„VN werden luftiger und ein Stück weit moderner“

Kopf des Kreativteams von Edenspiekermann im Interview.
Schwarzach Luftig, leicht, modern und gut lesbar – mit diesem Ziel hat ein internationales Designerteam um Kreativ-Direktor Christian Hanke in Berlin und Schwarzach den VN in einem beinahe einjährigen Entwicklungsprozess ein neues Gesicht gegeben.
Was zeichnet das Design der neuen VN aus?
Hanke Es wird eine Designsprache, die ein vielseitigeres und facettenreicheres Erzählen ermöglicht. Mit dem neuen Design werden eine Klarheit und auch eine zeitgemäße Optik eingeführt, die für eine ganz neue Anmutung sorgen. Die VN werden luftiger und auch ein Stück weit moderner. Die zentralen Aspekte sind Klarheit und Facettenreichtum.
Worauf wurde bei der Neugestaltung besonders Wert gelegt?
Hanke Wenn wir an Nachrichten herangehen, speziell wenn sie gedruckt sind, ist die Schrift enorm wichtig. Wir haben mit einer sehr bekannten Schriftgestalterin zusammengearbeitet, die eigens für die Titelschrift besondere Schnitte angefertigt hat. Bei der Headline war es uns wichtig, ein Stück weit an das Bestehende anzuknüpfen, aber dennoch einen Akzent zu setzen, den kein anderer hat. Es ist eine einzigartige Schrift entstanden, die noch nie zuvor irgendwo eingesetzt wurde. Auch für den Textbereich haben wir eine zeitgemäße Schrift gewählt, die sich durch Klarheit und gute Lesbarkeit auszeichnet.
Was wurde unternommen, um die gute Lesbarkeit zu gewährleisten?
Hanke Wir haben ganz intensiv mit der Druckereileitung in Schwarzach zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass beim Schriftbild im Vergleich zur alten VN keinerlei Nachteile entstehen. Gerade im Hinblick auf die Zielgruppe lag der Fokus auf einer guten Lesbarkeit der Mengentexte, aber auch einer guten Erfassbarkeit einer Doppelseite. Sie muss gut scannbar sein. Die Leute lesen nicht nur linear den einzelnen Artikel. Sie wollen den Überblick, wollen ein wenig über die Seite schweifen und schauen, wo die unterschiedlichen Geschichten sind, die sie interessieren. Aber vor allem ging es auch um Schriftgrößen. Es ist entscheidend, dass man nicht zu klein wird und das vom Leser nachteilig wahrgenommen wird. Trotzdem wirkt jede Schrift anders und es wird dazu natürlich auch Feedback geben.
Gibt es für die VN ein Vorbild, von dem Ihr inspiriert wurdet?
Hanke Wir haben natürlich den Markt gescannt. In der Schweiz wurden einige Regionalzeitungen neu gestaltet. Das haben wir uns angeschaut. Und wir haben genauer unter die Lupe genommen, was in den USA im Bereich von Tageszeitungen zuletzt passiert ist. Zu sehen, wie edel, wie zeitgemäß, wie jung, wie anders eine Zeitung nach einem Relaunch wirken kann, das hat uns schon sehr inspiriert. Das ist eine ganz sensible Entscheidung und ein schmaler Grat. Da muss man schauen, ist das schon zu weit weg oder zu nah am Alten. Da haben wir uns für das Redesign der VN ein paar gute Vorbilder angeschaut.
Was ist von der zukünftigen Bildsprache zu erwarten?
Hanke Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, wie wir in einer schnellen Nachrichtenlage mit guten Bildern arbeiten und damit die Qualität der Bildsprache erhöhen können. Da geht es auch darum, dass Entscheidungen bewusster getroffen werden – auch einmal gegen ein Bild, wenn kein gutes vorhanden ist. Wir haben uns auch mit Formaten auseinandergesetzt, wie Drohnenbilder und Infografiken, die im Markenkern verankert sind. Die VN stehen als Marke dafür, dass Nachrichten nicht nur erzählt, sondern auch sichtbar gemacht werden. Das Ganze haben wir mit neuen Ideen angereichert und aufgewertet.
Was sind deine persönlichen Highlights bei der Neugestaltung?
Hanke Außergewöhnlich empfand ich, wie motiviert die Redaktion bereit war, auch neue Wege zu gehen. Das habe ich selten so erlebt und es hat auch mich unglaublich motiviert. Auch bei den Textlängen, was innerhalb von Redaktionen ein sehr sensibles Thema ist, wurden mutige Ansätze gewählt. Zu sagen: Kurzes muss kurz sein und Langes muss länger sein, sind Prinzipien, die wir aufgestellt haben, um eine Deutlichkeit in den Formaten zu erhalten. Wir haben uns auch intensiv gefragt, was sind Elemente, die wir aus dem Digitalen in den Printbereich übernehmen können. Dass man mehr in Modulen als in festen Seitenstrukturen denkt, das fand ich spannend und hat mich sehr begeistert.
Zur Person
Christian Hanke
ist Partner und Creative Director
der internationalen Designagentur
Edenspiekermann. Er arbeitet mit Auftraggebern wie Süddeutsche Zeitung, The Economist, Zeit Online und Red Bull an digitaler Markenführung und innovativen Produktentwicklungen.
Geboren 31. Dezember 1981