Ein Foul änderte sein Leben

Oliver Baltzer wollte Fußballprofi werden. Das Leben machte ihn zum Tennistrainer.
Dornbirn Eigentlich gehörte seine Liebe dem Fußball. Als einer der wenigen hatte es der talentierte Bub geschafft, in den Auswahlkader der Hamburger Fußballvereine zu kommen. Fünf Mal in der Woche nahm Oliver Baltzer (heute 49) mit Begeisterung am Fußballtraining teil. Sein Ziel war es, Fußballprofi zu werden. Darauf arbeitete der Bub mit Enthusiasmus hin. Doch sein Traum zerplatzte jäh auf dem Fußballplatz. „Ein Mitspieler foulte mich schwer.“ Oliver trug – von der Hüfte bis zum Knie – Abschürfungen davon, die sich in der Folge entzündeten. „Ich hatte ein halbes Jahr lang ein offenes Bein.“ Die Verletzung warf ihn derart zurück, dass er im Fußball den Anschluss verlor.
Ein steiniger Weg
Der Sport war ein großer Teil seines Lebens und sehr bedeutend für ihn. Denn: „Sport war für mich immer eine Mischung aus Wohlfühlen, Entspannen, Sich-Fühlen und Grenzen suchen.“ Dass ihm dieser plötzlich genommen wurde, stimmte Oliver traurig. Der Zufall führte den 12-Jährigen dann aber in eine Richtung, die sein weiteres sportliches und sogar berufliches Leben bestimmen sollte. „Ein Klassenkamerad nahm mich mit auf den Tennisplatz und gab mir einen Schläger in die Hand.“ Ab da dominierte in seinem Leben der Tennissport. Der Weg zum Tennisspieler und -trainer war aber ein steiniger. „Anfangs habe ich täglich sechs Stunden lang gegen die Ballwand gespielt, weil ich keinen Spielpartner hatte.“ Eine Tennisspielerin, die nicht so beweglich war, wurde zu seiner Lehrmeisterin. „Sie sagte zu mir: ,Ich gehe mit dir auf den Platz. Aber du musst mir jeden Ball vor die Füße spielen.‘“
Weil der Teenager sich das Tennis-Equipment selbst finanzieren musste, suchte er Wege, um Geld zu verdienen. Sein Einfallsreichtum und sein technisches Können eröffneten ihm eine Einnahmequelle. „Ich brachte mir bei, Tennisschläger zu bespannen und habe mir eine Bespannmaschine angeschafft.“ Es ging nicht lange, und Oliver bespannte die Schläger der Mitglieder eines großen Hamburger Tennisvereins. „Mit 17 habe ich das Gewerbe angemeldet.“ Der positive Nebeneffekt: „Ich bekam jetzt auch Trainingspartner.“ Der junge Mann ließ sich dann noch in einer Sportfirma zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausbilden. Dort entwickelte der „Lehrling“ nicht nur technisch neue Tennis-Saiten, sondern gestaltete auch einen Schläger mit, der heute zu den bekanntesten Schlägern der Welt zählt. „Mein Antrieb war es, Sachen besser zu machen.“
2016 kam der Deutsche ins Ländle
Nach der Ausbildung machte er sich wieder selbstständig und produzierte tonnenweise Tennis-Saiten. „Ich konnte gut davon leben. Aber der Wettbewerb wurde immer drückender.“ Deshalb entschloss er sich, als Tennistrainer zu arbeiten, gleichzeitig war er Einkäufer in einer Sportfirma, an der auch Steffi Graf beteiligt war. Dann ging es für zweieinhalb Jahre nach Australien, wo er als Tennistrainer und Unternehmer arbeitete. Zurück in Hamburg initiierte Oliver eine Tennis-Schule und ein Reisebüro. Ab 2007 arbeitete er als Tennistrainer in einem Fitnesspalast.
2016 kam der Hamburger wegen eines Jobs nach Vorarlberg. „Es gefiel mir hier auf Anhieb. Deshalb sind meine Frau Julia und ich geblieben.“ In den vergangenen dreieinhalb Jahren trainierte der Tennistrainer mit Begeisterung und Erfolg auch gehandicapte Menschen im Rollstuhl. „Ich brachte sie im Tennis so weit, dass sie auch mit nicht beeinträchtigten Menschen spielen konnten.“ Nebenher hatte Oliver noch die Idee und die Energie, das Hilfsprojekt „Soliver“ ins Leben zu rufen. Mit seinem Freund Solomon Koomson aus Ghana, einem ehemaligen Davis-Cup-Spieler, brachte er es zuwege, dass 16 Vorarlberger Tennisclubs für die Idee des Einsammelns von gebrauchten Tennisbällen, -schuhen und Dressen gewonnen werden konnten. „Die Sachen schicken wir nach Ghana, wo sie an bedürftige Kinder und Jugendliche in den Tennis-Clubs und Schulen verteilt werden.“ VN-kum
„Ich spielte täglich sechs Stunden lang gegen die Ballwand, weil ich keinen Spielpartner hatte.“



Zur Person
Oliver Baltzer
würde sich freuen, wenn er für sein Projekt „Soliver“ noch Sponsoren auftreiben könnte. Infos (zum Projekt) unter baltzero@icloud.com oder unter Tel. +4917624171394.
Geboren 19. April 1972 in Hamburg
Wohnort Dornbirn
Familie verheiratet mit Julia
Hobbys Sport, Digitalisierung von Schnitzeljagden für Familien