Ein Herz für die Gesundheit

Menschen / 20.06.2021 • 18:24 Uhr
In Palästina arbeitete Andrea Kuckert-Wöstheinrich während ihres Jahresurlaubes in einem Pflegeheim.
In Palästina arbeitete Andrea Kuckert-Wöstheinrich während ihres Jahresurlaubes in einem Pflegeheim.

Andrea Kuckert-Wöstheinrich verbindet für die Krankenpflege Lehre und Praxis.

Dornbirn Andrea Kuckert-Wöst­heinrich ist gleichermaßen in der Praxis und in der Lehre zuhause. Sie hat im März die Studiengangsleitung im Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Vorarlberg übernommen. An der FH Vorarlberg habe sie sich spontan beworben, wie die 54-Jährige rückblickend erklärt. Sie ist durch eine Stellenanzeige in der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf die Fachhochschule aufmerksam geworden. „Ich habe seit 2019 an der FH als Hochschullehrerin unterrichtet. Beworben habe ich mich damals, weil ich was Neues machen wollte“, erzählt Kuckert-Wöstheinrich. 2020 wurde dann die Stelle der Studiengangsleitung frei. Als sie den Zuschlag für die Leitung erhielt, hat die Düsseldorferin ihre Projekte in Deutschland abgegeben. Natürlich waren es Projekte, die sich mit Gesundheits- und Krankenpflege beschäftigten.

Praxis- und Forschungsjahre

Für die passionierte Schwimmerin stand schon im dritten Schuljahr fest, dass sie sich beruflich der Gesundheit und Pflege widmen will. „Woher ich das habe, kann ich nicht erklären. Keiner aus meiner Familie hatte damit zu tun“, erklärt sie. Sie wurde examinierte Krankenschwester und arbeitete in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien. „Ich hatte so die Möglichkeit mitzuerleben, wie Pflege in dem jeweiligen Land gelebt wird“, fasst sie ihre Praxisjahre zusammen.

Es folgte ein Ethnologiestudium. „Krankenpflege und Ethnologie haben viele gemeinsame Punkte“, so die Mutter einer Tochter. Masterstudien folgten ebenfalls – darunter ein Master zur Pflege von Menschen mit Demenz. „Themen wie Vielfalt, Geschlecht, Nationalität, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung und Identität werden für die Krankenpflege immer wichtiger“, kann sie aus Erfahrung sagen. Zehn Jahre lehrte sie „Bachelor Nursing“ an der Fachhochschule Amsterdam. Sie arbeitete in Deutschland an einer Studie mit, die mit Blick auf medizinische und soziale Versorgung sensibilisieren soll für sexuelle Minderheiten, statt sie auszugrenzen. Ebenso war sie an einem Projekt beteiligt, das den Blick auf Flüchtlingsfamilien an ganz verschiedenen Punkten ansetzte. „Hier ging es darum, Kollegen zu sensibilisieren“, erklärt Kuckert-Wöstheinrich, deren Forschungsschwerpunkt auch das gesunde Altern von Personen, die sich zu der Gruppe LGBTQI+ rechnen, ist.

Praktikum im Jahresurlaub

2016 entschied sie sich für ein Praktikum in einem demenzsensiblen Krankenhaus in Hamburg, „weil ich viel im Projektmanagement und in der Forschung tätig war“. Ein Jahr später folgte ein weiteres, diesmal in einem Pflegeheim in Palästina. Dafür opferte Andrea Kuckert-Wöstheinrich ihren Jahresurlaub. „Ich wurde gefragt, was ich da will. Schon während des Praktikums stellte sich heraus, dass es eine großartige Zeit wird. Ich habe noch Kontakt mit den Menschen vor Ort“, ist die promovierte Ethnologin noch immer begeistert. Im Westjordanland versorgte sie mit Ordensschwestern, palästinensischen Krankenschwestern 34 ausschließlich weibliche Bewohnerinnen.

Diese einmaligen Praxiserfahrungen wieder in die Lehre einbauen zu können, ist für die Gradmann-Preisträgerin ein besonderes Gefühl. Authentizität und zu wissen, wovon man spricht, sind ihr sehr wichtig. „Ich finde es schön, dass ich die positiven sowie negativen Erfahrungen an die Studierenden weitergeben kann“, so die Fachfrau. Faszinierend findet sie, dass sie einen Studiengang gestalten kann, der auf die Bedürfnisse von Patienten, Studierenden und Klienten ausgerichtet ist. Um weitere Erfahrungen zu sammeln, könnte sich Andrea Kuckert-Wöstheinrich vorstellen, wieder ein Studium aufzunehmen. Die Themen LGBTQI+ und Organisationssoziologie interessieren sie. VN-PAG

„Ich finde es schön, wenn ich all meine Erfahrungen an die Studierenden weitergeben kann.“

Sie ist auch in der Forschung zuhause und hat dafür den Gradmann Preis bekommen.
Sie ist auch in der Forschung zuhause und hat dafür den Gradmann Preis bekommen.
Praxiserfahrung ist für Kuckert-Wöstheinrich wichtig, um in ihrem Beruf authentisch sein zu können.
Praxiserfahrung ist für Kuckert-Wöstheinrich wichtig, um in ihrem Beruf authentisch sein zu können.
2017 war die promovierte Ethnologin in Palästina. Die Kontakte zu ihren Kolleginnen halten bis heute. Kuckert-Wöstheinrich
2017 war die promovierte Ethnologin in Palästina. Die Kontakte zu ihren Kolleginnen halten bis heute. Kuckert-Wöstheinrich

Zur Person

Dr. Andrea Kuckert-Wöstheinrich

Studiengangsleitung im Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Vorarlberg

Alter 54

Familie eine Tochter, in Partnerschaft

Ausbildung/Laufbahn examinierte Krankenschwester, Ethnologie-Studium

Hobbys Schwimmen, Kultur, Freunde

Lebensmotto Bevor du jemanden beurteilst, trage drei Monate lang seine Mokassins.