Nützlicher Kasten: In Asien erdacht, für Europa gemacht

Motor / 17.07.2015 • 14:59 Uhr
Das Interieur kann mehr als passablen Pkw-Komfort.
Das Interieur kann mehr als passablen Pkw-Komfort.

Hyundai steigt mit dem H350 neu in die Klasse der leichten Nutzfahrzeuge bis zu 3,5 t ein.

HYUNDAI. „Da scheppert nix“, konstatierte Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG auf der IAA 2011 beim Probesitzen eines Hyundai i30. Ein Statement, das dazu beigetragen hat, das Image des südkoreanischen Herstellers aufzupolieren. Doch die Basis dafür liefert Hyundai selbst, mit der Ausrichtung des Modellprogramms auf europäische Ansprüche. Das betraf bislang die Sparte Personenkraftwagen. Jetzt geht man den Nutzfahrzeug-Sektor an.

In Asien ist Hyundai damit in mehreren Segmenten seit rund zwanzig Jahren präsent. In Europa startet man jetzt mit der Klasse der leichten Nutzfahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Die Pilot-Funktion übernimmt der neue H350. Der tritt in Österreich vorerst als verblechter Kastenwagen an (Fahrgestell-Versionen wie Pritsche, Koffer- und Planenaufbau folgen 2016). Das tut er entweder mit rund 5,5 oder mit knapp 6,2 Metern Länge (und etwa 2,7 Metern Höhe), heckgetrieben und angetrieben von einem 2,5-Liter-Vierzylinder-Selbstzünder mit wahlweise 150 oder 170 PS. Kombiniert ist das Aggregat mit einem manuellen Sechsganggetriebe. Allradantrieb kann man, wenn gewünscht, über externe Zulieferer nachrüsten.

Einfacher Aufbau

Das Außendesign folgt optisch der vom Konzern vorgegebenen Linie, mit hexagonalem Kühlergrill und prominentem Logo. Akzentuiert werden kann die Optik mit – optionalem – LED-Tagfahrlicht. Der „Rest“, der Aufbau, ist der Bestimmung gemäß simpel, mit stumpfer Nase, steilen Seitenwänden sowie Heck. Die Fahrerkabine ist entweder mit zwei Einzelsesseln oder mit der Kombination Einzelsitz und Zweiersitzbank eingerichtet. Der Zugang zum Laderaum erfolgt via rechtsseitiger Schiebetüre und, übers Heck, via zwei Flügelportalen. Die Ladehöhle ist werksseitig mit Verzurr-Ösen ausgestattet, Wandpaneele, Verzurr-Schienen und so weiter sind als Optionen verfügbar.

Beim wichtigsten Aspekt des Transportkasten, der Ladefähigkeit, will Hyundai mit 10,5 beziehungsweise 12,9 Kubikmetern Aufnahmekapazität punkten. Das sind vier respektive fünf Europaletten. Die dürfen, je nach Länge und Radstand, zwischen 990 und 1100 Kilo auf die Waage bringen. Die maximal zulässige (gebremste) Anhängelast beträgt unabhängig von der Außendimension 3000 Kilo.

Als Sicherheitsmitgift bringt der in Asien erdachte und für Europa gemachte nützliche Kasten in der Basisversion „Eco“ serienmäßig neben Stabilitätsprogramm und Berganfahr-Unterstützung einen Überrollschutz mit. In der „Business“-Ausführung ist ein Tempomat an Bord.

Zu haben sind neben Navigationssystem und Rückfahrkamera Details wie Nebelscheinwerfer und ein digitaler Tachograph. Die Probe aufs erste Praxisexempel hat ergeben: Es scheppert auch im H350 nichts. Selbst wenn er, beladen mit rund 500 Kilo Papier, seine Runden rund ums Industriezentrum von Wien-Inzersdorf dreht. Sehr gut zu Gesicht steht ihm in der Langversion die stärkere Motorisierungsversion. Doch auch mit 150 PS dürfte der Südkoreaner gut vorankommen.

Die Fahrerkanzel verspricht nicht nur, sie bietet auch Pkw-Komfort, punktgenau justierbar auf unterschiedliche Körpergrößen. Beeindruckend ist der Wendekreis: Der beträgt zwölf Meter. Das wirkt sich in einer Agilität aus, die man ihm vor allem in der 6,2-Meter-Langversion gar nicht zutrauen würde, hätte man’s nicht selber ausprobiert.

Die Hecktüren können bis zu 270 Grad aufschwingen.
Die Hecktüren können bis zu 270 Grad aufschwingen.
Hyundai H350: Der Nützling ist dank kastenförmigen Aufbaus gut überblickbar. Fotos:Werk
Hyundai H350: Der Nützling ist dank kastenförmigen Aufbaus gut überblickbar. Fotos:Werk

Fakten

Motoren/Antrieb: 2,5 CRDi mit 150 oder 170 PS/Heckantrieb.

Abmessungen: L/B/H 5515(6195)/2038/2685(2690) mm, Radstand 3425 (3670) mm, Laderaum 10,5 (12,9) m3.

Marktstart/Preis: Mitte Juli/ab 29.990 Euro (35.988 inkl. MWSt).