Gerüchteküche zu Siemens Vorarlberg brodelt

Hinter den Kulissen zeichnen sich die möglichen Dimensionen der Betrugscausa ab.
Schwarzach Hinter den Kulissen fügt sich das Puzzlespiel um den aufgedeckten Betrugsskandal immer mehr in ein konkretes Bild. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete inzwischen etwa, dass der Akt der Staatsanwaltschaft nicht nur die Namen der bislang bekannten fünf Tatverdächtigen umfassen, sondern weit mehr.
Demnach reichen angenommene Verdachtsmomente des zumindest versuchten Betruges und der mutmaßlichen Bestechlichkeit weit über die KHBG und gar die Landesgrenzen hinaus. Mutmaßliche Vorteile sollen sich dabei nicht immer nur in rein finanzieller Hinsicht ergeben haben, sondern teilweise auch in Form von luxuriösen Gütern wie Swimmingpools auf Kosten der Siemensniederlassung niedergeschlagen haben. Die einzelnen Vorwürfe und Vermutungen dazu sind derzeit in Abklärung durch die Ermittlungsbehörden.

Bei der Siemens Niederlassung in Bregenz herrscht derzeit rege Betriebsamkeit. Seit Donnerstag sind dort Personen aus dem bayrischen Landkreis Augsburg tätig. Das Unternehmen unterhält in der bayrisch-schwäbischen Bezirkshauptstadt eine größere Niederlassung, deren Vertriebsgebiet auch das Oberallgäu mit Kempten und Lindau umfasst. Vonseiten der Siemenszentrale in München verweist man in der Betrugscausa auf das Unternehmens-Statement vom vergangenen Mittwoch und will den Besuch aus Augsburg in Bregenz nicht weiter kommentieren. Der Konzern habe die Umstände der Staatsanwaltschaft proaktiv offengelegt und kooperiere umfassend, heißt es. Außerdem bekräftigt Siemens seine Null-Toleranz-Politik gegenüber Korruption und Bestechung, derzeit könne und wolle man sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Wie nun aber aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, stehen auch bei Siemens Vorarlberg mehrere mögliche Entlassungen im Raum.

Die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) in Feldkirch bestätigte am Freitag bereits die Entlassung der beiden dringend tatverdächtigen Mitarbeiter der Bauabteilung, auch hier habe man Hinweise auf weitere geschädigte Unternehmen in Vorarlberg. So gab es auch im Umfeld von Hirschmann Automotive bereits eine Festnahme. Entsprechend hoch ist auch die Unruhe bei anderen Unternehmen im Land. Von den VN darauf angesprochen, haben allerdings Firmen wie etwa Alpla in Hard oder Doppelmayr in Wolfurt bislang keinen Anfangsverdacht ausgemacht, dass es bei ihren Bautätigkeiten in den vergangenen Jahren zu Malversionen gekommen wäre. Die Unsicherheit bleibt jedoch: Der Siemensbetreuer von Alpla ist in Polizeigewahrsam. Und Doppelmayr räumt ein, dass man bislang einfach noch zu wenig wisse, um endgültige Aussagen zu treffen. Und so dürfte es gegenwärtig vielen Unternehmen gehen, die sich in den vergangenen zehn Jahren mit Gebäudetechnik von Siemens versorgt haben.
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Die Dornbirner NEOS verlangen dementsprechend auch eine Überprüfung der Investitionen im Krankenhaus Dornbirn. Es ist das einzige öffentliche Spital, das nicht zur LKHBG gehört. “Auch im KH Dornbirn wird natürlich regelmäßig investiert. Der aktuelle Fall in Feldkirch muss Anlass für eine Sonderprüfung in Dornbirn sein”, warnt Stadtvertreter Günter Scrinzi. Mit einer Anfrage an den Stadtamtsdirektor wollen die Dornbirner NEOS klären, in welchem Umfang in den letzten Jahren Geschäfte mit der Firma Siemens abgeschlossen worden sind. Scrinzi geht grundsätzlich davon aus, dass alles seine Ordnung habe. “Aber vor Betrug kann man nie sicher sein. Bei den großen Summen, um die es hier geht, muss die Stadt unbedingt noch einmal genau hinschauen.”
