Gute Noten für die Gastgeber

Umfrage sieht positive Tourismusgesinnung der Bevölkerung, zeigt aber auch Potenziale.
Bregenz Wie denkt die heimische Bevölkerung über den Tourismus? Diese Frage blieb die letzten Jahrzehnte unbeantwortet, war das Verhältnis zwischen Einheimischen und Gästen nicht immer ganz konfliktfrei. „Was gond mi Gäscht a“, so lautete einst der Titel einer Broschüre. Heute hat sich vieles geändert. Das zeigt nun auch die repräsentative Umfrage, für die 1329 Menschen Fragen zu ihrer Tourismusgesinnung beantworteten.
Die Ergebnisse sollen nun in die neue Tourismusstrategie 2030 einfließen, die kommendes Jahr präsentiert wird.
Stärken und Potenziale
Die wichtigsten Erkenntnisse der Umfrage, die von Peter Vogler durchgeführt wurde: Für 88,8 Prozent der Befragten ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig, und für 80 Prozent trägt er zum Wohlstand des Landes bei. Die Stärken des Tourismuslandes sehen die Befragten vor allem im Winterurlaub, in Tagesausflügen sowie Kurzurlauben. Und 86,7 Prozent sagen, dass die Vorarlberger gute Gastgeber seien. 76,7 Prozent geben an, dem Tourismus positiv bis sehr positiv gegenüberzustehen.
Aufholbedarf beim touristischen Angebot sehen die Befragten indes bei den Shoppingmöglichkeiten sowie den Bäder- und Wellnessangeboten im Land. Differenzierter ist das Bild auch, wenn es um die ökologischen Auswirkungen des Tourismus geht. 29,6 Prozent sehen diese kritisch bis sehr kritisch. 27 Prozent sind unentschieden. Hier müsse besser informiert werden, so die Verantwortlichen. Kritik äußerten die Befragten auch an den Themen Verkehr und Zweitwohnsitze.
Für Tourismuslandesrat Christian Gantner sind die Ergebnisse insgesamt eine erfreuliche Basis, auf der sich aufbauen lasse. Den Grund für das positive Zeugnis sieht er vor allem in der Art und Weise, wie Tourismus in Vorarlberg gelebt werde. „Qualitativ, authentisch und keine Schein- und Zauberwelt.“ Wichtig sei nun, dass mehr Menschen in der touristischen Infrastruktur Vorteile für ihr persönliches Lebensumfeld sehen. Zudem will er die Bereiche Landwirtschaft und Tourismus näher zusammenbringen. Momentan seien sie noch wie Zwillinge, die nach der Geburt getrennt wurden.
Mehr netto als Belohnung
Spartenobmann Markus Kegele sieht in der Umfrage eine Bestätigung, aber auch eine klare Ansage, dass noch einiges an Arbeit warte. Man habe nun die Chance, etwas zu verändern. Sorgen bereitet ihm indes der Fachkräftemangel. „Wir sind weiterhin am Kämpfen und fordern deshalb eine Änderung bei der Besteuerung“, so Kegele. Den Beschäftigten müsse mehr netto vom brutto bleiben. „Schließlich muss es belohnt werden, wenn jemand dann arbeitet, wenn andere frei haben.“ VN-reh
