Zivilcourage

Leserbriefe / 22.09.2021 • 17:09 Uhr

Die Zivilcourage sehe ich als „Aufstehen“ gegen die herrschende Meinung, das Eintreten für soziale Werte oder die Werte der Allgemeinheit, an die man selber glaubt – ohne Rücksicht auf sich selbst sowie als sichtbaren Widerstand aus grundsätzlicher Überzeugung. Man benötigt gutes Selbstwertgefühl und eine realistische Selbsteinschätzung, dass man es wagt, hinzustehen und zu reagieren, statt wegzuschauen. Es braucht viel Mut, sich für einen Menschen oder eine Sache einzusetzen, die vom Umfeld anders bewertet oder nicht beachtet wird.Vordergründig ist für mich oft der Sinn für Gerechtigkeit der auslösende Moment, um sich mit Zivilcourage für eine Sache oder eine Person einzusetzen.

Wenn ich mich als Passantin mit einer realen Gefahr konfrontiert sehe, dann muss ich mich immer erst daran erinnern, dass die Zivilcourage ein freiwilliges, nicht durch Zwang oder Fremdbestimmung veranlasstes oder vorher genau fest-
gelegtes Handeln darstellt und Handlungsspielräume bzw. Alternativen gegeben sein müssen und auch überlegen, wie man eine Chance wahrnimmt, wie man helfen oder etwas verändern kann, ohne selbst Gefahr zu laufen, zwischen die Mühlen der Gewalt und des Gesetzes zu geraten.

Zivilcourage – ein schönes Substantiv, mit dem man beweisen kann, humane und demokratische Werte ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten etc. zu vertreten.

Sabine Windberger, Bregenz