Weichen stellen: Vorarlberger Top-Firmen nehmen KI und Robotik selbst in die Hand

Markt / 05.02.2026 • 14:51 Uhr
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Kick-off für Vorarlbergs Schritt in die Zukunft: Statt nur Passagier zu sein, wollen diese Vorarlberger die Zukunft des Standortes und ihrer Unternehmen selbst steuern. FA

Vorarlbergs Industrie reagiert auf globalen Technologiedruck mit gemeinsamer Initiative. Ziel ist die technologische Souveränität und darauf folgend die Wettbewerbsfähigkeit der Vorarlberger Wirtschaft im globalen Wettbewerb.

Dornbirn Der 4. Februar 2026 könnte zu einem entscheidenden Tag für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg werden. Denn am Mittwoch startet nach Monaten der Vorbereitung und der offiziellen Anmeldung als Verein die Tätigkeit einer weltweit bislang einzigartigen Kooperation von zehn der führenden Unternehmen Vorarlbergs: Alpla, Bachmann, Blum, BTV, Doppelmayr, Gantner, Getzner, Henn, Rattpack und die Rhomberg Gruppe verfolgen das Ziel, Vorarlberg langfristig als führenden Standort für KI und Robotik zu positionieren.

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Die Kooperation in dieser Form ist weltweit einzigartig: Zehn Firmen aus verschiedensten Branchen bringen bei vuture.tech ihr bisheriges KI- und Robotik-Know-how ein und wollen es zusammen weiterentwickeln.

Und sie tun das in bester Vorarlberger Unternehmertradition: Sie warten nicht auf irgendeine staatliche Initiative, sondern nehmen die Zukunft selbst in die Hand. “Zu wichtig sei das Thema für die Zukunft unserer Wirtschaft”, sagt der Initiator der Plattform, Bauunternehmer Hubert Rhomberg. vuture.tech, so der Name der Initiative, sei die direkte Antwort auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus den USA und China, steigende regulatorische Anforderungen in Europa sowie den wachsenden Bedarf an Fachkräften und technologischer Souveränität, sind sich die Mitglieder der Plattform einig. “Viele Unternehmen stehen vor denselben
Herausforderungen – von fehlenden Datenstrukturen bis hin zu hohen Investitionskosten für neue Technologien. Diese Themen lassen sich nicht im Alleingang lösen”, waren sich die Mitglieder beim Kick-off einig.

“Klarer Standortvorteil”

Die zehn Gründungsmitglieder – zum größten Teil Familienunternehmen – bringen unterschiedliche Perspektiven ein – von industrieller Produktion und Automatisierung bis hin zu Bauwesen und Finanzwirtschaft. Eine solch branchenübergreifende Zusammenarbeit funktioniere in Vorarlberg deshalb, weil man sich kenne und vertraue, heißt es von den teilnehmenden Unternehmen – “ein klarer Standortvorteil”. Denn für den Erfolg muss man gegenseitig auch sensible Daten und die dazugehörigen Use Cases, also ein Anwendungsfall, Interaktion zwischen einem Nutzer und einem System, teilen. Die verschiedenen Fähigkeiten – das ist das Ziel – stehen schließlich allen Partnern zur Verfügung. Und können dann, so die langfristige Perspektive, über eine digitale Plattform von weiteren Vorarlberger Firmen genutzt werden. “Unternehmen, die Interesse an einer Mitgliedschaft haben, können sich direkt an vuture.tech wenden”, informiert dazu Martina Burtscher, Strategy & Community Lead von vuture.tech.

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Artificial Intelligence (AI) ist ein Werkzeug, das man nicht nur nutzen kann – man kann es auch selbst gestalten und weiterentwickeln. AFP

Es geht nicht nur ums Sammeln der Fähigkeiten, es geht auch um die Erweiterung und die gemeinsame Entwicklung der Einsatzmöglichkeiten. Ergänzt wird die Community dabei durch Forschungs- und Technologiepartner wie die FH Vorarlberg, die Digital Factory und die Universität St. Gallen, die wissenschaftliche Expertise und Zugang zu neuesten technologischen Entwicklungen einbringen. Der Entwicklungspartner Helbling, ein international tätiger interdisziplinärer Leistungsverbund von Engineering- und Consulting-Kompetenzen mit Hauptsitz in Zürich, führt zudem eine Use-Case-Radar-Analyse mit den Unternehmen durch, um branchenübergreifende Potenziale zu identifizieren.

Leuchtturmprojekte

Dass es nicht nur um Austausch geht, stellen die Mitglieder von Anfang an klar. vuture.tech verstehe sich als Arbeits- und Kooperationsplattform, in deren konkrete Use Cases, gemeinsames Lernen und die schrittweise Entwicklung von geteilter Infrastruktur gehe. Themen sind u. a. digitale und technologische Souveränität, der Einsatz von KI, Physical AI, Robotik und Automatisierung in
der Industrie sowie Daten, gemeinsame Standards und verantwortungsvolle regulatorische Rahmenbedingungen. Und die Mitglieder, die schon bisher über die Grenzen hinaus denken und agieren, wollen als vuture.tech auch Leuchtturmprojekte entwickeln, die weit über Vorarlberg hinaus sichtbar sind.