WKÖ-General Kopf: “Wir müssen die Wirtschaft am Laufen halten”

Markt / 03.04.2020 • 08:00 Uhr
WKÖ-General Kopf: "Wir müssen die Wirtschaft am Laufen halten"
Karlheinz Kopf: “Schneller kann man nicht mehr helfen.” VN/Steurer

WKÖ-Generalsekretär zu Hilfen, Wettbewerbsverzerrungen und Baustellen.

Schwarzach, Wien Dem Altacher Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, kommt in der jetzigen Situation eine wichtige Rolle zu, einerseits als Verhandler der Kurzarbeitsregelung, andererseits ist die Wirtschaftskammer Anlaufstelle für Sofortfhilfen für Selbstständige.

Herr Kopf, vergangenen Freitag sind die WKÖ-Rechner ob der großen Nachfrage für die Härtefallhilfe zusammengebrochen, hält die Nachfrage weiter an?

Karlheinz Kopf In den ersten Stunden versuchten 200.000 Unternehmer auf die Internetseite zuzugreifen, da hatten wir kurzfristig einen Ausfall. Nach zwei Stunden waren wir wieder online. Seither sind unsere Mitarbeiter voll dran, auch am Wochenende. Das zeigt auch erfreuliche Ergebnisse, denn über 90 Prozent der Anträge sind bearbeitet, über 90 Millionen Euro ausbezahlt. Aber nach wie vor gibt es sehr viele Anträge für die Härtefallhilfe.

Im ersten Entwurf zur Härtefallhilfe fehlten einige Berufsgruppen, wurde das repariert?

Kopf Es wurden jetzt die gesetzlichen Regelungen geschaffen, die auch Angehörige freier Berufe und anderer Berufsgruppen, die nicht Kammermitglieder sind, berücksichtigen. Wir haben aufgrund der neuen Erkenntnisse diese neuen Richtlinien, in welchen es beim Einkommen keine Ober- oder Untergrenze mehr gibt, ausgehandelt. Damit hat sich der Bezieherkreis deutlich ausgeweitet.

Viele Unternehmen drängen auf schnellere Abwicklung.

Kopf Schneller geht es nimmer, seit Mitwoch erfolgt die Überprüfung nicht mehr im Vorhinein, sondern im Nachhinein. Es geht schließlich um Liquidität für die Firmen und Selbstständigen.

Ein Thema, das für Diskussionen sorgt, sind die Verkaufssortimente der großen Lebensmittelketten. Wie steht die Wirtschaftskammer dazu?

Kopf Ich sehe die Notwendigkeit einer Regelung. Für Fachgeschäfte ist die Situation nahezu unerträglich. Präsident Mahrer und ich haben in einer Telefonkonferenz die Verantwortlichen der großen Handelskonzerne eindringlich mit dem Thema konfrontiert. Wir erwarten eine Zusage, dass sich das Sortiment, das verkauft wird, auf Dinge des täglichen Bedarfs beschränkt, die Signale sind positiv. Wichtig ist am Schluss, dass die Wettbewerbsgleichheit wieder hergestellt wird.

Zur Bauwirtschaft: Ist es zu verantworten, dass auf Baustellen jetzt wieder gearbeitet wird?

Kopf Das ist ein Balanceakt. Ich glaube, dass die Vereinbarungen, die der Gesundheitsminister in den Erlass aufgenommen hat, die Schutzmaßnahmen gewährleisten. Damit wurde auf den Baustellen Rechtssicherheit geschaffen, jetzt liegt es an den Unternehmen und den Auftraggebern, diese Maßnahmen umzusetzen. Generell ist es wichtig, dass wir die wirtschaftlichen Strukturen am Laufen halten, denn alles, was wir jetzt am Laufen halten, muss nicht , mühsam wieder hochgefahren werden.