Bei Gantner Electronic ist die Innovation Teil der DNA

Geschäftsführer Elmar Hartmann weiß, wie man über Jahrzehnte einen Innovationsvorsprung hält.
Nüziders Elmar Hartmann ist Geschäftsführer von Gantner Electronic. Im Interview spricht er über das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Menschen, den Umzug von Schruns nach Nüziders, und wie man als Unternehmen den Innovationsvorsprung hält.
Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen wächst weltweit. Beflügelt das die Nachfrage nach Zutrittssystemen von Gantner?
Definitiv. In unsicheren Zeiten steigt die Frage nach Sicherheit. Das merkt man extrem. Auch in Regionen, die gefühlt sehr sicher sind. Also auch hier bei uns. Wir haben dementsprechend viele Kunden aus dem öffentlichen Bereich. Eine Lösung soll aber nicht nur das Kernthema Sicherheit abdecken, sondern auch einen praktischen Mehrwert stiften. Zum Beispiel die Organisation von Gebäuden verbessern oder den Zutritt zur Wohnung mittels Fingerabdruck ermöglichen. Unser Gesicht zum Markt nennen wir „FACE“. F steht für Fitnessmärkte, A (attractions) für Freizeiteinrichtungen, Thermen und Bäder, C (corporate) für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sowie E (education) für Bibliotheken und Universitäten.
Neben Zeiterfassungs- und Zutrittssystemen setzt Gantner vermehrt auf Lösungen für das bargeldlose Bezahlen.
Das ist ein sehr wichtiges Thema. Mit einem Datenträger kann ich mich identifizieren und Zutritt bekommen, aber eben auch bargeldlos bezahlen, in der Kantine eines Unternehmens genauso wie im Schwimmbad. Das ist sowohl für den Kunden oder Mitarbeiter wie auch den Betreiber viel angenehmer, als Bargeld mitnehmen zu müssen.
Welches ist der stärkste Wachstumsmarkt?
Durch work-life-balance haben immer mehr Menschen Zeit für Freizeit. Deshalb ist das für uns ein wachsender Markt. Zudem profitieren wir insgesamt von der steigenden Internationalisierung. Ein Trend ist auch das so genannte „flexible working“. Es gibt Coworking-Standorte und es gibt Unternehmen, die nicht mehr nur fixe, sondern auch flexible Arbeitsplätze haben. Dadurch brauchen die Menschen aber die Möglichkeit, ihre persönlichen Gegenstände sicher unterzubringen. Das löst man ähnlich wie in Thermen oder Fitnessclubs mit cleveren Schrankschließsystemen. Auch hier ist der Punkt, genauso wie bei den intelligenten Zutrittssystemen: Es ist sicher, es ist angenehm und es hilft organisatorisch.
Inwieweit sind die Systeme maßgeschneidert?
Technisch gesehen sind sie auf gewisse Weise standardisiert, weil wir sonst preislich nicht attraktiv produzieren könnten. Wichtig ist aber, dass die Kunden durch entsprechende Konfiguration und Parametrierung ein auf sie abgestimmtes System bekommen.
Gantner bezeichnet sich als Pionier in der berührungslosen elektronischen Zutrittskontrolle und Zeiterfassung. Wie hält man über Jahrzehnte einen Innovationsvorsprung?
Mir war es immer wichtig, dass ein nennenswerter Betrag in die Entwicklung investiert wird. Anders geht es gar nicht. Ansonsten sägt man an der Zukunft. Es muss jedem bewusst sein, dass Innovation ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Unternehmens ist. Man muss im Unternehmen Innovation als Teil der DNA haben. Und natürlich braucht es Mitarbeiter, die qualifiziert und innovativ sind und Trends beobachten.
Wie bekommt man die hochqualifizierten Mitarbeiter? Ist das am neuen Standort in Nüziders leichter als in Schruns?
Es ist ganz schwierig, weil Vorarlberg ein guter Boden ist für viele Unternehmen, die alle um gute Leute buhlen. Der Standortwechsel war keine Entscheidung gegen das Montafon, aber Nüziders ist rein für die Mitarbeitersuche schon ein besserer Platz. Durch den Umzug haben wir nicht nur das Platzproblem behoben, sondern mit dem neuen Gebäude auch bei Bewerbungsgesprächen einen Pluspunkt. Zudem ist die verkehrstechnische Anbindung mit Bahnhof, Bushaltestelle und Radweg sehr gut. Wir forcieren seit Jahren auch massiv die Lehrlingsausbildung. Wir brauchen die Lehrlinge und es ist unsere soziale Verantwortung. Ihnen stehen bei uns auch nach der Ausbildung alle Türen offen.
Sie sind seit 24 Jahren bei Gantner Electronic. Wie hat sich der Markt verändert, wie die Anforderungen im internationalen Geschäft?
1996 war es ein kleines Unternehmen. 2003 hatten wir 60 Mitarbeiter, nun sind es über 400. Mit der zunehmenden Größe gibt es natürlich immer mehr organisatorische Themen zu bewältigen. Auch die regulatorischen Anforderungen sind massiv gewachsen. Toll ist aber, dass wir uns dadurch auch viele neue Möglichkeiten geschaffen haben. Wir sind in schönen Märkten aktiv und haben spannende Produkte.
Wie ist Ihr Mitbewerb aufgestellt?
Unser Ziel ist es, in den Segmenten, in denen wir tätig sind, eine führende Position zu haben. Durch unser Portfolio und die internationale Aufstellung konnten wir so den Abstand vergrößern. In einzelnen Themen oder Ländern gibt es schon Mitbewerber. Aber das hält uns jung und führt dazu, dass wir ständig darüber nachdenken müssen, wie wir unsere Produkte und Lösungen verbessern können.
Sie haben eine Private Equity Firma als Eigentümer. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Sie sind sehr professionell. Sie sehen die Möglichkeiten von Gantner und unterstützen das. Die großen Fonds erkennen, dass es schwierig wird, wenn permanent an der Entwicklung gespart würde.