Odyssee eines Schmuckstücks

Menschen / 24.05.2021 • 07:00 Uhr
Odyssee eines Schmuckstücks
Katrin Eberhard hat ihre eigene kleine Werkstatt eingerichtet, in der sie auch ihre Kunden empfängt. VN/Paulitsch


Von Hamburg über München nach Bregenz. Katrin Eberhard ist selbstständige Goldschmiedin in Vorarlberg.

Begrüßt wird man bei Katrin Eberhard als erstes vom freudigen Gebell ihres Hundes Pinto. „Er ist immer sehr aufgeregt, wenn er jemanden kennenlernt“, erklärt Katrin Eberhard lachend, während sie ihn wieder in die Wohnung führt. Von der berühmt-berüchtigten norddeutschen Verschlossenheit ist nichts zu spüren. Katrin Eberhard ist einmal quer durch Deutschland gezogen, quasi von der Nordsee an den Bodensee. Aufgewachsen ist die 31-Jährige in dem kleinen Dorf Salzhausen in der Lüneburger Heide. In Hamburg absolvierte sie eine Lehre zur Goldschmiedin und lernte einen Bregenzer kennen. Der Liebe wegen zog sie schließlich zu ihm nach München und beendete dort ihre Meisterschule. 2014 übersiedelten die beiden nach Bregenz. „Meine Mama hat mal zu mir gesagt, dass ich mich von der Heidschnucke zur Bergziege verwandelt habe“, erzählt sie. Mittlerweile kennt sie mehr Wege auf den Pfänder als ihr Freund.  

Katrin Eberhard arbeitet am liebsten mit synthetisch hergestellten Diamanten.
Katrin Eberhard arbeitet am liebsten mit synthetisch hergestellten Diamanten.

Es gab Zeiten, da absolvierten Gesellen nach ihrer Lehrzeit die Walz. Sie reisen in Arbeitskluft durch fremde Länder, um Arbeitspraktika und Lebenserfahrung zu sammeln. Katrin Eberhard hat das auch in Erwägung gezogen, die Dauer von drei Jahren und der Umstand, dass Frauen noch immer nicht in allen Schächten willkommen sind, ließ sie dann wieder davon abkommen. Trotzdem reiste sie ein halbes Jahr quer durch Europa und bis nach Indien, um sich die Goldschmiedekunst vor Ort anzusehen. Vor allem die Arbeit bei einem Goldschmied auf Malta hat sie beeindruckt. 

Mit der Presse werden die Ringe je nach Bedarf gestaucht oder gedehnt.
Mit der Presse werden die Ringe je nach Bedarf gestaucht oder gedehnt.

In ihren ersten Jahren in Vorarlberg arbeitete Katrin Eberhard für eine Goldschmiede in Dornbirn. „Ich hatte keinen Kontakt zu Kunden, das hat mir gefehlt.“ Daraufhin entstand die Idee, sich selbstständig zu machen. In der Wohnung wurde eine eigene kleine Werkstatt eingerichtet, Pläne für Ausstellungen auf Handwerkmärkten und Messen aufgestellt. Corona durchkreuzte die Pläne. Eberhard kann aber schon auf ein Netzwerk setzen und hat sich einen Kundenstock aufgebaut. Das Geschäft läuft also weiter. Menschen, die zu ihr kommen, bringen meistens ihre eigenen Schmuckstücke mit, die sie angepasst haben wollen. „Oft ist es eine Erinnerung an die Oma, die nicht verloren gehen soll.“ Auch für Hochzeitspaare stellt sie Ringe nach deren Wünschen her.  

Die angerfertigten Ringe sind aufgrund der individuellen Wünsche der Kunden Unikate.
Die angerfertigten Ringe sind aufgrund der individuellen Wünsche der Kunden Unikate.

Katrin Eberhard ist Nachhaltigkeit besonders wichtig. Sie arbeitet ausschließlich mit recycelten Materialien. „Jeder kennt den Film Blood Diamant. Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht, dass ich nicht ohne Gewissenskonflikte mit diesem Material arbeiten könnte“, erzählt Eberhard. Deshalb ist ihr die Arbeit mit synthetisch hergestellten Diamanten lieber. Ihr eigenes abgenutztes Material oder Goldstücke gibt sie an ein Unternehmen weiter, das aus diesen Stücken wieder Neue fertigt, die sie aus diesem Kreislauf dann wieder bezieht.  

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben: Auch die Goldreste werden neu verwertet.  <span class="copyright">Eberhard</span>
Nachhaltigkeit wird großgeschrieben: Auch die Goldreste werden neu verwertet.  Eberhard

Die erste große Hochzeitsmesse „Luft und Liebe“ steht im September an. Katrin Eberhard ist sehr glücklich mit ihrem eigenen kleinen Unternehmen. Trotzdem hat sie große Ziele für die Zukunft: „Ein eigenes Geschäft, in dem man die Stücke auch begutachten kann, wäre großartig.“