Wie schnell sich
die Zeiten ändern

Leserbriefe / 08.09.2021 • 17:50 Uhr

Mit über 88 Jahren gehöre ich der älteren Generation an. Schon öfters wurde ich gefragt, was sich im Laufe der Jahre auf den Bauernhöfen verändert hat. Ich erinnere mich, dass es in meiner Jugendzeit im ganzen Dorf einige Pkw gab, aber noch keinen einzigen Traktor. Die Traktoren heute, mit den vielen Zusatzmaschinen und Geräten, erleichtern den Bauern die Arbeit und erfordern weniger Personal bei der Bewirtschaftung. Die Wiesen wurden händisch gemäht. Die Sensen am Vorabend gedengelt. Ich höre noch den rhythmischen Hammerschlag. In der Morgendämmerung hörte man, wie die Mäher die Sensen wetzten. Wenn die Sonne die Böden trocknete, wurden auch die Frauen und Mädchen in die Feldarbeiten eingebunden. Das Gras wurde gezettet, gegen Mittag und am Nachmittag gewendet und gegen Abend wieder gemahdet. So lange, bis das Gras zu Heu wurde. Es gab damals noch keine Lüfter und auch keine so guten Wettervorhersagen wie heute. Mit Pferdefuhrwerken wurde das Heu eingebracht und händisch im Stadel auf dem Heuboden abgeladen. Die Kühe wurden händisch gemolken und die Milch am Morgen und am Abend in die Sennhäuser gebracht. In der Gemeinde waren mehrere Sennereien. Es war eine Zeit mit großem körperlichem Einsatz. Aber ich bin überzeugt, dass sich die Menschen damals näherstanden als heute.

Hugo Mayer, Egg