Wie die Vorarlberger Industrie den Abschwung meistert

Bank Austria Firmenkundenvorstand: Vorarlberger Industrie ist für schwere Zeit vorbereitet.
Schwarzach Die Prognosen, die von Wirtschaftsinstituten für die kommenden Monate gestellt wurden, sind nicht gerade euphorisch. Von Rezession ist die Rede, ein Abschwung sicher. Die Stimmung jedenfalls, das zeigen alle Umfragen, sinkt in den Keller. Das stellt auch einer fest, der es genau wissen muss. Dieter Hengl ist Firmenkundenvorstand der Bank Austria Unicredit, also der Bank, die nicht nur in Österreich, sondern auch in Vorarlberg die Nummer eins bei Industriekunden ist.
Gute Konjunktur 2022
Doch so schwarz, wie oft gemalt wird, sieht er das Bild der Wirtschaft nicht. Dass man die Hoffnung nicht aufgeben soll, macht er an Fakten fest: Nach dem pandemiebedingten Wirtschaftseinbruch 2020 werde heuer die Vorarlberger Wirtschaft übers ganze Jahr gesehen mit voraussichtlich über fünf Prozent das zweite Jahr in Folge kräftig wachsen. Der Tourismus, die Verkehrswirtschaft und der Bau tragen im Gesamtjahr 2022 am meisten zur dynamischen Wirtschaftsentwicklung in Vorarlberg bei, informiert Bank Austria-Landesdirektor Claus Jescko. „Die gute Industriekonjunktur spiegelt sich auch in der Vorarlberger Exportstatistik wider. Die Ausfuhren von Waren dürften heuer um etwa 17 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro steigen.“
Für nächstes Jahr sagen allerdings auch die Volkswirte der Bank Austria ein Nullwachstum voraus, „die Inflation sollte auf 5,5 bis sechs Prozent zurückgehen, die Zinsen steigen weiter“, sagt der Banker. Die derzeitige multiple Krise sei aber auch ein Turbo, nämlich für die Energiewende, ist sich Hengl sicher. 145 Milliarden Euro werden in die Transformation investiert, „das zeigt, dass hohe Summen in neue Investitionen fließen“, an Förderungen bzw. Unterstützung stehen 15 bis 18 Mrd. Euro zur Verfügung.
Die grüne Wirtschaft und die „green finance“ ist für die Bank Austria ein großes Thema. Nicht nur, dass die Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich selbst von der Umweltschutzorganisation WWF in einer Studie die besten Bewertungen bekommen habe, auch Firmenkunden biete man eine umfassende Beratung an, damit die Firmen die strengen ESG-Vorgaben (Environmental, Social, Governance) erfüllen. Bei kleineren Unternehmen und Mittelständler gebe es Beratungsbedarf, der gedeckt werden muss. Denn sonst drohe der Ausschluss aus Lieferketten.
Gut aufgestellte Wirtschaft
Die von Hengl erwartete milde Rezession fordere die Wirtschaft zwar, doch die Vorarlberger Unternehmen seien gut aufgestellt, um den Abschwung durchzutauchen. Besonders finanzstarken Firmen seien nicht unvorbereitet. Der Arbeitsmarkt bleibe stabil, wenn überhaupt werden sich die Arbeitslosenzahlen nur sehr leicht erhöhen. Entspannung könne man sich bei Rohstoffen erwarten, auch die Lieferketten normalisieren sich langsam wieder. Für die Bank Austria gehe es darum, zusammen mit den Kunden aus der Industrie das Risikomanagement zu stärken und die Liquidität zu sichern. „Eine größere Insolvenzwelle erwarten wir nicht“, stellt der Banker fest.



