Schießbefehl im Magazin 4

Kultur / 24.04.2026 • 17:20 Uhr
Maria Fliri spricht über eine Stunde Bernhard-Text - und das mit anhaltender Energie. UNPOP/STARK
Maria Fliri spricht über eine Stunde lang Bernhard-Text – und das mit anhaltender Energie. UNPOP/STARK

Das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung inszeniert “Alte Meister, Komödie” von Thomas Bernhard als spritziges Vergnügen.

Bregenz “True love will find you in the end, you’ll find out just who was your friend” schallt es vom Band durch die Räumlichkeiten des Magazin 4. Caro Stark hat hier für das Ensemble Unpop ihr eigenes Kunsthistorische Museum reingezimmert. Das macht durchaus Sinn, denn Regisseur Stephan Kasimir hat Thomas Bernhards “Alte Meister” als Bühnensolo für die Schauspielerin Maria Fliri adaptiert und es ist ihm das Kunststück gelungen, die Essenz des Werks aufs Nötigste herunterzubrechen und gleichsam nicht auf die emotionale Ebene zu vergessen. Es macht eine geradezu kindliche Freude, die in ebendiesem Kunsthistorischen Museum spielende Geschichte von Reger und Atzbacher aus Fliris Mund zu vernehmen. Bernhards herrliche Tiraden gegen die „alten Meister“ selbst, den Staat, die Gesellschaft, Philosophen, Habsburger, Künstler, Intellektuelle, den Kulturbetrieb mit all seinen Partizipanten passen perfekt auf die eigens dafür entwickelte Bühne, welche den Besucher direkt im Museum Platz nehmen lässt. Die verbalen Attacken werden noch durch Flris Handgeste der Fingerpistole optisch verstärkt. Bei jedem Knall tritt Farbe auf der anvisierten Leinwand hervor, welche der Schwerkraft folgend rinnt bzw. von der Darstellerin verschmiert wird. Doch es wird nicht nur geschimpft. Es ist auch ein Stück über Verlust, über Deutungshoheit, über Einsamkeit – und am Ende ist es doch eine Komödie, bei der einem auch das Lachen im Hals steckenbleiben könnte.

Schießbefehl im Magazin 4

Die Szenen werden durch Einspielungen von Musik von Daniel Johnston unterbrochen. Dieser hat seine Popularität leider weniger dem Fakt zu verdanken, dass er ein wirklich bemerkenswerter Liedermacher war, sondern dass sich der 1994 verblichene Nirvana-Frontmann Kurt Cobain mehr als einmal in einem T-Shirt mit dem Plattencover zu Johnstons Album “Hi, how are you” ablichten ließ. Genau mit diesem popkulturellen Kniff, der Frage nach “Meisterschaft”, gelingt es den Theatermachern, Bernhards Text eine unerwartete Zeit- und Ortsunabhängigkeit zu verpassen. Und dann ist es am Ende irgendwie wie bei Cobain: Das Licht geht gefühlt zu früh aus. Das Publikum goutiert die Aufführung mit langanhaltendem Applaus. So sieht eine gelungene Premiere aus.

Das Stück wird als Koproduktion mit dem Kulturservice der Stadt Bregenz realisiert und stellt unter Beweis, welche Möglichkeiten dieser Raum in den richtigen Händen eigentlich zu bieten hat. Derzeit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die von Fliri an die Wand geschossenen Kunstwerke sind während den normalen Öffnungszeiten des Kulturservice zu bestaunen. Erst direkt vor der nächsten Vorführung wird auf Tabula rasa gestellt. Man darf hoffen, dass die Stadt weitsichtig genug ist, dieses Potenzial nicht nur zu erkennen, sondern auch zu nutzen.

Schießbefehl im Magazin 4

Eine Empfehlung bezüglich der Garderobe sollte noch ausgesprochen werden. Lassen Sie ihre Kostüme von Balenciaga, Chanel, Gucci und Prada lieber zu Hause im Kleiderkasten. Die Darbietung beinhaltet auch das, was bei Arbeiten an Fassaden gerne als Flugspritzer bezeichnet wird. Es ist zwar nicht so, dass sich die Farbe für alle Ewigkeit ins Textil frisst, aber man kann sich bereits im Vorfeld mit der richtigen Kleiderwahl ein flüchtiges Ärgernis ersparen. Das festliche Gewand kann man dann ja wieder für die Festspiele oder das Burgtheater-Gastspiel rauskramen. Oder, falls eine Wien-Reise geplant ist, für den Besuch im Kunsthistorischen Museum.

Weitere Vorstellungen: 25. 4. sowie 2., 9., 13. und 21. 5., jeweils 20 Uhr; Magazin 4, Bergmannstrasse 6, Bregenz; Karten unter www.unpop.at/karten