Menschlichkeitspreis für Amelie (8)

Achtjährige Schülerin unterstützt einen schwerbehinderten Jugendlichen.
Bludenz Kinder helfen Kindern. Das kommt gar nicht selten vor, dringt aber selten an die Öffentlichkeit. Dabei verdienen es auch die ganz jungen Menschen, dass ihre guten Taten gewürdigt werden. Ein Beispiel ist das Engagement von Amelie Schmiedl. Die achtjährige Schülerin aus Rungelin bei Bludenz hat für einen schwerbehinderten 16-Jährigen eine Geldspende lukriert. Dafür erhielt sie den Kindermenschlichkeitsaward, verliehen von der Kinderhilfsorganisation „Stunde des Herzens“. Und das kam so:
Nach dem letzten Osterfest blieben selber gefärbte Ostereier, Zuckerwerk und Schokozeug übrig. Da hatte Amelie die Idee, die guten Sachen für einen guten Zweck zu veräußern. Sie stellte vor ihrem Elternhaus einen Tisch auf und bot darauf Eier, Süßes und Limonade gegen freiwillige Spenden an. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Freundin Leonie. „Wir haben jeden angeredet, der vorbeigegangen ist“, erzählt Amelie. Nachdem am Haus der Schmiedls ein Wanderweg vorbeiführt, gingen an jenem Tag viele Leute vorbei.
Als die Limo ausging, packten die Mädchen die verbliebenen Sachen zusammen und klapperten damit die Nachbarschaft ab. Insgesamt kamen bei dieser Aktion 100 Euro zusammen.

Nun stand die Frage im Raum, wem soll das Geld zugutekommen? „Amelie wollte den Betrag nicht einfach anonym überweisen, sondern es direkt einem Bedürftigen geben“, berichtet Amelies Mutter, Eva Schmiedl. Ihr fiel „Stunde des Herzens“ ein. Den Schützlingen dieses Vorarlberger Vereins kann man Spenden persönlich überbringen. Frau Schmiedl rief den Obmann Joe Fritsche an und fragte ihn, wer das Geld brauchen könnte. Der Obmann schlug Marin vor, einen 16-jährigen Bludenzer mit schwerer Behinderung.
Ein bisschen aufgeregt sei sie vor der Spendenübergabe schon gewesen, gibt Amelie zu. Verständlich, so etwas ist keine alltägliche Situation im Leben einer Achtjährigen. Amelie, begleitet von ihrer Mutter und Joe Fritsche – Leonie kam nicht mit – wurde von Marin, dessen Eltern und der Großmutter herzlich aufgenommen. „Ich habe das Geld Marins Mama gegeben. Dann haben wir noch geredet“, schildert Amelie.

Nach der Übergabe hatte Joe Fritsche eine Überraschung bereit: Er überreichte Amelie den Kindermenschlichkeitsaward. Dieser Preis wird Kindern im Alter zwischen acht und 14 Jahren verliehen, die von „Stunde des Herzens“ betreute Kinder unterstützen und damit Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen. (Ab 15-Jährige bekommen den Menschlichkeitsaward für Erwachsene.) „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Amelie. Den Award – ein Herz aus Glas – hütet sie wie einen Schatz.

Die ganze Familie freut sich mit ihr. Amelie wächst mit ihren Eltern, dem zwölfjährigen Bruder, zwei Katzen, zwei Hasen und vier Hühnern auf. Im Herbst kommt sie in die dritte Klasse Volksschule. Ihre Lieblingsfächer sind Sachunterricht und Sport. Einmal in der Woche sportelt sie mit dem ULC Laufclub Bludenz. Und sie ist eine Leseratte: „Ich habe ziemlich viele Bücher.“ Am liebsten schmökert sie in „Die 100 schönsten Märchen der Gebrüder Grimm“.
Vor ein paar Tagen ist die Familie Schmiedl aus dem Kroatienurlaub zurückgekehrt. Und Amelie plant bereits eine neue Hilfsaktion am Wanderweg. Fest steht, der Empfänger des Erlöses wird wieder ein Schützling von „Stunde des Herzens“ sein. HRJ
Zur Person
Amelie Schmiedl
Geboren 13. Juni 2013
Wohnort Rungelin
Schule Volksschule St. Peter, Bludenz
Kontakt „Stunde des Herzens“ www.herz.or.at