“Menschen werden die Lust verlieren, in Vorarlberg zu leben”

Wohnstudie der AK: Präsident Bernhard Heinzle spricht nach drastischen Zahlen Klartext.
Feldkirch „Es wird Menschen geben, die sich Vorarlberg nicht mehr leisten können. Diese Menschen werden die Lust verlieren, hier zu leben und zu arbeiten“, zeiht der Präsident der Arbeiterkammer Vorarlberg, Bernhard Heinzle, die Schlüsse aus der Online-Umfrage zum Thema Wohnen in Vorarlberg, an der rund 3000 Personen teilgenommen haben.
Wohngipfel im September
„Da muss sofort was passieren“, donnert Heinzle in Richtung Politik und er will sich dabei nicht nur auf den gemeinnützigen Wohnbau konzentrieren, auch der private Wohnbau müsse einbeziehen: „Es gibt viele Lösungen“, sagt er und hat anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Wohnen mit Zukunft” am Montag vormittag mitgeteilt, dass die AK alle Akteure am 11. September zu einem Wohnbau bzw. Wohnkosten und Wohnformen-Gipfel eingeladen. „Das Interesse ist groß, ich bin überzeugt, dass die Problematik angekommen ist. Zumindest bei der Landespolitik sei das so, denn zögerlich seien eher die Gemeinden, die keine größeren Wohnbauprojekte wollen, musste Heinzle feststellen, der das Thema Wohnen in der Interessenvertretung in den Fokus gerückt hat.
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Was Heinzle aufgrund der Wohnkosten feststellt, ist auch für die Industriellenvereinigung Grund zur Sorge. Auch in ihren Umfragen zu wichtigen Themen für die Unternehmen wie die Bevölkerung ist leistbares Wohnen ein wichtiges Thema für einen gesunden Wirtschaftsstandort. Denn die nach wie vor steigenden Wohnkosten bringen die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zunehmend in Bedrängnis, ein Zustand, der auch die Zufriedenheit und die Leistungsfähigkeit der Menschen an ihrem Arbeitsplatz ins Ungleichgewicht bringt.
Ein Drittel fürs Wohnen
Sie müssen im Durchschnitt 33 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufwenden, im Jahr 2018 waren es noch 28 Prozent. Im Durchschnitt zahlen die Befragten nach eigener Auskunft 1140 Euro im Monat, 90 Euro mehr als vor einem Jahr. Kein Wunder, dass sich 43 Prozent der Befragten daduch belastet fühlen – 40 Prozent sprechen von einer „Starken Belastung“. Die Zahlen lügen nicht, doch die Kommentare vieler Teilnehmenden zeigen die ganze Dramatik der Situation auf, hier nur einer davon: „Da es sich finanziell momentan nur gerade so ausgeht, rückt der Wunsch für ein zweites Kind immer mehr in die Ferne, da dann einfach wieder ein Zahltag fehlt und die Kosten nicht mehr gedeckt werden können.“ Und ein Paar, das durchaus gut verdient, rechnet vor, dass ein Gehalt nur für Wohnen und die Kinderbetreuung weg ist. „. Wenn das so weitergeht, werden wir nicht in Vorarlberg bleiben.“
Eigentum in weiter Ferne
48 Prozent der Umfrageteilnehmenden wohnen in privater Miete, lediglich elf Prozent sind Mieter im gemeinnützigen Wohnbau. Nur noch 39 Prozent der Vorarlberger wohnen im Eigentum. „Vom Land der ,Hüslebauer‘ kann da kaum mehr die Rede sein”, unterstreicht der AK-Präsident. Das wird sich wohl nicht mehr ändern: Nur zehn bis 15 Prozent der bestverdienenden Haushalte in Vorarlberg können sich – so Berechnungen auf Grundlage von Daten der Statistik Austria noch Wohneigentum leisten – und das nur, wenn sie ab Arbeitsantritt sparen und sich bis zur Pension verschulden.