“Karl und ich”

Menschen / 07.05.2020 • 21:52 Uhr
Karl Lagerfeld trug seine Birma-Katze „Choupette“ buchstäblich auf Händen.
Karl Lagerfeld trug seine Birma-Katze „Choupette“ buchstäblich auf Händen.

Baptiste Giabiconi hat ein Buch über Karl Lagerfeld veröffentlicht.

Paris Weißer Zopf, hoher Hemdkragen, dunkle Sonnenbrille – das waren seine Markenzeichen: Der gebürtige Hamburger Designer Karl Lagerfeld ist im Februar 2019 im Vorort Neuilly vor den Toren von Paris gestorben. Jetzt gibt Model und Sänger Baptiste Giabiconi mit dem Buch „Karl et moi“ („Karl und ich“) Einblicke in das Leben der Mode-Ikone. Er sei 2008 als junger Mann von Lagerfeld entdeckt worden, daraus habe sich eine jahrelange Freundschaft entwickelt, erzählt der Autor. „Ich wurde seine Muse.“

Der aus der Umgebung von Marseille stammende Giabiconi sagte der belgischen Zeitung „Le Soir“, Lagerfeld sei damals sein Beschützer geworden, habe ihn unter seine Fittiche genommen und seine Karriere in der glitzernden Modewelt angeschoben. Giabiconi war nach eigener Auskunft der Einzige, der den stets auf Distanz und Stil bedachten Botschafter des Pariser Chics duzen durfte.

In „Karl et moi“ wird ein neues Bild Lagerfelds gezeichnet, der kein Blatt vor den Mund nahm, mitunter arrogant wirkte. Denn laut Baptiste, wie der Autor häufig in dem Buch genannt wird, war der Herr der Pariser Haute-Couture im Grunde ein Netter. „Aber er wollte das immer verbergen, weil er dachte, dass dies eine Schwäche sei.“

Streit um Choupette

Doch es gab auch Auseinanderset-

zungen zwischen den beiden. Streit entzündete sich an einer Birma-Katze, die später zu Weltruhm gelangen sollte. Giabiconi erzählt, er sei erster Besitzer von Choupette gewesen, habe sie über Weihnachten wegen einer Reise bei Lagerfeld gelassen, der sich zunächst erkundigte, ob sie Bakterien habe. Später wollte der Modepapst das Haustier nicht wieder hergeben. Lagerfeld bekam Choupette dann geschenkt, und es herrschte wieder Frieden.

Der langjährige Kreativdirektor des Modehauses Chanel war bis zuletzt ein Arbeitstier, unterstützt von einem treu ergebenen Hofstaat, den er um sich scharte. „Karl machte mindestens zehn Sachen gleichzeitig.“ Eine Schwäche? Die Pünktlichkeit. Mittagessen hätten stets nach hinten verschoben werden müssen. Der vielsprachige Lagerfeld sei Weltbürger gewesen, habe sich gleichzeitig als Hanseat gesehen und eine besondere Hamburg-Nostalgie gepflegt. „Er war von der Geburt bis zum Tod deutscher Bürger“, resümiert Giabiconi in dem Buch.

Das Rätsel über Lagerfelds Alter wird in „Karl et moi“ nicht gelöst. Er habe das Thema nie angesprochen, so Giabiconi, der nach eigenem Bekunden viele Sonntage in der pharaonischen Wohnung seines Mentors mit Seine-Blick verbrachte. Lagerfeld war als Sohn eines Dosenmilch-Fabrikanten zur Welt gekommen – nach eigenen Angaben im September 1935, womit er 83 Jahre alt geworden wäre. Als Geburtsjahre kursierten aber immer auch 1933 und 1938.

Der 30 Jahre alte Giabiconi ist laut einer Agentin zwischen Paris, London und Marseille unterwegs und gründete eine Agentur für junge Talente. Die Entourage Lagerfelds stehe ihm skeptisch gegenüber, ist in der Mode-Szene zu hören.