Deshalb platzt Vorarlbergs Touristikern der Kragen

Markt / 05.01.2021 • 17:00 Uhr
Deshalb platzt Vorarlbergs Touristikern der Kragen
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Vorarlberger Hoteliers und Gastronomen üben harte Kritik an der österreichischen Corona-Politik.

Feldkirch „Die Politik benutzt unsere Branche mittlerweile als Spielball für parteipolitisches Geplänkel. Wir erwarten endlich ein professionelles Krisenmanagement mit langfristig wirksamen Strategien, damit wir raschestmöglich mit geringstem Risiko aufsperren können“, sagt Markus Kegele, Hotelier in Stuben  und Sprecher des Tourismus und der Freizeitwirtschaft in Vorarlberg, und setzt nach: „Die Bundesregierung scheitert bei ihren strategischen Vorhaben und hat offenbar keine Alternativpläne.“ Aber auch mit der Corona-Politik des Landes ist er nicht zufrieden:  „Die Landesregierung sieht derzeit schweigend dabei zu.“ Es sei völlig klar, dass weiterhin die Gesundheit der Bevölkerung, der Gäste und der Mitarbeiter an erster Stelle stehen müsse. Daher werde in naher Zukunft ein Urlaub nur mit Testungen und später nur noch mit Impfungen gut möglich sein. Dies zum Beispiel in Vorarlberg flächendeckend digital und sicher umzusetzen, wären wir als Branche bereit und in der Lage, nur schafft die Politik die Rahmenbedingungen dafür nicht.“

Markus Kegele, Hotelier in Stuben  und Sprecher des Tourismus und der Freizeitwirtschaft in Vorarlberg: "Die Bundesregierung scheitert mit ihrer Politik und die Landesregierung schaut schweigend zu." <span class="copyright">WKV</span>
Markus Kegele, Hotelier in Stuben  und Sprecher des Tourismus und der Freizeitwirtschaft in Vorarlberg: "Die Bundesregierung scheitert mit ihrer Politik und die Landesregierung schaut schweigend zu." WKV

Schleichendes Gift

Während andere Branchen finanzielle Verluste beklagen, werde dem Tourismus und der Freizeitwirtschaft durch einen Lockdown weiterhin jede Existenzgrundlage entzogen. Dies, obwohl Österreich weltweit zu den Top-Tourismusnationen gehört und auch weltweit für hervorragende Dienstleistungen steht. „Aufgrund unserer jahrzehntelangen Expertise in Fragen der Ernährungskompetenz und Hygienesicherheit hätten wir professionelle und praktikable Lösungen in der Schublade. Denn jetzt geht es nicht um eine Woche mehr oder weniger, sondern um eine langfristige Strategie, die ein kontinuierliches Offenhalten unserer Betriebe ermöglicht. „Das ständige Auf- und Zusperren ist ein schleichendes und auf Dauer tödliches Gift.“ Hunderte Betriebe stehen bereits mit dem Rücken zur Wand und brauchen eine Perspektive, sonst geht die katastrophale Abwärtsspirale weiter: Wir erleben erstmalig in der Geschichte eine Angebots- und Nachfragekrise mit massiven gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen und verlieren Ausbildungsplätze und qualifizierte Fachkräfte. Wenn wir nicht gegensteuern, werden wir über Jahrzehnte zurückgeworfen.“

Planbarkeit statt Dampfhammer

Dass die Tourismus- und Freizeitbranche von den Covid-Maßnahmen der Regierung derzeit am stärksten getroffen wird, zeige u. a. die Steigerung der Arbeitslosenzahlen um 300,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Wir alle, die vom Tourismus leben, brauchen endlich Planbarkeit und keine Dampfhammer-Maßnahmen wie einen dauerhaften totalen Lockdown ohne Wenn und Aber.”

Unmut wächst

Der Unmut innerhalb der Vorarlberger Tourismus- und Freizeitbranche nimmt angesichts der Verlängerung des Corona-Lockdowns weiter zu. „Es geht jetzt um die Existenz von Hunderten Betrieben mit vielen Mitarbeitern. Viele Hotel- und Gastronomiebetriebe fordern daher eine Öffnung ohne Freitesten am 18. Jänner. Andere fragen sich, weshalb ein Öffnen mit verpflichtenden Schnelltests in den Betrieben bzw. vor Urlaubsantritt nicht möglich sein soll. Auch die Tatsache, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Supermarkt weder FFP2-Masken noch Tests erforderlich sind, erregt die Gemüter, weil diese Entscheidungen nicht epidemiologisch begründbar, sondern offenbar politisch kalkuliert sind. Hier wird übersehen, dass auch der Tourismus systemrelevant ist“, stellt Gastwirt Stefan Köb fest.