Industrie mit gedämpfter Stimmung – Erwartungen für die nächsten Monate bleiben schlecht

Markt / 21.07.2023 • 16:15 Uhr
Christian Zoll und Elmar Hartmann (IV) mit Michael Amann (WKV). <span class="copyright">iv</span>
Christian Zoll und Elmar Hartmann (IV) mit Michael Amann (WKV). iv

Viele Unsicherheiten am Markt und Abkühlung der Auftragslage.

Lustenau Abgefragt wurde das zweite Quartal 2023, geantwortet haben 41 Unternehmen, die 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Die Lage: Bei den Industriebetrieben herrscht eine stark gedämpfte Stimmung. „Kostendruck, Inflation, Zinsen, Personal. Es herrscht einfach viel Unsicherheit am Markt. Die Auftragslage geht zurück, der Konsum ist zurückhaltend, und es gibt teils noch hohe Lagerbestände, die in Zeiten fehlender Verfügbarkeiten aufgebaut wurden“, fasst der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Elmar Hartmann, die aktuelle Konjunkturerhebung von IV und Wirtschaftskammer zusammen.

Einer der tiefsten Werte

Untermauert wird das vom Geschäftsklimaindex, der den Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und jenen in sechs Monaten abbildet. „Wir haben einen der tiefsten Werte der letzten zehn Jahre“, so Hartmann. Nur gut ein Drittel würden die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, ein Drittel als schlecht. „Es ist ein erschreckender Wert.“ Und auch die Aussichten auf die kommenden Monate sei nicht besser.

Industrie mit gedämpfter Stimmung – Erwartungen für die nächsten Monate bleiben schlecht

Der Blick in die Branchen zeigt sich dabei recht heterogen. „Das Flaggschiff Maschinen- und Metallindustrie meldet außerordentlich schlechte Erwartungen“, sagt IV-Geschäftsführer Christian Zoll. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sei man leicht zuversichtlicher, in der Textilindustrie verhalten optimistisch. „Relativ gut“, so WKV-Spartengeschäftsführer Michael Amann, sei die Lage im Elektrobereich, während die Verpackungsindustrie unter den Verkaufspreisen leide.

Zu viel Bürokratie

Von der Politik erwartet man sich ein gewisses Zutun, vor allem wenn es um die Themen Arbeitskräfte und Bürokratie geht. „Es gibt Verbesserungsbedarf bei der Rot-Weiß-Rot-Karte und bei der Kinderbetreuung“, gibt IV-Präsident Hartmann zwei Beispiele. Die aktuelle Diskussion um eine Verringerung der Arbeitszeit sieht er kritisch. „Wir haben ohnehin einen Arbeitskräftemangel. Das würde den Druck nur erhöhen.“ Dennoch versuche man, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Möglichkeit individuelle Lösungen zu finden.

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Und wie waren die letzten zwei Wochen im neuen Amt? „Intensiv“, sagt Hartmann. Denn auf dem Programm standen viele Termine, vor allem in den Mitgliedsbetrieben. „Es ist wichtig hineinzuhören, welche Themen die Unternehmen gerade beschäftigen.“

Die Branchenergebnisse im Detail

„Das Flaggschiff der Vorarlberger Wirtschaft, die Maschinen- und Metallindustrie, hat außerordentlich schlechte Erwartungen“, so IV-Vorarlberg-Geschäftsführer Christian Zoll: „Bis auf die Geschäftslage in einem halben Jahr, die 79 Prozent als gleichbleibend einschätzen, sehen sechs von zehn die Aussichten für alle anderen Bereiche (Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge derzeit, Produktionstätigkeit, Verkaufspreise, Produktionskapazität und Beschäftigtenstand in drei Monaten sowie die Ertragssituation derzeit und in sechs Monaten) als negativ.“

„Überwiegend durchschnittlich bis leicht zuversichtlich zeigt sich die Nahrungs- und Genussmittelindustrie“, so Christian Zoll. Der überwiegende Teil der befragten Unternehmen (66 Prozent) beurteilen die derzeitige Geschäftslage als gut, ähnliches gilt für den derzeitigen Auftragsbestand. Die Ertragslage in sechs Monaten allerdings wird von 57 Prozent als schlecht eingestuft.

Verhalten optimistisch sieht man die Aussichten in der Textilindustrie. „Mehr als die Hälfte aller Befragten schätzt Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge derzeit sowie den Beschäftigtenstand in drei Monaten als positiv ein“, so Zoll. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesucht.

„In der Elektro- und Elektronikindustrie sieht der überwiegende Teil der befragten Unternehmen (40 Prozent) die aktuelle Geschäftslage als gut und nur jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) als schlecht an. Allerdings ist die Auslastung der Produktionskapazitäten bei knapp der Hälfte (46 Prozent) aktuell schlecht“, so der Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Michael Amann.

Im Bereich „Verpackungsindustrie“ sehen die befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage und auch die anderen Kenngrößen als gleichbleibend an. „Auffallend ist“, erläutert Amann, „dass aufgrund des Drucks auf die Verkaufspreise auch eine Verschlechterung der Ertragslage in sechs Monaten erwartet wird.“ Erfreulich sei dafür, dass 100 Prozent ihren Mitarbeiterstand halten wollen.

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