Das Einheitsauto
Die Geschmäcker sind verschieden, könnte man meinen. Beim Auto hat diese Annahme zuletzt an Gewicht verloren. Denn bei der Karosserievariante geht die Entwicklung deutlich in Richtung Einheitsauto. Das zeigen die Premieren am Genfer Autosalon. Trotz vieler neuer Modelle gibt es kaum Vielfalt. Die Einfalt in drei Buchstaben: SUV. Sport Utility Vehicle oder Crossovermodelle sind auf Verdrängungskurs und könnten einst florierende Fahrzeuggattungen wie Großraumlimousinen oder Kombis bald ihrer Existenz berauben. Das liegt daran, dass ihre Beliebtheit keine Grenzen kennt. Keine Ländergrenzen, um genauer zu sein.
SUV sind, wenn man so möchte, der kleinste gemeinsame Nenner am globalen Automarkt. Sie funktionieren in Russland genauso wie in China oder Österreich. Höher sitzen, bequemer einsteigen, das Verkehrsgeschehen besser im Blick haben: All das können SUV und auf all das haben Autokäufer offensichtlich gewartet. Denn die Dynamik beim Absatz von SUV-Modellen nimmt mit dem wachsenden Angebot weiter zu. Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache.
So wurden im Vorjahr in Europa 4,56 Millionen Sports Utility Vehicles neu zum Verkehr zugelassen, um fast 20 Prozent mehr als noch im Jahr davor. Mittlerweile ist damit jedes dritte neue Auto ein SUV und die Entwicklung kennt nur eine Richtung: nach oben.
Wer nicht unter die SUV-Räder kommen will, muss mitziehen. Das erklärt Messepremieren wie den Lamborghini Urus. Selbst gewöhnliche Kastenwagen erhalten ein SUV-artiges Design, um überhaupt noch nachgefragt zu werden. Und wer erfolgreich ein Elektroauto auf den Markt bringen will, sollte das am besten im SUV-Stil tun. Hyundai Kona, Jaguar i-Pace sind zwei aktuelle Beispiele aus Genf.
Der SUV-Boom hat allerdings einen Haken: Die aerodynamisch ungünstige Karosserieform verursacht unabhängig von der Antriebsart einen erhöhten Energiebedarf. Bei Verbrennern, die auch im SUV-Segment noch länger den Löwenanteil ausmachen werden, führt das wiederum zu einem erhöhten CO2-Ausstoß und einer Trendwende, die so niemand wollte. In Deutschland etwa sind nach vielen Jahren die Durchschnittsverbräuche und damit die CO2-Emissionen neu zugelassener Pkw wieder gestiegen. 2017 waren es 127,9 Gramm. Dabei gibt es von der EU klare Vorgaben. Bis 2020 muss der CO2-Ausstoß auf durchschnittlich 95 Gramm gesenkt werden. Die große SUV-Nachfrage könnte damit für die europäischen Autobauer zum Bumerang werden.
„Wer nicht unter die SUV-Räder kommen will, der muss mitziehen.“
Michael Gasser
michael.gasser@vn.at
05572 501-265
Kommentar