“Der Mensch steht im Vordergrund” – Judith Peter erzählt von bewegenden Momenten im Seniorenhaus

Die Hohenemserin kümmert sich in Lustenau um die Betreuung der Bewohner und erlebt in ihrem Job viele Emotionen.
Lustenau Als Judith Peter von ihrem Job im Lustenauer Seniorenhaus Hasenfeld und ihrem Weg dorthin erzählt, spürt man viel Dankbarkeit und Freude. Aber auch Verletzlichkeit, denn es ging nicht immer nur geradeaus. Heute sammelt die 46-Jährige in ihrer Arbeit als Koordinatorin für Freizeitgestaltung, Betreuung und Ehrenamt viele Eindrücke und erlebt einen Umgang, der auch außerhalb des Seniorenhauses für ein besseres Miteinander sorgen würde.

“An erster Stelle sind es die Bewohner, die meine Arbeit wertvoll machen, indem sie überhaupt bereit sind, sich auf meine Angebote einzulassen”, sagt sie. “Ich darf in ihre Welten einsteigen und über ihre besonderen Leben erfahren.” Früher hätte sich Peter niemals vorstellen können, in einem Seniorenhaus zu arbeiten. Ihre Vorstellung: Leid, Krankheit, Schwermütigkeit.
Einfachheit bringt Leichtigkeit
Aber: “Ausgerechnet hier erlebe ich eine unbeschreibliche Lebensfreude. Eine so wohltuende Einfachheit. Du darfst sein, wie du bist und auch dein inneres Kind mitnehmen.” Diese Einfachheit bringe auch eine gewisse Leichtigkeit sowie eine sinnstiftende Tiefe. “Es steht der Mensch und nicht die Krankheit im Vordergrund.”
Die Gespräche mit den Bewohnern über ihr erfülltes Leben ermutigen, ja zwingen Peter quasi dazu, ihr Leben im Hier und Jetzt voll zu genießen. “Damit ich, wenn ich einmal alt werde, auch auf ein schönes Leben zurückblicken kann. Und das ist ganz viel wert.”

Gerade ihre Arbeit mit den an Demenz erkrankten Bewohnern lässt sie das Leben neu bereifen und erfüllt sie. “Vergangene Woche ist ein Bäcker zu uns gekommen und wir haben gemeinsam Plätzchen gebacken”, erzählt die 46-Jährige. “Wie die Senioren mit der Hand in den Teig fahren und ihn probieren oder die Freude, wenn sie beim Kneten Teig zwischen den Fingern haben – alles Sachen, die wir als selbstverständlich sehen, die dann zu einer Besonderheit werden.”
Viel los im Seniorenhaus
Momente wie diese sind es, die Judith Peter antreiben. Sie kümmert sich um Veranstaltungen, im Seniorenhaus ist jede Menge los. Es wird gehäkelt, gesungen, gebastelt, gelesen und erzählt. Alle zwei Wochen kommen acht, neun Gitarrenspieler vorbei, manchmal sind Kinder aus der Kita zu Besuch und tragen Lieder vor, ein anderes Mal sorgt eine Floristin für Programm. Alle zwei Wochen ist Therapiehündin Emmi im Haus. Und so bekommt jeder Tag einen Sinn. “Wir machen Aktivierungsrunden und ich kümmere mich um die Biografiearbeit”, erzählt sie.


Die sei auch wichtig für die Pflege. Es geht darum, was die Bewohner ihr Leben lang gewohnt waren, um Autonomie zu bewahren. Ohnehin hat das Zusammenspiel von Pflege und Betreuung für Peter eine große Bedeutung. “Es ist im Hasenfeld etwas ganz Besonderes, wir haben ein tolles Team und Pflege und Betreuung gehen hier Hand in Hand”, sagt sie und richtet einen Dank an Geschäftsführer Franz Reich und die Pflegedienstleiterin Helga Koch-Tumler. Nur das ermöglicht ihr, die Zeit so auszufüllen.
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In den sozialen Bereich ist Judith Peter über ein paar Umwege gekommen. Über zwei Jahrzehnte war sie im Gastgewerbe tätig. Keine Aufgabe für die Ewigkeit. Doch für eine Ausbildung fehlte ihr der Mut. Schließlich war im Krankenhaus Feldkirch eine Stelle ausgeschrieben, die perfekt passte. 2014 wechselte sie in den Stationsservice der Gynäkologie. “Das waren für mich ganz prägende und tolle Jahre, weil ich wieder gesehen habe, wie viel man von kranken Menschen mitnehmen kann.”
“Bitte wundere dich nicht. Das ist meine Ordnung in meiner Welt, die du gerade betrittst.”
Judith Peter
Über Umwege in den sozialen Bereich
Peter weiß, wie das ist. Vor gut 20 Jahren hatte sie eine Notoperation am Herzen. “Freunde sind immer da, das ist wichtig. Aber für mich war es auch so wichtig, dass mich fremde Menschen ansprechen. Was das mit mir gemacht hat, wollte ich im Krankenhaus zurückgeben.” Dieses Gefühl, gesehen zu werden, vergisst sie nie.

Dann kam Corona und Judith Peter machte an der Schule für Sozialbetreuungsberufe doch noch eine Ausbildung. Sie landete im Seniorenhaus Schützengarten und kam im August schließlich ins Hasenfeld, in eine völlig neu geschaffene Stelle. “Alles, was ich an der Schule gelernt habe, lebe ich hier jetzt aus.”
Zur Person
Judith Peter
Alter: 46
Wohnort: Hohenems
Beruf: Koordinatorin für Freizeitgestaltung, Betreuung und Ehrenamt im Lustenauer Seniorenhaus Hasenfeld
Hobbys: Städtetrips, Schreiben, Gespräche mit Freunden, Frühstücken
Leitsatz fürs Leben von Konstantin Wecker: “Jeder Augenblick ist ewig, wenn du ihn zu nehmen weißt.”
Darüber hinaus arbeitete die Hohenemserin zehn Jahre als Hospizbegleiterin. “Diese Zeit war ebenfalls sehr prägend für mich, und die Erfahrungen daraus haben mir sehr geholfen, als ich selbst meinen Mann beim Sterben begleiten musste.” Das habe sie auch ein Stück weit zurück zum Glauben gebracht.

Peter hat selbst erfahren, dass das Leben nicht immer nur rosig ist. Trotzdem oder gerade deshalb strotzt sie nur so vor Lebensfreude. Ihre Entscheidung, im Seniorenhaus Hasenfeld zu arbeiten, war eine gute. Und doch steht sie erst am Anfang. Das Programm möchte sie noch weiter ausbauen. “Wir sind froh um jeden Ehrenamtlichen.” Ob fürs Spazierengehen, Zum-Arzt-Fahren oder Tischlern. Judith Peter weiß genau, wie erfüllend das sein kann.