Vier Tage Arbeit, drei Tage frei

Markt / 18.01.2022 • 19:08 Uhr
Die Geschäftsführer Wolfgang Rigo (l.) und Martin Hofer. VN/Hartinger
Die Geschäftsführer Wolfgang Rigo (l.) und Martin Hofer. VN/Hartinger

Huppenkothen setzt ab Februar auf Vier-Tage-Woche mit 35 Stunden und gleichem Gehalt.

Lauterach Einen Tag pro Woche weniger arbeiten, eine verkürzte Wochenarbeitszeit und das bei gleichem Gehalt. Das Lauteracher Unternehmen Huppenkothen macht dies für seine Mitarbeiter zur Realität.

Zwei Jahre hat man sich beim Spezialisten für Baumaschinen der Mini- und Kompaktklasse über eine Vier-Tage-Woche intensiv Gedanken gemacht. „Uns ging es darum, wie wir den Mitarbeitern eine gute Work-Life-Balance bieten und Fachkräfte dazu motivieren können, zu uns zu kommen“, erklären die Geschäftsführer Wolfgang Rigo und Martin Hofer.

Organisation als Herausforderung

Zunächst galt es aber die damit verbundenen Herausforderungen anzugehen. Etwa wie eine Vier-Tage-Woche bei kleinen Teams umgesetzt werden kann und wie die optimale Organisationsstruktur aussieht.

Das ist nun geschafft. Startschuss für das neue Arbeitszeitmodell ist Februar. „Der Pilotversuch ist bis Jahresende angelegt. Wir gehen davon aus, dass alles klappt und das Ziel ist, dass wir es auch danach beibehalten“, sagt Rigo im VN-Gespräch. Auch wird für alle Mitarbeiter, die die Vier-Tage-Woche in Anspruch nehmen, die Wochenarbeitszeit von derzeit 38,5 auf 35 Stunden verkürzt. Und das bei gleichem Gehalt. „Dadurch bekommen die Mitarbeiter de facto eine Gehaltserhöhung von 9,3 Prozent. Sicherlich kostet uns das als Unternehmen Geld, aber uns geht es auch deshalb gut, weil die Mitarbeiter gut arbeiten und wir wollten nicht, dass jemand durch das neue Modell pensionsversicherungstechnisch Einbußen hat. Mittelfristig sehen wir das sowohl für die Beschäftigten als auch das Unternehmen sehr positiv“, sprechen die Geschäftsführer von einer win-win-Situation.

Freiwilliges Modell

Die Vier-Tage-Woche ist bei Huppenkothen freiwillig. Davon ausgenommen seien lediglich Lehrlinge aus rechtlichen Gründen sowie Teamleiter. 70 Prozent der insgesamt 320 Mitarbeiter haben sich dafür entschieden, 30 Prozent bleiben bei der Fünf-Tage-Woche. Mit einer gewissen Vorlaufzeit ist es auch möglich, in beide Richtungen zu wechseln.

Eine Effizienzsteigerung sei dabei nicht das erklärte Ziel, so Rigo. In manchen Bereichen könnte das neue Arbeitszeitmodell dazu führen, in anderen sei es schon allein aus der Tätigkeit heraus schwer machbar. Viel wichtiger ist den Geschäftsführern, dass der Kunde davon nichts merkt. Sprich: An der Service- und Beratungsqualität sowie der Erreichbarkeit soll sich nichts ändern. „Wir sind Bauzulieferer und haben eine Hotline von Montag bis Samstag. Deshalb haben wir uns auch gegen einen fixen freien Wochentag sondern für ein rollierendes System entschieden.“

Das bedeutet, Mitarbeiter A hat in der ersten Woche am Montag frei, die darauffolgende Woche am Dienstag und so weiter. Das führe zum positiven Nebeneffekt, dass jeder Mitarbeiter alle fünf Wochen von Freitag bis Montag ein langes Wochenende hat.

Positives Feedback

Die Freude im Unternehmen über diesen Schritt ist jedenfalls groß und das Feedback der Mitarbeiter sehr positiv. In diesem Jahr will man vor allem auch viel lernen. Denn das Ziel sei es, die Vier-Tage-Woche nach erfolgreichem Pilotversuch auch auf die Tochterunternehmen von Huppenkothen auszudehnen. VN-reh

Der Stammsitz von Huppenkothen in Lauterach. huppenkothen
Der Stammsitz von Huppenkothen in Lauterach. huppenkothen