential. Außerhalb Europas generiert die  Renault-Gruppe mittlerweile 37 Prozent ihres Umsatzes, betreibt acht Fabriken, sechs Forschungs- und Entwicklungs-Standorte, dazu vier Design-Center – neben dem in Frankreich auch je eines in Indien, Brasilien und Südkorea. In letzterem entstand weitgehend der mutige Look des neuen Flaggschiffs Filante, das auch ebendort im eigenen Werk in Busan vom Band läuft, gemeinsam mit dem Arakana und dem Europa aktuell nicht angebotenen Grand Koleos. Wer im wachsenden Renault-Universum welche Bereiche abdeckt, richtet sich aber auch nach den jeweiligen regionalen Stärken.

Einzelteile des Dacia Duster kommen so schon heute aus Indien, die konzernweite Software-Entwicklung passiert dagegen weitgehend in Südkorea – mit durchaus spannenden Ergebnissen: So verfügt der Filante etwa über eine Gaming-Funktion mit augmented reality, in der die Spieler in Echtzeit im von den Außenkameras auf den Bildschirm übertragenen Straßenszenario unterwegs sind. Eine High End-Spielerei, die aber gut den Qualitäts-Level des koreanischen Beitrags vermittelt. Zwischen 2023 und 2027 beträgt das Investitionsvolumen Renaults drei Billionen Euro für die Entwicklung von insgesamt sieben globalen Modellen in den Segmenten B (Kleine/Kompaktwagen) bis D/E (gehobene Mittelklasse), sowie einem Leicht-Nutzfahrzeug. Ein Drittel davon soll mit Hybrid – oder Elektro-Antrieb vom Band laufen.

In jedem Fall setzt Renault die größten Erwartungen in die Märkte Asien und Indien, wo die Franzosen zuletzt die Nissan-Anteile am Werk Chennai übernommen haben. Auch Allianzen außerhalb des angestammten Marken-Verbunds ist man nicht abgeneigt: Im koreanischen Werk läuft in Kooperation mit Geely etwa auch der Polestar 4 vom Band, der somit die Strafzölle gegen Stromer made in China elegant ausbremst. Auf die Frage, ob es vom feschen Filante auch ein europäisches Pendant geben wird, antwortet Renault Marken-Chef Fabrice Cambolive diplomatisch: „Das Modell ist ein Joker, den wir ausspielen können. Wir haben uns aber noch nicht entschieden.“ Selbstverständlich sei es aber fit für die Euro 7-Abgasnorm, versichert er im Nachsatz. PAB

Fabrice Cambolive, CEO der Marke Renault, hat gut lachen: Er verzeichnet das dritte Wachstumsjahr in Folge, die Strategie der weltweiten Synergien scheint weiterhin aufzugehen
Fabrice Cambolive, CEO der Marke Renault, hat gut lachen: Er verzeichnet das dritte Wachstumsjahr in Folge, die Strategie der weltweiten Synergien scheint weiterhin aufzugehen
Renault verteilt seine Kompetenzen nach regionalen Stärken auf verschiedene Konzern-Hubs, wie diesen in Busan, Südkorea. Ein weiteres Zentrum im indischen Chennai befindet sich gerade in Aufbau
Renault verteilt seine Kompetenzen nach regionalen Stärken auf verschiedene Konzern-Hubs, wie diesen in Busan, Südkorea. Ein weiteres Zentrum im indischen Chennai befindet sich gerade in Aufbau