„Junge Arbeitnehmer sehen sich als Kunden“

Generationenforscher Rüdiger Maas analysierte, nach welchen Kriterien Jugendliche ihre Entscheidungen treffen.
LUSTENAU Schon der griechische Philosoph Aristoteles beklagte sich vor 2000 Jahren über den Sittenverfall der Jugend. Also noch Jahrtausende bevor von der Generation Z die Rede war, die im Mittelpunkt der 54. Auflage der innovation(night im Lustenauer Millenium Park stand. Konkret ging es dabei um ein groß angelegtes Studienprojekt, das der Generationenforscher Rüdiger Maas in der DACH-Region durchführte, und um die Frage, wie man den zwischen 1995 und 2010 Geborenen die Arbeitswelt schmackhaft machen kann. Der 44-jährige Psychologe und Sachbuchautor, der in Augsburg lebt, brachte den antiken Vergleich, um zu verdeutlichen, dass über die jungen Menschen selten ein gutes Haar gelassen wird. „Dabei passen sie sich nur ihrer jeweiligen Umgebung an“, brach Maas eine Lanze für die Jugend.
Die Rasenmäher-Eltern
Geprägt von Social Media, Corona, Übersättigung und Überbehütung müssen sich viele ihren eigenen Weg erst bahnen. Auf die Jobwelt übertragen sind sie diejenigen, die sich aussuchen können, in welcher Firma sie gerne arbeiten würden. „Der junge Arbeitnehmer ist Kunde und damit der König“, brachte es Rüdiger Maas im vollbesetzten Saal des Competence Centers Rheintal auf den Punkt. Zusagen sind für sie unverbindlich, und wenn ihnen etwas nicht passt oder sie im Internet auf schlechte Bewertung stoßen, wird einfach gewechselt. Frei nach dem Motto: „Ich bin nicht hier, weil ich muss, sondern weil ich will.“ Zumal die Generation Z als konfliktscheu gilt, wurden ihnen doch alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Maas verwendet dafür den Begriff der Rasenmäher-Eltern, die mit allen möglichen Mitteln verhindern, dass ihr Kind mit Widrigkeiten, Kämpfen oder Misserfolgen konfrontiert wird.
Eltern und Kinder passen sich immer mehr einander an, Abgrenzungstendenzen werden vermieden – aus Angst, dass das Kind zum Außenseiter werden könnte. Der Experte hat dafür mit dem Wort „Neo-Konventionalismus“ auch einen Fachbegriff parat. „Der moralische Anspruch ist gestiegen, die Empathie dafür weniger geworden“, zählte der Gründer und Vorstand des Instituts für Generationenforschung in Augsburg einen Aspekt auf, der sich in den letzten 15 Jahren gravierend verändert hat.
Sind ältere Arbeitnehmer eher auf ein gut funktionierendes Kollektiv und faire Behandlung bedacht, geht es den Jungen um das eigene Wohlbefinden. Wird man nicht ständig gelobt, empfinden sie es als fehlende Wertschätzung. Maas empfiehlt deshalb, ihnen den Einstieg so angenehm wie möglich zu machen und sie nach und nach an die Leistung heranzuführen.
Gewaltige Informationsflut
Die Jugend wurde auch in eine rasante Zunahme an Daten hineingeboren, die sich täglich weiter steigert. Im Jahr 2005 gab es etwa gesamthaft fünfmal so viele Informationen wie in allen Büchern weltweit gedruckt ist. Mittlerweile hat sich diese Zahl vervielfacht. Oder anders ausgedrückt ist die Anzahl der im Netz kursierenden Informationen rund 200 Mal höher, als es Sandkörner auf allen Stränden gibt. „Am Ende des Tages werden bis zu 280 Mal das Smartphone entsperrt, 30 verschiedene Werbevideos gesehen, 20 Überschriften überflogen, 400 Nachrichten gelesen oder geschrieben und 20 Storys eröffnet“, schloss Maas seinen Vortrag. CRO






