Hotel mit hohen Preisen und wenig Gästen

Markt / 10.11.2023 • 22:06 Uhr
Chalet N. sorgt mit seinen Rekordpreisen für Schlagzeilen. VN/RP (1), Chalet N (2)
Chalet N. sorgt mit seinen Rekordpreisen für Schlagzeilen. VN/RP (1), Chalet N (2)

Rene Benkos Chalet N. in Lech und seine Spuren in Vorarlberg

Wien, Innsbruck, Lech Wandert man derzeit in den Lecher Ortsteil Oberlech, tut sich nicht viel. Die Hotels sind geschlossen, viele Hoteliersfamilien nutzen die Tage vor Saisonstart noch für eine kurze Auszeit. Verschlossen ist auch das Chalet N. Es nimmt eine Sonderstellung in Lech ein. Es sorgt regelmäßig für internationale Schlagzeilen wegen des ausgerufenen Übernachtungspreises. Bucht man zu Saisonbeginn ab 9. Dezember, also in der Vorsaison, beläuft sich der aktuelle Preis auf 250.000 Euro pro Woche. Ein Schnäppchen gegenüber der Hochsaison: Weihnachten 2023 beläuft sich der Preis auf 510.000 Euro – ebenfalls für sieben Nächte.

Das Superluxushaus, von dem nur wenig nach außen dringt, bietet Platz für 22 Gäste, in der Vorsaison und bei voller Belegung würde das pro Person und Nacht 1623 Euro und „ein paar Zerquetschte“ kosten. Allerdings: Der Preis wird auch fällig, wenn man alleine im Chalet urlaubt. Die Luxusherberge ist Benkos sichtbare Präsenz in Vorarlberg. Benannt ist sie nach Ehefrau Nathalie. Und eigentlich, so erzählt man sich in Lech hinter vorgehaltener Hand, ist es kein Beherbergungsbetrieb, sondern das Privatdomizil.

Die „Umwidmung des Hotels“ sorgt bei vielen Lechern, mit welchen die VN in den letzten Tagen gesprochen haben, nachhaltig für Unmut. Ansonsten tue Benko, was er auch sonst tut – er macht sich rar. „Seine Frau sieht man regelmäßig, sie macht sich aber nicht wichtig“, erzählt ein Modehändler, sie sei auch regelmäßig in den Restaurants zu Gast. Ein öffentlich zugängliches Restaurant hat das Chalet N. nicht – auch deshalb, weil sich die be­nachbarten Häuser keinen weiteren Mitbewerber gewünscht haben sollen.

Poker um das Schlössle

Benko sorgt seit dem Kauf der Liegenschaft im Jahr 2011 für Unruhe im Tourismus­ort. Schon der Kauf der ehemaligen Schlössle-Liegenschaft durch den damals zwar schon bekannten, aber noch nicht so schillernden Benko sorgte für böses Blut im Ort und erste Kratzer am Image von Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel, weil die Gemeinde, die das Vorkaufsrecht für die Liegenschaft hatte, beim Preispoker schlussendlich doch nachgeben musste. Verkauft wurde nicht die Liegenschaft, sondern die Betreiberfirma des vormaligen Hotels Schlössle. Die Rede war von einem Preis zwischen acht und zehn Millionen Euro. Bedingung für einen Neubau: Es muss ein Hotelbetrieb sein. Für Muxel wird das Chalet N. zu einer schweren Bürde. 2015 ermittelte doch die Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgrund einer Anzeige wegen „Vorteilszu­wendung“ gegen die Gemeinde, 2016 wurde das Verfahren eingestellt.

Dass ein zweites Projekt von Benko schlussendlich nicht umgesetzt wurde, erleichtert die Lecher. „Das sind jetzt einige froh, dass Benko kein KdW in den Lechwelten eröffnet“, sagt ein Gemeindevertreter, der ebenfalls anonym bleiben will. Aber ansonsten: „Über Benko kann ich nichts Negatives sagen, ich kenne ihn nicht“, sagt der Lokalpolitiker weiter. Lech ist nicht der einzige Bezugspunkt zu Vorarlberg. Im Beirat des Firmenkonglomerats sitzt mit ÖOC-Präsident Karl Stoss ein Dornbirner, der zuvor als Manager in der Bundeshauptstadt Karriere machte.

„Viele gute Aufträge“

Auf dem Weg vom Dachbodensanierer zum Immobilientycoon ­kooperierte er, so steht es bei Wikipedia zu lesen, mit dem Bauunternehmen i+R. Ohne Friktionen und in bestem Einvernehmen, wie aus dem Unternehmen zu hören ist. Auch beim Bau von Chalet N. war i+R Generalunternehmer. Ein anderer hiesiger Bauunternehmer, der wiederholt mit der Signa zusammenarbeitete, betont, dass man auch die guten Seiten der Aktivitäten nicht beiseite lassen darf: „Der Bauwirtschaft hat er über viele Jahre gute Aufträge beschert.“  Außer dem Chalet N., das zwischen 35 und 40 Millionen kostete, hat die Signa bzw. Benko keine Aktivitäten in Vorarlberg gesetzt. VN-sca

Die Schwimmhalle des noblen Chalets im Jahr der Eröffnung.
Die Schwimmhalle des noblen Chalets im Jahr der Eröffnung.
Luxus pur in der Halle. Das Feuer sorgt für Behaglichkeit im Chalet N.
Luxus pur in der Halle. Das Feuer sorgt für Behaglichkeit im Chalet N.