Leserbrief: Frühkindpädagogik

Zum Kommentar “Ausscheidungs-Autonomie” von Rainer Keckeis, VN vom 13. April:
Vielleicht ist die Kolumne von Herrn Keckeis “Ausscheidungs-Autonomie” ein verspäteter Aprilscherz. Wenn nicht, erlaube ich mir folgende Wortmeldung: Sobald über Arbeitslosigkeit oder Arbeitskräftemangel geredet wird, ist ein Begriff immer Bestandteil der Argumentation: Bildung. Stimmt schon. Die Zahlen derer, die wegen ihrer mangelhaften oder gar fehlenden Deutschsprachlichkeit nicht vermittelt werden können, dominiert bei jungen Arbeitssuchenden. Dass der Begriff “Erziehung” negativ besetzt sein soll, kann doch nichts mit mangelnder Bildung zu tun haben! Erstens: Die Erziehung vom Baby, Kleinkind, Pubertät und darüber hinaus ist ureigenste Verantwortung der Eltern! Wenn in der Kinderbetreuung, im Kindergarten die Eltern dabei unterstützt werden, sehr gut. Dann sollten auch Tugenden wie “bitte – danke”, Respekt usw. vermittelt werden. Und motorische Fähigkeiten, z. B. wie man einen Stift zum Schreiben hält oder eine Schere, ohne sich zu verletzen. Damit schließt sich für mich ein Kreis: Um Kleinkindern diese Fertigkeiten beizubringen, braucht es m. E. keine akademische Ausbildung! Es braucht in hohem Maße Empathie! Gut und recht, alles muss gelernt sein. Aber junge Leute, die mit kleinen Kindern ausnehmend gut umgehen können, aber niemals Mathematik, Germanistik oder sonst was studieren wollen oder können, kommen also aufgrund ihrer “Bildung” als “Pädagoge*in” nicht in Frage? Das nenne ich Ausscheidungs-Autonomie.
Norbert Gugganig, Dornbirn