“Erfinder trifft man am ehesten in Vorarlberg”

Pro Kopf gibt es im Bundesländervergleich in Vorarlberg die meisten Erfinder. Forschungsfördererin: “Bei Innovation ist Lokalpatriotismus angebracht”.
Wien, Schwarzach Karin Tausz besuchte kürzlich Vorarlberg und war angetan, von dem, was sie zu sehen bekam und vor allem von den Gesprächen, die sie führen konnte. Tausz hat sich bei ihrem Besuch nicht auf die touristischen Attraktionen in unserem Bundesland konzentriert, ganz im Gegenteil. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), jener Institutionen, der es wesentlich obliegt, dass Österreich und Vorarlberg im Wettbewerb der Innovation einen guten, wenn möglich, einen Spitzenplatz einnimmt.
“Ganz starker Forschungsstandort”
Und da spielt Vorarlberg eine wesentliche Rolle. Tausz besuchte Vorarlberger Firmen, die mit der FFG zusammenarbeiten oder potenziell zusammenarbeiten könnten. „Bei der Innovationskraft ist in Vorarlberg Patriotismus angebracht, es ist ein ganz starker Forschungs- und Entwicklungsstandort“, sagt sie im Gespräch mit den VN. Daran habe auch die momentan schwierige Konjunktur nichts geändert, stellt sie fest, „und das, obwohl es keine eigenen Universitäten im Land gebe“, verweist aber auf die COMET-Zentren und Netzwerke, in welche Vorarlberg stark eingebunden sind. Ein Vorteil sei auch, dass am Standort Vorarlberg größtenteils Familienunternehmen seien, die auch in schwieriger Zeit nicht auf Forschung und Entwicklung verzichten. „Eine große Stärke der Vorarlberger ist das Netzwerken“, betont sie.

Das zeigt sich auch eindrucksvoll an den Zahlen des österreichischen Patentamtes, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. In Österreich wurden im vergangenen Jahr 1983 Erfindungen, 4271 Marken und 222 Designs angemeldet, in Vorarlberg waren es 147 Patente, 53 Gebrauchsmuster und 157 Marken. „Eine Erfinderin oder einen Erfinder trifft man am ehesten ganz im Westen Österreichs – Vorarlberg liegt auf Platz eins bei der Anzahl an Erfindungen pro Einwohner“, stellt dazu Stefan Harasek, Präsident des Österreichischen Patentamtes, fest. Der größte Patentanmelder beim Österreichischen Patentamt ist die steirische Firma AVL List mit 211 angemeldeten Erfindungen, dann aber folgt schon Beschlägehersteller Julius Blum mit 82, auf Platz sechs reiht sich Zumtobel Lighting mit 21 Patenten, auf Platz acht Tridonic mit 18 Patenten ein. „Blum ist ein gutes Beispiel dafür, wie man durch kontinuierliche Innovation die Zukunft aktiv mitgestaltet“, so Tausz. Und sie bestätigt die Zahlen des Patentrankings auch im Bereich Zumtobel und Tridonic, Vorarlberg sei führend im Bereich Photonik, erwähnenswert sei auch die Forschung im Bereich Textil.

Bei Blum ist Harald Sutterlüti für das IP Management, also das Management des geistigen Eigentums veerantwortlich, er kümmert sich damit auch um Schutzrechte und Patente. Er betont in Sachen F&E genauso wie zum Thema Patente: „Innovative Produkte sind unsere Lebensversicherung. Die zahlreichen, kreativen Köpfe unserer Forschungs- & Entwicklungsabteilung schaffen es immer wieder neue Lösungen zu finden. Genauso wichtig, ist auch der Schutz durch Patente. Hier kümmern wir uns gemeinsam mit einer renommierten Patentanwaltskanzlei darum, dass die Patentschriften gut formuliert sind und somit die Technologie entsprechend geschützt werden kann. Es macht uns stolz, dass wir wie in den vergangenen Jahren auch unter den Top 3 des österreichischen Patentrankings sind. Das bestätigt den eingeschlagenen Weg und spornt uns zusätzlich an.”

Auch Antonio Andrea Romano, Vice President Tridonic und in dieser Funktion für F&E zuständig, unterstreicht, wie wichtig Innovation für ein Hightech-Jubiläum wie die Zumtobel-Tochter ist: „In einem sich ständig verändernden Marktumfeld ist es unerlässlich, Innovationen zu entwickeln, um zukünftige Trends zu antizipieren. Aber auch um zukunftssichere Produkte zu garantieren und das Unternehmen in aufstrebenden Märkten zu positionieren. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um unsere Handlungsfreiheit zu schützen. Dies verschafft nicht nur dem bestehenden Kundenstamm einen Wettbewerbsvorteil, sondern bildet auch Eintrittsbarrieren für potenzielle Wettbewerber. Denn die Zukunft wird heute erfunden.”

Neben diesen Fixstartern, die sich jetzt auch in der Patenthitparade finden, ist die FFG darum bemüht, weitere Firmen dabei zu fördern, innovativ zu sein, stärker in Forschung und Entwicklung zu investieren, so Tausz. „Ein ganz wichtiger Partner dafür ist die Wisto Vorarlberg, die Firmen dabei unterstützt, Potenzial zu heben, aber eben auch die richtigen Förderungen dafür zu bekommen“, sagt die Forschungs-Managerin. Betriebe können auch für Einzelprojekte einreichen, eine Aufgabe für die Forschungsförderung sei deshalb auch, „wie können wir unsere Programme besser auf Firmenförderung einstellen?“. Die Anstrengungen von FFG und WISTO tragen Früchte, aber auch Initiativen im Land, wie die Ansiedlung des HSG-Institut für Computer Science in Vorarlberg (ICV-HSG) der Universität St.Gallen seien wichtige Schritte. Die HSG spricht in diesem Zusammenhang von einer dynamischen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie mit Fokus auf “Embedded Sensing Systems” und “Big Data Infrastrukturen”.

Dass das Engagement von WISTO und FFG Früchte trägt und die Firmen in Vorarlberg proaktiv ihre Zukunft gestalten, zeigt sich auch an Zahlen. Vorarlberg hat sein Fördervolumen seit 2021 mehr als verdoppelt. 2023 holte Vorarlberg 47,5 Mill. Euro Förderungen von der FFG. 2022 waren es 26,9 Millionen Euro. Die 20 Millionen-Euro Marke hat Vorarlberg 2021 erstmals übersprungen.
Förderungen mehr als verdoppelt
Von den 47,5 Millionen sind 16,1 Millionen Euro F&E-Förderungen und damit etwa auf gleichem Niveau, wie 2022 (15,5 Millionen Euro). 53 Prozent der F&E Förderungen flossen an Vorarlbergs Großunternehmen, gemeinsam mit den KMU, die forschten und entwickelten kommen sie auf 80 Prozent des gesamten F&E Fördervolumens. Weitere vier Prozent gingen an Forschungseinrichtungen, elf Prozent an Hochschulen und fünf Prozent an nicht näher definierte „Sonstige“, informiert die FFG-Geschäftsführerin. Ein großer Brocken der Förderung wurde für den Breitbandausbau verwendet – konkret 16,7 Mill. Euro und damit fast zehnmal so viel wie 2022. In klimaneutrale und nachhaltige Infrastruktur flossen 2023 14,6 Millionen (+51 %), dabei entfielen 11,7 Mill. Euro auf Busse und 2,9 Mill. Euro auf Nutzfahrzeuge.