Und er dieselt munter von dannen

Nach einem halben Jahr Dauertest kommt ein wenig Wehmut auf beim Tiguan-Abschied.
vw. Sentimentalität hat auf den Motorseiten dem Grunde nach nichts verloren. Aber diesem braven Kompaktallradler, der uns durch einen tückischen Regen-Herbst und einen doch herben Winter treulich begleitet hat, Adieu zu sagen, ihn wieder ziehen zu lassen, weiß Gott wohin, das ist dann doch mit einem sanften Schmerz verbunden. Er wuchs einem schlicht ans Herz, der brave Allradbrummi in seinem unschuldigen Weiß.
Steht da in der Kälte, wenn man an ihn ruft, gönnt sich (selbsttätig) eine Sekunde Vorglühzeit und dieselt auf allen vieren munter von dannen als gäb’s keinen Winter. Nie lustlos, stets zuverlässig, flott Wärme spendend vom Motor her, was unter Selbstzündern keineswegs selbstverständlich ist. Auch über die straff gepolsterten, soliden Halt vermittelnden Sitzmöbel, wie sie üblich sind im Hause VW, entwickelt sich eilends Gemütlichkeit. Auch an das eigenwillige Dröhnen aus dem Drehzahlkeller heraus gewöhnt man sich, früher oder später. Es ist kein Unheil damit verbunden.
Beste Erleuchtung
Die Umgebung, die Gegend möchte man fast sagen, erstrahlt des nachts kaum in einem besseren Licht als in dem des Tiguan. Die Scheinwerfer richten sich (abhängig von Lenkradstellung) dem Straßenverlauf nach aus und folgen der Fahrbahn auch in Kurvenrichtung. Zusätzliche Lampen des Systems (auch Nebelscheinwerfer) erhellen die Umwelt beim Abbiegen. Fußgänger können kaum übersehen werden.
Das ist nur ein Detail aus den diversen Annehmlichkeiten und Sicherheitsfeatures, die das Zusammenwachsen mit dem absoluten Bestseller unter den kompakten SUV fördert. Dass er als „Sport 4motion“ auch ein wenig mehr hermacht und heraussticht aus der Masse seiner Brüder, mag das Herz seines Eigners ebenso erwärmen wie die soziale Verträglichkeit dieses sympathischen Soft-Offroaders. Nirgendwo fällt man unangenehm auf, hat absolut nichts Hochstaplerisches an sich dieser still chromglitzernde Edel-Tiguan.
Ist aber auch kein Schnäppchen, der 4motion-VW für alle, die mit einem einzigen Auto eine Vielfalt von Ansprüchen abdecken möchten oder müssen. Er hat seinen Preis, der Tiguan „Sport & Style“, 40.000 Euro locker übersteigend. Steckt eben viel drin an Ausstattung im „Business-Paket“ unseres Testkandidaten. Das kann man eventuell auch billiger haben. Aber unter dem Strich hat der VW in Sachen Werterhaltung doch wieder die Nase vorn.
Dass der Laderaum das Gepäcksaufkommen einer Großfamilie auf Urlaubsreisen nicht schlucken kann, wird spätestens bei der ersten Probefahrt klar. Der Gegensatz zwischen kompakt und wirklich großräumig lässt sich eben auf den knapp viereinhalb Metern eines Tiguan nicht überwinden.
Richtig raumbietend ist der Diesel-Allradler nur, wenn man die Flexibilität der einfach zu bedienenden Rückbank nutzt – und damit weniger Platz für Passagiere zur Verfügung hat. Das ist aber auch bei der Konkurrenz des 4motion-Volkswagens nicht anders. Auf dem Mittelsitz hat die Gemütlichkeit sowieso ihre Grenzen. Steht eine große Vielfalt an Transportaufgaben im Pflichtenheft, wird man eine Nummer größer denken müssen.
Fakten
» Motor/Antrieb: Vierzylinder-Turbodiesel, 1968 ccm, 140 PS, 320 Nm; DSG 7-Gang
» Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 km/h in 10,2 Sekunden, Spitze 186 km/h; 5,9 l (153 g CO2/km)
» Preis: 42.050 Euro, Testfahrzeug 44.886 Euro