Politaktivist und U2-Sänger

Menschen / 08.05.2020 • 22:39 Uhr
Der irische Frontmann von U2 steht seit über 40 Jahren auf der Bühne. AP
Der irische Frontmann von U2 steht seit über 40 Jahren auf der Bühne. AP

Bono, der Frontmann von U2, feiert seinen 60. Geburtstag.

London In Krisenzeiten wie diesen blüht Bono auf: Er verhalf nicht nur der irischen Regierung zu medizinischer Schutzausrüstung und spendete dafür zehn Millionen Euro zusammen mit seinen U2-Bandkollegen. Am irischen Feiertag St. Patrick’s Day am 17. März veröffentlichte er außerdem seinen ersten neuen Song seit drei Jahren – natürlich über die Coronakrise. Morgen, Sonntag, feiert der Politrebell seinen 60. Geburtstag. Seine Fans werden weltweit unter dem Hashtag #bonosglobalbirthdaybash online auf ihn anstoßen können.

Bono wuchs als Paul Hewson im Dublin der 70er-Jahre auf, in einer irischen Arbeiterfamilie, mit – damals sehr ungewöhnlich – einem katholischen Vater und einer anglikanischen Mutter, Iris. Sie starb an einer Gehirnblutung, als Bono 14 war. „Durch ihre Abwesenheit bin ich Künstler geworden“, sagte er später der „Sun“. „Ich dachte, die Wut, die ich hatte, gehöre zum Rock’n’Roll, aber die Wut war Trauer.“

Große Träume

Der Verlust entfremdete ihn weiter von seinem Vater, der ihm – so Bono im „Independent“ – den unausgesprochenen Ratschlag „Träum nicht! Wer träumt, wird enttäuscht“ mitgab. Doch Bono träumte groß und schloss sich erst einer Streetgang an, bevor er mit Schulkameraden eine Band gründete. 1976 begannen sie als „Feedback“ und tauften sich zwei Jahre später in „U2“ um. Sie probten in der Küche von Schlagzeuger Larry Mullens Familie: Bono sang und spielte Gitarre, mit David Evans „The Edge“ an der Gitarre und Adam Clayton am Bass. Ihr 1987er-Album „The Joshua Tree“ führte weltweit die Charts an und machte U2 zu internationalen Superstars. Zwei Jahre zuvor hatte Bono schon bei dem Wohltätigkeitskonzert Live Aid einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als er über die Sicherheitsbarrikade in den Publikumsbereich sprang und mit einem Mädchen aus der Menge tanzte. Seit U2s ersten Kneipenauftritten ist er bekannt dafür, die emotionale Nähe des Publikums zu suchen. Daran hat sich auch vier Jahrzehnte später nichts geändert.

Sozial und politisch engagiert

Auch nichts geändert hat sich an seinen Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen. Bono und U2 haben sich schon immer sozial und politisch engagiert: Mit ihrem Welthit „Sunday Bloody Sunday“ (1983) beispielsweise, bei dem die Gitarre an den Marsch der Fußsoldaten während der Unruhen in Nordirland erinnert. Oder mit der Benefiz-Konzertserie Live 8 im Jahr 2005 gegen Armut. Bono hat sich außerdem für den Schuldenerlass der Dritten Welt und für die Umwelt stark gemacht. „Wie wir an einem Ort leben, beeinflusst das Leben an jedem anderen Ort. Keiner von uns ist wirklich eine Insel“, predigte der Rockstar laut „Billboard“ im vergangenen November seinen Fans auf der letzten U2-Tour während der verheerenden Buschbrand-Saison in Australien.

Bonos Beitrag zu dem jüngsten U2-Album „Songs of Experience“ (2017) wurde stark von einer Nahtod-Erfahrung beeinflusst, doch mehr will er dazu nicht sagen. „Ich weiß, dass U2 an jedes Album herangehen, als wäre es ihr letztes“, sagte er „Rolling Stone“. „Aber diesmal wollte ich noch mehr, dass die Leute um mich herum, die ich liebe, genau wissen, wie ich mich fühle.“

Der Rockstar hat inzwischen einige gesundheitliche Probleme überstanden, darunter einen schweren Fahrradunfall in New York und eine Notoperation an der Wirbelsäule in München. Und seit 20 Jahren lässt er sich fast nur mit Sonnenbrille blicken, weil er an einem Glaukom leidet, das die Augen lichtempfindlich macht.

Nun hat er am St. Patrick’s Day den Song „Let Your Love Be Known“ auf Instagram veröffentlicht. Inspiriert wurde er von Italienern, die gemeinsam auf dem Balkon musizieren, um die Ausgangssperre zu umgehen. Seinen Song widmet er dem Gesundheitspersonal und allen, die „in der Klemme sitzen und noch singen“.

Bono nutzt seine Bekanntheit für politische und soziale Zwecke. AFP
Bono nutzt seine Bekanntheit für politische und soziale Zwecke. AFP
Bono im Jahr 2018 bei einem Treffen mit Papst Franziskus. AFP
Bono im Jahr 2018 bei einem Treffen mit Papst Franziskus. AFP