“Kleine sind in Krisen immer besser”

Fiskalrat-Vorsitzender Christoph Badelt: „Temporäre Unterstützung für gesunde kleine und mittlere Unternehmen.“
Dornbirn, Wien Die Meinung von Christoph Badelt war Unternehmen wie Politik schon seit vielen Jahren wichtig. Sowohl als Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien wie als Autor von etlichen wirtschaftspolitischen Büchern als auch in seiner späteren Funktion als Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) hatte er erheblichen Einfluss auf die österreichische Wirtschaftspolitik. Heute ist der Wissenschaftler Vorsitzender des Österreichischen Fiskalrates, der die Finanzpolitik des Bundes begleitet, entsprechende Empfehlungen gibt, aber auch Kritik übt. Derzeit ist Badelt deswegen nicht nur in der Politik gefragt, sondern auch von den Medien.
Für die Festrede beim Vorarlberger KMU-Preis, der am Donnerstagabend übergeben wurde, nahm er sich dennoch Zeit, denn die kleinen und mittleren Unternehmen sind ihm ein Anliegen. Er betont ihre Bedeutung für den Standort, ihre Bedeutung als Arbeitgeber, die auch in Krisensituationen ihre Mitarbeiter um jeden Preis halten. „Erfahrungsgemäß sind die kleinen Unternehmen in Krisen immer besser“, so der Ökonom im Gespräch mit den VN. Viele seien in Nischen tätig und sie sind wendig. „Krisen leben davon, dass Menschen erfinderisch sind“, so Badelt. „Kleine Unternehmen können das besser und schneller umsetzen. Ich bin nicht so pessimistsch“. Er sei dafür, dass die Unternehmen in der derzeitigen Situation unterstützt werden, allerdings nicht nach dem Gießkannenprinzip, davon müsse man abkommen. „Gesunde KMU, die jetzt wegen der hohen Energiepreise betroffen, aber eigentlich gesund sind, sollen für eine begrenzte Zeit unterstützt werden“, rät Badelt. Allerdings müsse das, um punktgenau zu sein, auf Antragsbasis passieren, dann sei das ein kluges Instrument.
Wichtig sei aber, dass man über kurz oder lang wieder die Themen Energie- und Klimawandel, die Demographie und die Digitalisierung ins Visier nehme. Gerade KMU seien dabei oft aufgrund ihrer Struktur im Hintertreffen, deren Bewältigung sei aber eminent wichtig, mahnt er. Die weltpolitische Lage könne man doch nicht verändern, sagt er mit Blick in die Ukraine, deshalb sei es wichtig, dass „die KMU wie gewohnt weiterarbeiten und in ihrer Kreativität nicht nachlassen“.
„Ich glaube, dass die KMU entdecken, dass sich trotz der Krise was machen lässt.“
Zur Person
Christoph Badelt
Präsident des Österreichischen Fiskalrates
Geboren 26. Feburar 1951
Ausbildung Realgymnasium Wien 18, Studium der Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel (jetzt: Wirtschaftsuniversität Wien, Sponsion zum Mag. rer. soc. oec. Doktor der Sozial-und Wirtschaftswissenschaften
Laufbahn Assistent am Institut für Volkswirtschaft an der WU tätig. Gastprofessur an der University of Wisconsin-Madison, weitere Gastprofessuren und Professuren in Österreich und Deutschland, außerordentlicher Universitätsprofessor für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der WU, ordentlicher Universitätsprofessor, Mitglied des Rektoratskollegiums, Vizerektor für Infrastruktur der Wirtschaftsuniversität Wien, wissenschaftlicher Leiter des Interdisziplinären Universitätslehrgangs für Sozialwirtschaft, Management und Organisation Sozialer Dienste (ISMOS-Lehrgang), Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien bis 2015, Vorsitzender der Österreichischen Universitätskonferenz, 2016 bis 2020 Leiter des Insituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), seit 2021 Präsident des Fiskalrates, Autor von 17 Büchern und Verfasser von mehr als hundert wissenschaftlichen Beiträgen in Sammelbänden und Zeitschriften.
Auszeichnungen Zahlreiche Auszeichnungen in Österreich und international, u. a. Wissenschaftler des Jahres, Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich