“Chance, unsere Wintersaison zu retten”

Andreas Gapp war gestern auch Gast in der Sondersendung von Vorarlberg LIVE zum bevorstehenden Lockdown.
Seilbahn-Obmann Andreas Gapp hofft, dass die Politik die Zeit des Lockdowns sinnvoll nutzt.
riezlern Andreas Gapp ist Vorstand der Kleinwalsertaler Bergbahn AG und Sprecher der Vorarlberger Seilbahnen. Im Interview spricht er über den bevorstehenden Lockdown und wieso Skifahren eine gute Zukunft hat.
Sind Sie froh, dass der Lockdown vor Weihnachten kommt?
Gapp Ich glaube, es ist nicht fünf vor oder fünf nach zwölf, sondern genau zwölf Uhr. Somit ist der Lockdown notwendig. Er ist der letzte Ausweg und die Chance, unsere Wintersaison zu retten.
Am Skilift wird es nach dem Lockdown einen 2G-Nachweis brauchen. Kommt für die Bergbahnen die Impflicht mit Februar also zu spät?
Gapp Die Politik ist gefordert, die Zeit des Lockdowns zu nutzen, um nicht nur die Infektionszahlen runter zu bekommen, sondern auch um die Impfquote zu heben. Wir haben gesehen, dass die 2G-Regelung am Skilift bereits zuvor viele veranlasst hat, sich impfen zu lassen. Politik und Wissenschaft müssen nun gemeinsam den Weg gehen, damit wir schnellstmöglich aus dem Lockdown kommen und somit auch eine Wintersaison haben. Die Zeit des Zögerns ist vorbei.
Inwieweit muss die Politik die Betriebe nun unterstützen?
Gapp Man muss die Wirtschaftshilfen wie in der Vergangenheit entsprechend fortsetzen. Entscheidend ist dabei, wie lange der Lockdown letztlich dauert. Auch deshalb sollte die größte Anstrengung darauf liegen, dass wir nach 20 Tagen da rauskommen. Angst bekomme ich erst, wenn der Lockdown länger dauert. Denn ein weitere Saison 2020/21 wird sich für viele nicht mehr ausgehen.
Wie gut fühlen Sie sich generell von der Politik unterstützt?
Gapp Ich bin einfach kein Jammerer. Ich glaube, dass die Politik selbst mit geringer Sichtweite fährt. Wir müssen einfach bedingungslos nach vorne schauen, denn es bringt uns nicht weiter, zurückzuschauen auf das, was man hätte besser machen sollen.
Gehen wir davon aus, dass der Lockdown wie geplant mit 13. Dezember endet. Was wird es für ein Winter?
Gapp Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, was das für die Gäste bedeutet. Ich glaube „vertraut, aber doch neu“ trifft es ganz gut. Denn auch wenn vieles für uns neu ist, sind den Gästen Regeln wie 2G ja aus der Gastronomie vertraut. Natürlich schmerzt es uns, dass Kinder aus Deutschland unter zwölf Jahren nach einem Aufenthalt in Österreich in Quarantäne müssen. Wir appellieren hier eindringlich an die Verantwortlichen, diese Regelung nochmals zu überarbeiten.
In der Coronasaison fuhren die heimischen Seilbahnen einen Umsatzrückgang von 90 Prozent ein. Was ist heuer zu erwarten?
Gapp Endet der Lockdown planmäßig, wird es einen Wintertourismus geben, denn wir haben heuer auch wieder Übernachtungsgäste. Unsere deutschen Gäste haben ein Jahr nicht Ski fahren können. Sie freuen sich extrem darauf. Ob wir die Vor-Corona-Zahlen erreichen, weiß ich nicht, aber der Winter hat zumindest Potenzial.
Das Kleinwalsertal hat ja aufgrund der geografischen Lage eine besondere Stellung.
Gapp Unser Hauptmarkt ist Deutschland. Wichtig für uns ist deshalb immer, dass die Regeln in Vorarlberg und Bayern gleichgeschaltet sind. Denn das Virus kennt ja keine Grenzen. Deshalb empfinde ich es auch als bedauerlich, dass es bei der Pandemiebekämpfung keine einheitlichen europäischen Regeln gibt.
Sie positionieren sich als Ort für aktive Familien, Berg- und Sinnesgenießer. Was verstehen Sie darunter?
Gapp Wir sprechen neben Familien auch Gäste an, die Energie tanken, das Skifahren richtig genießen und Kulinarik wollen. Der Wunsch nach einer Auszeit wird stark zunehmen. Denn die Beanspruchung im Beruf wird ja nicht weniger. Wir sind mehr als der Beförderer von unten nach oben. Der Berg hat eine wahnsinnige Kraft und diese muss man nutzen. Après Ski oder Halligalli war deshalb nie unser Ding.
Was in Coronazeiten gut ist.
Gapp Ja, aber das ist Glück. Das muss man fairerweise sagen.
Fahren noch genügend Kinder Ski?
Gapp Wir haben mit der Fachgruppe viele Aktionen wie die Schul-Skitage und wir unterstützen auch kleine Skigebiete. Letztlich wollen wir den Menschen die Freude am Skifahren zeigen. Wenn man einmal das Erlebnis gehabt hat, will man das immer haben. Weil Skifahren so emotional und schön ist, mache ich mir da keine Sorgen.
Corona hat das Bedürfnis nach Natur verstärkt. Wird das bleiben?
Gapp Wandern war schon in den letzten Jahren ein Trend, der durch Corona noch verstärkt wurde. Das wird nicht abbrechen. Menschen sind gerne aktiv und die Digitalisierung mit Fitness-Trackern und Wanderrouten-Apps hilft dabei.
Welche Rolle spielt der Sommer im Kleinwalsertal?
Gapp Wir haben den großen Vorteil, dass Winter- und Sommersaison gleich stark sind. Aber die Sommersaison dauert länger. Von der Wertschöpfung ist der Winter somit das Kernstück. Wenn er fehlt, kann das der Sommer also nicht ersetzen. Es ist deshalb das Um und Auf, dass der Sommer von der Wertschöpfung noch stärker wird.
Wie kamen Sie in die Branche?
Gapp Bergbahn-affin war ich immer. Von meinem Kinderzimmer nahe Innsbruck habe ich auf die Patscherkofelbahn geschaut. Das hat mich immer fasziniert. Dennoch war der Weg ein zufälliger. Die Gesellschaft, für die ich arbeite, die Walser Raiffeisen Holding, hat sich 2016 an den Bergbahnen beteiligt und ich wurde gebeten, im Vorstand mitzuhelfen. Geplant war eigentlich nur ein kurzes Intermezzo.


Zur Person
Dr. Andreas Gapp
Vorstand Kleinwalsertaler Bergbahn AG, Vorstand Walser Raiffeisen Holding, Obmann Vorarlberger Seilbahnen
Geboren 06.05.1974
Ausbildung Studium Rechtswissenschaft, Ausbildung Dipl. Finanzleiter
Laufbahn Kleinwalsertaler Raiffeisenbank (u.a Leiter Rechtsabteilung, Vorstandsassistenz, Bereichsleiter); seit 2011 Vorstand Walser Raiffeisen Holding, seit 2016 Vorstand Kleinwalsertaler Bergbahn AG
Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen 130 Pistenkilometer, 70 Pisten, 48 Bahnen
Walser Raiffeisen Holding Beteiligungen u.a Ifen Hotel, Kleinwalsertaler Bergbahn, Walser Privatbank, Allgäu Airport